Recht auf Wohnen: Familien in Kap Verde träumen von einem würdigen Zuhause
In einem Haus, das noch immer Spuren eines Brandes trägt, lebt die kapverdische Maria Freire mit ihrer Familie in dem einzigen überdachten Raum. Ein Bett, eine Matratze und ein Koffer mit Kleidung nehmen dort den größten Teil des Platzes ein. Maria träumt davon, auch den Rest des Hauses überdachen zu können, erzählt sie der Nachrichtenagentur Lusa anlässlich des Welttages des Wohn- und Siedlungswesens am 5. Oktober. Dieser wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um das grundlegende Recht auf angemessenen Wohnraum und eine würdige Unterkunft zu fördern. „Ich wohne seit mehr als zehn Jahren hier [im Viertel Achada Mato]. Ich komme aus dem Inselinneren von Santiago, aber mein Mann hat hier ein günstigeres Grundstück gekauft, und wir haben unser Haus gebaut, damit wir keine Miete zahlen müssen“, erzählt die 54-jährige Bewohnerin der Lusa. Laut offiziellen Daten betrifft eine solche Situation Tausende Familien in Kap Verde.
Stromkabel verlaufen an einer Wand entlang bis zu einer Glühbirne über dem Kopfende des Bettes. Draußen, auf dem unbefestigten Grundstück, befindet sich ein Badezimmer, das laut Maria mit Unterstützung einer Institution gebaut wurde, deren Namen sie nicht kennt. Daneben steht eine provisorische Küche aus Betonblöcken und Wellblech.
Auf der anderen Seite sind die Schweine untergebracht, die die Familie zum Verkauf oder für den eigenen Bedarf hält. Ihr Mann arbeitet im Baugewerbe, doch das Einkommen reicht nicht immer aus, um die restlichen Bauarbeiten am Haus zu finanzieren. Maria hat keine feste Arbeit und verbringt ihre Tage mit Hausarbeit.
„Ich würde mir ein größeres Haus mit besseren Bedingungen wünschen, damit meine Tochter dort wohnen kann, wenn sie aus dem Ausland zurückkommt“, erzählt sie bedrückt.
Nur wenige Meter entfernt lebt die 37-jährige Dulcelina Tavares seit sieben Jahren mit ihren drei Kindern in einem Haus, aus dessen Beton eiserne Stäbe herausragen – ein Zeichen dafür, dass der Bau unvollendet geblieben ist.
„Ich bin hierhergezogen, nicht weil es mir gefällt, sondern weil das Grundstück günstiger war und ich so mein Haus schneller bauen kann“, erzählt sie. „Die Baumaterialien sind teuer, und das Geld reicht nicht“, beklagt sie sich. Außerdem fehle es an öffentlichen Verkehrsmitteln, Wasser und sanitärer Versorgung. Im Viertel Simão Ribeiro hat die aus Guinea-Bissau stammende Quinta de Oliveira, die seit neun Jahren in Kap Verde lebt, Achadinha verlassen und sich für ein günstigeres Grundstück entschieden. Dort lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Die Familie wohnt in einem unfertigen Gebäude, das mit Wellblech gedeckt ist und weder über eine Küche noch über ein Badezimmer verfügt.
Der Herd steht in einem Flur, und für die Notdurft werden Waschschüsseln benutzt.
„Ich hätte zumindest gern ein Badezimmer. Wir benutzen Schüsseln und leeren sie anschließend aus. Es gibt keinen Wasseranschluss, deshalb kaufen wir Wasser von Tankwagen“, erklärt sie. Währenddessen wäscht sie die Schuluniform eines ihrer Kinder in einer Schüssel mit weniger als zwei Litern Wasser, um möglichst sparsam damit umzugehen.
Im Viertel Jamaica verbringt die 45-jährige Verkäuferin Maria Semedo ihre Tage damit, in einer winzigen, mit Wellblech gedeckten Küche Süßigkeiten zuzubereiten. Damit ernährt sie ihre drei Kinder und eine Nichte.
„Ich stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf, um Süßigkeiten zuzubereiten. Manchmal esse ich nicht einmal zu Mittag und gehe hungrig verkaufen.“ Maria lebt seit 2012 in dem Viertel und konnte erst vor Kurzem ein Badezimmer bauen. Zuvor musste sie jahrelang Behälter innerhalb des Hauses benutzen. Schätzungen auf Grundlage von Erhebungen des Nationalen Statistikinstituts (INE) zufolge leben fast 23.000 Familien in Kap Verde – etwa jede siebte Familie – in Wohnungen ohne Badezimmer. 85.500 Familien, also mehr als die Hälfte aller Haushalte des Archipels, haben keine Dusche. Der Großteil des Wohnungsbestands, etwa 80 Prozent, entstand durch selbstständiges Bauen. Das bedeutet, dass die Bewohner ihre Häuser selbst errichtet haben, wobei sich die Qualität der verwendeten Materialien und die angewandten Bautechniken erheblich unterscheiden.
Der Minister für Infrastruktur, Wohnungsbau und Raumordnung, Carlos Tavares, erklärte gegenüber der Lusa, dass die Regierung das Programm „Casa para Todos“ („Ein Haus für alle“), für das rund 18 Millionen Euro veranschlagt wurden, neu strukturiert, um dem Wohnraummangel im Land entgegenzuwirken. Die Regierung wurde im Juni vereidigt, nachdem die Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit von Kap Verde (PAICV) die Parlamentswahlen im Mai gewonnen hatte. „Wir planen, bis 2031 rund 5.000 Häuser zu bauen“, erklärte der Minister. Das Programm werde zunächst auf die spezielle Umsiedlungsinitiative „Barraca Zero“ („Keine Baracken mehr“) setzen. Sie richtet sich vor allem an Menschen, die in Baracken leben, und soll ihnen den Umzug in angemessene Unterkünfte ermöglichen.
Das Programm umfasst außerdem bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen sowie die Sanierung bereits bestehender Häuser.
„Viele Häuser in Kap Verde müssen reparierte Dächer, neu gebaute Badezimmer und bessere sanitäre Bedingungen erhalten“, erklärte er. Nach Angaben des Ministers gehört das Thema Wohnraum bei neun von zehn Gesprächen, die er mit Bürgermeistern führt, zu den wichtigsten Anliegen. Diese Zahlen machten deutlich, „wie groß die Herausforderung im Bereich Wohnen ist“, schloss er.
Quelle: Famílias cabo-verdianas sonham com casas dignas no dia que promove direito à habitação