Tropensturm Gonzalo zieht über die Kapverden - Sal besonders betroffen

Am 25. September 2026 hat der Tropensturm Gonzalo die Kapverdischen Inseln erreicht. Besonders betroffen waren die östlichen Inseln Sal und Boa Vista sowie Maio und Santiago. Anders als beim Tropensturm Erin im August 2025 waren es diesmal jedoch nicht in erster Linie extreme Regenmengen und Sturzfluten, die für Schäden sorgten. Vor allem auf Sal wurde die außergewöhnlich starke Meeresbrandung zum Problem: In Santa Maria drang Meerwasser weit über den Strand hinaus vor und überflutete Straßen, Hotels und Beachclubs.

In der Nacht zum 26. September zog Gonzalo unmittelbar an Sal vorbei. Inzwischen bewegt sich der Sturm weiter nach Norden und schwächt sich ab. Die offizielle Tropensturmwarnung für Cabo Verde wurde in der Nacht aufgehoben. Hoher Wellengang und gefährliche Strömungen können die Inseln jedoch auch am Samstag noch beeinträchtigen.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Tropensturm Gonzalo: Aus dem zuvor beobachteten Tiefdruckgebiet entwickelte sich am 25. September offiziell ein Tropensturm. Die höchsten anhaltenden Windgeschwindigkeiten erreichten rund 85 km/h, stärkere Böen waren möglich.

  • Sehr nahe Passage an Sal: In der Nacht zum Samstag zog das Zentrum des Sturms unmittelbar an Sal vorbei. Um 02:00 Uhr kapverdischer Zeit befand es sich rund 50 Kilometer ostnordöstlich der Insel. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Gonzalo bereits auf rund 75 km/h abgeschwächt.

  • Sal am stärksten betroffen: Besonders in Santa Maria sorgten hoher Wellengang, Wind und die gleichzeitig hohe Tide dafür, dass Meerwasser über den Strand und die Uferbereiche hinausdrang. Hotels, Beachclubs, Straßen und die Promenade wurden überflutet.

  • Wellen bis zu sechs Meter: Der kapverdische Wetterdienst INMG hatte für Sal und Boa Vista Wellen von drei bis 4,5 Metern und Spitzen von fünf bis sechs Metern vorhergesagt.

  • Boa Vista kam bislang vergleichsweise glimpflich davon: Trotz ihrer exponierten Lage wurden bis Freitagnachmittag keine größeren Sachschäden gemeldet. Die Behörden waren mit Einsatzteams in Bereitschaft, Schulen und verschiedene Veranstaltungen wurden vorsorglich abgesagt.

  • Auch Santiago und Maio betroffen: Auf Santiago kam es unter anderem zu umgestürzten Bäumen, lokalen Sturzfluten, Stromausfällen und Schäden an kleineren Booten. Auf Maio wurden Bäume umgerissen und einzelne Strukturen beschädigt.

  • Keine mit Erin vergleichbare Katastrophe: Nach den bislang vorliegenden Meldungen gibt es keine Hinweise auf ein Schadensausmaß wie beim Tropensturm Erin im August 2025. Insbesondere wurden bislang keine Todesopfer im Zusammenhang mit Gonzalo gemeldet.

  • Gonzalo zieht ab: Am frühen Samstagmorgen wurde die Tropensturmwarnung für Cabo Verde aufgehoben. Gonzalo zieht nach Norden vom Archipel weg und soll sich weiter abschwächen. Gefährlicher Seegang und starke Strömungen können zunächst weiterhin auftreten.

Wie entstand Tropensturm Gonzalo?

Bereits seit dem 23. September beobachteten der kapverdische Wetterdienst INMG und das US-amerikanische National Hurricane Center (NHC) ein Tiefdruckgebiet südöstlich der Kapverden. Zunächst war noch unklar, ob sich daraus überhaupt ein tropischer Sturm entwickeln würde.

Das System organisierte sich jedoch zunehmend und wurde am frühen Freitagmorgen, dem 25. September, offiziell zum Tropensturm Gonzalo hochgestuft. Damit gingen für den gesamten Archipel Warnungen vor starkem Wind, Regen, Gewittern und gefährlichem Seegang einher. Das NHC erwartete für die östlichen Inseln Niederschlagsmengen von etwa 30 bis 75 Millimetern, während für den westlichen Teil des Archipels deutlich weniger Regen prognostiziert wurde.

Am Freitagnachmittag erreichte Gonzalo seine bislang größte Intensität mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von etwa 85 km/h. Das Zentrum zog anschließend nach Norden und passierte in der Nacht die östlichen Kapverden in unmittelbarer Nähe von Sal.

Am frühen Samstagmorgen befand sich Gonzalo bereits nördlich beziehungsweise nordöstlich von Sal. Die anhaltenden Windgeschwindigkeiten waren auf etwa 75 km/h zurückgegangen. Das NHC rechnet mit einer weiteren Abschwächung und damit, dass Gonzalo sich zu einem Resttief entwickelt oder vollständig auflöst.

Sal und Boa Vista: Hohe Wellen und Überschwemmungen in Santa Maria

Die deutlichsten Auswirkungen wurden bislang von Sal gemeldet. Besonders betroffen ist der touristisch geprägte Ort Santa Maria im Süden der Insel.

Hier trafen die durch Gonzalo verursachten hohen Wellen mit einer hohen Tide zusammen. Das Meer drang weit über den üblichen Strandbereich hinaus vor. Wasser, Sand und angeschwemmtes Material gelangten auf die Promenade und bis auf die Avenida dos Hotéis. Mehrere direkt am Meer gelegene Hotels und Beachclubs, darunter die Hotels Morabeza, Belo Horizonte und Hilton wurden überflutet.

Der für den Zivilschutz zuständige Stadtrat Hidércio Gomes sprach gegenüber Inforpress von erheblichen Schäden und einer Situation, wie man sie in dieser Dimension auf Sal praktisch noch nicht erlebt habe. Neben den Überschwemmungen in Santa Maria wurden auf der Insel umgestürzte Bäume, beschädigte Straßenbeleuchtung und vom Wind gelöste Baustellenabsperrungen gemeldet. Außerhalb von Santa Maria waren die bislang registrierten Schäden allerdings deutlich geringer.

Die Ursache der Überflutungen war dabei nicht allein der Regen. Der kapverdische Wetterdienst INMG erklärte, dass Gonzalo das Meer durch Wind und starken Wellengang regelrecht in Richtung Küste drückte. In Verbindung mit der Tide konnte das Wasser dadurch in normalerweise trockene Küstenbereiche eindringen. Für Sal und Boa Vista waren zudem Wellen von drei bis 4,5 Metern mit Spitzen von fünf bis sechs Metern vorhergesagt worden.

Auch Boa Vista lag im besonders exponierten Bereich des Sturms. Dort blieb die Lage nach den bislang verfügbaren Meldungen jedoch wesentlich ruhiger. Bis Freitagnachmittag berichteten die Einsatzkräfte lediglich von einem umgestürzten Baum im Bereich Estoril und einigen vom Wind auf die Straße gewehten Baustellenabsperrungen. Größere Sachschäden waren zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Vorsorglich wurden auf Boa Vista der Schulunterricht sowie verschiedene Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Feuerwehr und Zivilschutz hielten Einsatzteams rund um die Uhr bereit. Wegen des hohen Wellengangs wurde zudem dringend davon abgeraten, aufs Meer zu fahren oder sich unnötig in exponierten Küstenbereichen aufzuhalten.

Ein endgültiges Schadensbild für Sal und Boa Vista liegt derzeit noch nicht vor. Insbesondere die Auswirkungen des hohen Wellengangs werden weiter erfasst.