Djunta 'mo - Kann uach solidarisches Miteinander bedeuten

von Gerhard Schellmann (Kapverden) (Kommentare: 0)

Vom Slogan bei 'Arbeitseinsätzen' zur Nachbarschaftshilfe

Schon früher ist mir aufgefallen, das man - zumindestens auf Santiago - den Slogan DjuntaMo nicht falsch verstehen darf. Trotz der sozialistischen Wurzeln der Regierungpartei PAICV heisst DjuntaMo nicht solidarisches Miteinander der Kapverdianer womöglich sogar die Clan-Grenzen hinweg.

D'juntaMo haben wir in den letzten 8 Jahre nur im Zusammenhang mit - von oben verordneten - kollektiven Säuberungsaktion kennengelernt. Bei den Aktionen wegen Dengue-Fieber vor zwei Jahren gab's dann arbeitsfrei - für alle "Staatsangestellten", egal ob in der Verwaltung, in einer Behörde, egal ob bei der Regierung oder bei der Kommune oder ob Lehrer an irgendeiner Schule arbeitsfrei, um am kollektiven Arbeitseinsatz teilzunehmen.

Sicher, wenn des in Strömen gießt und ein Haus durchs Wasser in Gefahr ist, renne alle mit Hacke oder Schaufel herbei, um zu helfen. Das ist aber "nur" Hilfe in der allergrößten Not, aber keine bewusste nachbarschaftliche Solidarität. Meiner Meinung bleibt vom hehren D'juintaMo nur ein politischer Slogan für eine bestimmte Kampagne-Formen über.

Im Beitrag über die laute Musik zog ich das Fazit: Die Vordrängler und Schreihälse, können die Allgemeinheit terrorisieren, denn keiner sagt was und keiner unterstürzt den anderen

In der Auseinandersetzung über den Lärm dieses Kioski ist es uns erstmals gelungen, ein nachbarschaftliches D'juntaMo umzusetzen: Drei Betroffene - alle angesehene Bürger dieser Zone - gingen schon am Vorabend gemeinsam zum Bürgermeister, um ein Ende des Radaus zu verlangen. Der Bürgermeister und die Gemeinde haben nämlich das Recht, in der Gemeineverfassung (Postura Municipal) Regel für das Gemeindeleben aufzustellen, unter anderem auch für die Öffnungszeiten von Bars, Restaurants und über Lärmbelästigung. Wenn diese Regeln existieren, wird die Polizei auch aktiv. Ohne diese Regeln können die Vordrängler und Schreihälse die Allgemeinheit terrorisieren, ohne dass es eine gesetzliche Handhabe gibt, dagegen vorzugehen. Außer einer unverbindlichen Zusage des Bürgermeisters, dass wir Ihn bei zu großer Lärmbelästigung anrufen könnten, damit er dann der Polizei Order geben könne, die Veranstaltung zu schließen, kam jedoch bei diesem Gespräch wenig heraus.

Aber welch ein Wunder, am nächsten Morgen, dem Tag des "Events" waren alle Ankündigungplakate verschwunden. Und entgegen der Gepflogenheiten beim letzten Event war es den ganzen Tag über im Kioski ruhig. Und selbst am frühen Abend tauchten keine großen Boxen auf. Die noite quente quente fand nichts statt.

Ob es nun am großen Regen von 20-22Uhr lag, oder woran sonst, ist erstmals egal. Alle Anwohner verbrachte eine friedliche und nicht durch Lärm gestörte ruhige Samstagnacht.

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