Ohne Internet - Über Verantwortung & Haftung

von Gerhard Schellmann (Kapverden) (Kommentare: 0)

Container-LKW kappt unsere Kommunikationsleitung (DSL & IPTV)

Gegenüber den Anfangszeiten von 2003 mit einer einzigen analogen 33KB-Modem Dialup Leitung sind wir inzwischen für hiesige Verhältnisse fast schon komfortabel angebunden

1 separate FAX-Leitung 00238-272-2217, ein eigenes Telefon für das Restaurant 00238-273-2078 und eine (Haupt-)Leitung für DSL, IPTV, heißt hier TV-Cabo und unserem privaten Telefon.

Die monatlichen Fixkosten dafür betragen insgesamt 3.512$00 CVE, also knapp 32€. Für die DSL-Verbindung erhalten wir nominell 2048KB Download und 256 KB Upload bei einem maximalen Volumen von 10GB. Das diese Leistung wirklich nur nominell ist, durfte ich letztmals Mitte August 2011 feststellen, als der Download des GIMP-Video Trainings geschlagene 14 Stunden dauerte. Die im FTP-Programm angezeigte Geschwindigkeit schwankte so zwischen 90 und 1400KB!

Am Donnerstag um 14:50 kappte ein großer LKW mit einem großen Container genau diese Kommunikationsleitung.

Meine Frau hat sofort bei der zentralen Havariestelle der Telekom in Praia angerufen. "Ja, wir schicken jemanden vorbei". Am Freitag um 08:30 ihr zweiter Anruf: Wir verstehen ja, dass gestern wegen des Regens niemand vorbeigekommen ist, aber wir brauchen diese Leitung dringend - "Ja, wir schicken jemand vorbei". Am gleichen Tag um 15:00 Uhr war dann jemand anders am Telefon: "Nein, Praia ist dafür nicht zuständig, da müssen Sie direkt in Calheta bei der Telecom anrufen". Calheta hat aber keine eigene Telecom, sondern wird von der örtlichen Post vertreten. Und die schließt pünktlichst um 15:00 Uhr.

Am Montag um 08:30 Uhr Anruf bei der Post. Isa: "Ja, ich werde mich darum kümmern". Als wir vom Rechtsanwalt in Assomada zurückgekommen sind um 13:30h: "Es hat so viele Havarien, bisher ist noch niemand aus PedraBadejo aufgetaucht". In PedraBadejo, umgangssprachliche Santiago(-le) von dem alten Namen Santiago Major, ist die zuständige Störstelle stationiert.

Dienstag 08:30 h Direkter Anruf beim Chef der Havariearbeiter in Santiago. Er verspricht sich darum zu kümmern.

09:20 h Cheepy und sein Kollege sind schon da. Cheepy meinte: es wäre mal wieder nichts im System gewesen. Sein Kollege hat sich hinterher bei mir entschuldigt, er hätte die Meldung erst heute morgen erhalten.

Fazit aus der Geschichte: Die Inkompetenz und 'Trägheit' eines kapverdianischen Angestellten kann man leider oft nur dadurch überwinden, daß man sein Anliegen eine Stufe höher anbringt. Meistens hilfst. Wenn nicht, dann muß man halt nochmal einen Level höher gehen.

Das Kernproblem der Angelegenheit: Viele fühlen sich nicht verantwortlich für das, was sie (nicht) tun. Und sie werden dafür weder verantwortlich gemacht geschweige denn in irgendeiner Form haftbar: In der Regel gibt es meist keine spürbaren Sanktionen.

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