Neuigkeiten aus & über Fogo

von Gerhard Schellmann (Kapverden) (Kommentare: 0)

1. Die Ansiedlungen Bangeira, Portela & Ilheu de Losn sind zerstört

Bangeira - fast alles von Lava bedeckt

In der Caldeira sind praktisch alle Häuser zerstört und die gut 1200 Einwohner sind in drei Dörfern untergebracht.

Gößtenteils in den bereits nach der Eruption von 1995 errichteten, aber praktisch nie genutzten „Aussiedlerhäusern“ in Achada Furna und Monte Grande sowie ca. 200 im alten Gymnasium von Mosteiros. Oder auch bei befreundeten Familien in São Filipe.

Insgesamt ist die Stimmung besonders optimistisch: Die Menschen haben ihre Häuser verloren, aber die Einrichtung meist retten können. Aber schlimm ist die Ungewissheit: wird der Staat ihnen, wie versprochen, wieder ein Haus aufbauen? Und wann und wo? Und es gäbe genügend auf den Feldern zu tun: die Reben zu schneiden (gut 90% sind erhalten geblieben), Strauchbohnen zu ernten und vor allem sind die Ziegen jeden Tag zu versorgen.

2. Neue Verwaltung BairaMar & OpenSky

Innenhof Casa BairaMar

Im Januar übernahmen Marisa und Musti die Verwaltung des Casa BeiraMar (Privatzimmer),  dem saniertem alten Herrenhaus in São Felipe mit den folgenden Updates

  • Free WLAN Service für übernachtende Kunden
  • 8 - 23 h Restaurant.
  • Solaranlage (Zu viele Stromausfälle in Sao Filipe, von den Strompreisen ganz zu schweigen;-)
  • Exkursion Organisation und Beratung.

Als Unterkunft für Gruppen,haben die beiden ebenfalls die Pension Open Sky übernommen-

3. Wanderungen rund um Cha das Caldeiras/Rückwand der Bordeira

3.1. Vorschläge von Mustafa

  1. Bordeira Wanderung - Route 1: Cural déAsno - Bordeira Komplett- Mosteiros (Pai Antonio), 2 Übernachtungen, 3 Tage

    Die Rückwand der Caldera auf Fogo weisst gewaltige Dimensionen auf. Sie  umläuft majestätisch beinahe 2/3 des 10km grossen (Durchmesser) Ovals der Caldera-Ebene mit einer Wandhöhe von bis zu knapp 1000m. Ein klassischer Weg folgt dabei fast ausschliesslich dem Kamm der gigantischen Wand. Mit über 30km und darin eingebettet etwa 3.000 Höhenmeter ist dies der Königswegì der vielen Wander- und Kletterwege auf der Vulkaninsel. Insgesamt 1360m dieser 2 Tage-Tour sind mit einem der modernsten Klettersteigsysteme der Welt ausgestattet. Die Bergführer der Cha gehören zu den am besten ausgebildeten des Archipels und sorgen dafür, dass die anspruchsvolle Tour sicher abläuft und ein Vergnügen bleibt. Die Übernachtung auf der Bordeira - ein Erlebnis für sich und für viele der wirkliche Höhepunkt - wird oft bereichert durch Life-Musik* der Guides und und gutem Essen am Lagerfeuer. Die fast ganzjährigen optimalen Wetterverhälltnisse und der leichte Zugang zu dem Steig machen die Bordeira-Wanderung zu etwas wirklich einmaligem auf der Welt. Die Tour beinhalten Honorare für die 7 Guides, Vollpension (Lunchbags, Abendessen), Sicherungsmaterial, An- und Abfahrten, Basisunterstützung und Organisation. Daten Wanderung: + 3000 m, - 4000 m, 50km, 20h reine Wanderzeit.

  2. Bordeira Wanderung - Route 3A: Cural déAsno - Bordeira Süd - Punto Alto Sul - Miguel Gonçalves, 8h

    Der südliche Teil der Bordeira beginnend am Eingang des Naturparks bietet im Gegensatz zum Westen und Norden der gewaltigen Kraterwandstrucktur den sanfteren und einfacheren Teil. Was dem Erlebniswert aber keinen Abrucb tut; die Aussicht in beide Richtungen ist dauerhaft ein Augenöffner. Die Wanderung führt beinahe ausschliesslich über leichtes Gelände und geht über den breiten Kamm der Bordeira. Der Punto Alto Du Sul bietet ein echtes Gipfelgefühl und hier beginnt auch unmittelbar der Abstieg. Dieser hat mit seinen 1500 Höhenmetern bis man bei Miguel Gonçalves die obere Ringstrasse erreicht einen gewissen Anspruch; auch wenn der Weg beinahe gänzlich über leichtes Gelände und - wie am Pico Do Fogo - über Aschefelder führt.

  3. Bordeira Wanderung - Route 3b/3C: Cural déAsno - Bordeira Süd - Punto Alto Sul - Cabeça Fundão, 6h (Als Alternative zum Aufstieg zum Pico)

    Vom Gipfelpunkt des Punto Alto Do Sul geht es noch mal etwa 100 Höhenmeter den selben Weg zurück. Der Abstieg zur Cabeça Fundão folgt nicht wirklich einem erkennbaren Weg. Schräg durch Lapilli-Felder gesprenkelt mit der spezifischen Fauna der Bordeira gleitet man eher als das man läuft und kommt etwas nach 2 Stunden und 1000 Höhenmeter am Bauernhaus von Miguel an. Mit etwas Glück kann man dort frischen Ziegenkäse geniessen, bevor es knapp eine Stunde fahrend nach São Flipe hinunter geht. Wie bei allen Bordeira Touren gilt: Wer Zeit hat sollte in Achada Furna an der "Exilbar" von Ramiro halt machen. Authentische Lifemusik und ein Glas Manecom (Hauswein aus der Caldeira) runden das Erlebenis perfekt ab. Mit 900 Höhenmetern Aufstieg und ¸ber 1000m Abstieg und der Gesamtdauer von 6-7 h (ca. 15km) ist diese Wanderung das beste Adäquat zu der Pico do Fogo Tour. Auch wenn es nicht an einer so einzigartigen Struktur wie dem Vulkan stattfindet, ist es von der Schönheit sicher mindestens ebenbürtig.

    Übrigens lässt sich die Tour weiter 2 Stunden verkürzen: Man bricht zum Abstieg bereits voneinem früheren Nebengipfel auf und steigt zum oberen Teil des Dorfes Cabeça Fundão ab. Höhenmeter auf: 650, ab 800, ca 4 Stunden (Wanderung: 3 C).

3.3. Arbeitsbesuche Anfang März

Frau Schellmann wird Anfang März persönlich vor Ort sein, um die aktuelle Situation abzuklären und zusammen mit Attila Bertalan auch zwei Wanderungen auszuprobieren. Anschliessend werden wir über unsere konkreten Wander- & Reisevorschläge zu Fogo, Cha das Caldeiras und dem Pico / Rückwand der Bordeira entschieden.

4. Adega - Neuigkeiten von der Winzergenossenschaft

Vom 6. bis 16. Januar war Franz Egger, der masgeblich am Aufbau der zerstörten Adega betiligt war, auf Vorschlag des Obmanns der Kellereigenossenschaft „Chá“ und auf Einladung des Krisenstabs der Regierung in Kap Verde. Es ging offiziell darum, bei der Bestimmung des Standortes der neu zu errichtenden Kellerei mitzuwirken.

Im folgenden wesentliche Auszüge aus seinem Bericht

4.1. Schäden an der Kellerei

Lava in der Adega

"Mit der Kellerei ist es schlimmer bestellt, als ich angenommen hatte. Auch in den doppelwandigen, robusten Teil der Gebäude ist die flüssige Lava vorgedrungen und hat die Edelstahlfässer teilweise eingeschlossen. Bestenfalls der kaffeebraune Passito scheint mir eventuell als „Passito de Erupção“ genießbar. Die Sorge gilt den Fässern mit Rotwein, die seit Anfang Dezember am Hang hinter der Kellerei stehen. Der Wein sollte möglichst bald abtransportiert und abgefüllt werden. Seit einigen Tagen ist die Straße bis zur Kellerei wieder hergestellt."

4.2. Zusammenarbeit mir den Kapuzinern für die Weinernte 2015

Rotwein 2014 - zwischengelagert

"In dieser Situation war es für mich zunächst wichtig, eine Lösung für die Ernte 2015 zu finden. Die italienischen Kapuziner haben neben einem Krankenhaus ab 2009 oberhalb der Hauptstadt Sao Filipe ein Weingut und eine Kellerei errichtet. Da die 24 Hektar große Rebfläche aufgrund von Wassermangel nicht den erwarteten Ertrag bringt, ist ein Großteil der modern eingerichteten und klimatisierten Kellerei ungenutzt. Auch wenn in der jüngsten Vergangenheit Erfahrungen mit unlauterer Konkurrenz seitens der Kapuziner gemacht wurden, wurde vom Landwirtschaftsministerium zum –  schließlich erfolgreichen - Dialog geraten. Die Kellerei „Monte Barro“ vermietet demnach Einrichtung und Fässer an die Weinbauerngenossenschaft, um den Rotwein 2014 abzufüllen und die Ernte 2015 einzukellern.

4.3. Standort für den Wiederaufbau der Adega

mögliche Ansiedlung ausserhalb der direkten Gefahrenzone

"Hinsichtlich der neuen Kellerei gibt es einerseits den Wunsch derWeinbauern, diese wieder innerhalb der Caldeira, auf einer „lavasicheren“ Anhöhe zu errichten und andererseits die Vorstellungen der offiziellen Stellen Bürgermeister, Regierung, Zivilschutz, internationale Geldgeber), wichtige Investitionen wie Kellerei, Naturparkhaus oder Schulen nicht mehr im direkten Risikogebiet zu errichten.

Ich habe die Meinung vertreten, dass die Wahl des Kellerei-Standorts nicht von der Frage des Standorts der Wiederansiedlung der Einwohner getrennt werden soll. Wenn aber eine Ansiedelung außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone Erfolg haben kann, dann sicherlich nur in Zusammenhang mit der Zuweisung von landwirtschaftlich nutzbarem Land. An der nördlichen Außenseite der Bordeira in der Gegend von Montinho und Piorno hat der Staat noch Agrarland zur Verfügung."

4.4 Vermehrte Nachfrage nach Ausbildung

Eine interessante Beobachtung schildert Franz auch in seinem Brief

"Was nach den positiven Erfahrungen der vergangenen Jahre jedoch verstärkt an uns herangetragen wurden, sind gezielte Anfragen nach Ausbildung von jungen Menschen in verschiedensten Bereichen der Verarbeitung
landwirtschaftlicher Erzeugnisse: Milchverarbeitung (v. a. Ziegenkäse), Obstverarbeitung (Marmeladen, Trockenobst), Weinerzeugung, Brennereiwesen, Kräuteranbau und -verarbeitung, Gemüseanbau sowie Imkerei. Aber auch andere Bereiche wie Ausbildung von Natur- oder Bergführern werden in Betracht gezogen.

Die Ausbildung von Menschen nimmt durch eine Naturkatastrophe kaum Schaden und ermöglicht es den Opfern auch, dass sie sich leichter wieder aufrichten und ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Gleichzeitig haben
wir festgestellt, dass es in der kleinstrukturierten und vielfältigen Südtiroler Landwirtschaft zahlreiche interessante Betriebe und gar einige Bäuerinnen und Bauern gibt, die bereit sind, ihre Fertigkeiten und ihr Wissen weiter zu geben."

5. Spenden für die Führervereinigung von Cha das Caldeiras

Wir bei Reiseträume sind sehr daran interessiert, dass der Tourismus zum Pico de Fogo möglichst schnell wieder in Gange kommt. Wir denken, wenn wir die Vereinigung der Führer von Tchan unter ihrem Präsidenten Musti gezielt unterstützen, kann das der Anfang sein, um den Vulkantourismus auf Fogo wieder anzukurbeln.
 
Darum haben wir kurz vor Weihnachen über unsere Partnerorganisation Freunde-helfen-Freunde einen Spendeaufruf für Fogo gestartet. Da Spenden maximal bis zu 8 Wochen wieder zurückgerufen werden können, liegen zwar schon Spenden, aber noch keine konkreten Zahlen vor.

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