Nach einem Jahr Algenverarbeitung ernten kapverdische Frauen Tomaten und Mais

Ein Jahr nachdem sie damit begonnen haben, an der Küste der Insel Santiago Algen zu sammeln, ernten Maria José Carvalho und ihre Kolleginnen nun Tomaten und Mais – Pflanzen, die genau mit diesen Algen gedüngt wurden. Ein einfaches Rezept, das nach ihrer Überzeugung weltweit Anwendung finden könnte.

„Ich habe schon an die Idee geglaubt, aber jetzt bin ich sicher, dass sie funktioniert: Die Tomaten sind hervorragend. Ich habe sie schon probiert – im Salat – und sie schmecken richtig gut“, erzählt sie der Nachrichtenagentur Lusa auf einem Feld in Moia Moia, wo bereits mehr als 70 Kilo Tomaten und zahlreiche Maiskolben geerntet wurden.

Gleichzeitig messen die Frauen verschiedene Parameter wie Säuregehalt, Feuchtigkeit, Größe und Gewicht, bevor Proben zur detaillierten Analyse an die Universität York im Vereinigten Königreich geschickt werden, den wissenschaftlichen Partner des Projekts, der die Produkte zertifizieren soll.

Die Arbeit erfolgt in Zusammenarbeit mit dem kapverdischen Nationalen Institut für Agrarforschung und -entwicklung (INIDA), erklärt Edita Magileviciute, Meeresbiologin und Präsidentin des Kapverdischen Ökotourismusverbands (Eco-CV), der das Projekt initiiert hat.

Die aktuelle Ernte zeige, dass „Agroökologie funktioniert – wir brauchen keine chemischen Düngemittel“. Selbst tierischer Mist könne optional sein, „vor allem in Küstengemeinden“, sagt Edita und hält dabei Päckchen mit getrockneten Algen in der Hand.

Die Frauen stellen den Dünger in einer kleinen Halle selbst her – entweder in getrockneter oder flüssiger Form. In beiden Fällen seien sie „günstiger und vor allem gesünder“ als chemische Produkte.

Allein in der Bucht von Moia Moia wurden im vergangenen Jahr „mehr als 150 Tonnen angespülter Algen“ gezählt – vermutlich eine Folge des Klimawandels, der die Algen von der Karibik bis hierher treibt. Der steigende Meeresspiegel und ein höherer Nährstoffgehalt im Wasser fördern ihr Wachstum und bringen Ökosysteme weltweit aus dem Gleichgewicht.

„Indem wir soziale Lösungen suchen, lösen wir gleichzeitig ökologische Probleme“, betont sie.

Das Projekt verwandelt ein Umweltproblem in eine Chance und passt ein Verfahren, das bereits in anderen Ländern erfolgreich ist – dort werden aus Algen sogar Biokraftstoffe hergestellt – an die Bedürfnisse einer kapverdischen Gemeinde an.

„Wir hoffen, dass das Projekt weiterläuft, damit wir mehr Einkommen haben. Wir sind sieben Frauen, arbeiten im Meer und auf dem Feld, und wir haben keine Pläne auszuwandern“, sagt Leise Fernandes. Ihre Ehemänner unterstützten die Initiative zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Frauen. „Wir haben ihnen erklärt, was wir vorhaben, und sie haben es verstanden.“

Neben der Ernte dokumentieren die Frauen systematisch das Wachstum der Pflanzen. In Tabellen werden verschiedene Messwerte festgehalten. Maria José Carvalho trägt dafür ein Bodenanalysegerät, ein Präzisionslineal und ein Maßband mit sich.

Das Projekt startete Ende 2024 und umfasste zunächst Schwimmkurse sowie Schulungen zur Algenbestimmung. Als nächste Schritte sind „Nährwertanalysen und Zertifizierungen geplant, damit die Produkte auf den Markt kommen“, erklärt Edita. Ziel sei es, die Initiative rentabel und selbsttragend zu machen.

Dafür gründeten die Frauen ein kleines Unternehmen, das sie selbst leiten. Sie entwickelten eine eigene Methode, zu der sie künftig auch Schulungen anbieten wollen, um das Projekt unter dem Namen AMMAR – Alga, Mulher, Mar, Agricultura, Resiliência (Alge, Frau, Meer, Landwirtschaft, Resilienz) – zu vervielfältigen.

Aktuell werden sie zusätzlich in den Bereichen Management und Informatik geschult, damit sie „bis Ende 2026 vollständig bereit sind“, ihre landwirtschaftlichen Produkte eigenständig zu vermarkten.

Im Mittelpunkt steht ihre Stärkung – sie sollen „stark und unabhängig“ werden. Edita ist überzeugt, dass das Projekt Bestand haben wird: „Mit den positiven Ergebnissen, die wir sehen, ganz bestimmt.“ Und selbst wenn es Schwierigkeiten gäbe, verfüge die Gruppe inzwischen über genug Wissen, um weiterzumachen.

Die Abwanderung bleibe in der Region zwar „leider weiterhin Realität“, im vergangenen Jahr hätten sogar zwei Teammitglieder das Land verlassen. Doch sie hofft, dass das wachsende Unternehmen künftig zumindest einen Teil dieser Entwicklung abfedern kann.

Ein wichtiger Partner ist die Universität York, wo die Produkte analysiert und getestet werden – Verfahren, die es in Kap Verde nicht gibt und die sonst sehr teuer wären. Vor Ort unterstützt das INIDA mit Saatgut und weiteren Tests. Auch Gemeindeorganisationen sowie Hochschulen wie die Universität Jean Piaget und die Universität von Kap Verde sind beteiligt.

Für Leise Fernandes und ihre Kolleginnen geht die Arbeit nun weiter: Algen sammeln, Kompost herstellen, Versuchsfelder pflegen – und, wie sie sagen, „positiv denken“.

 

Quelle: Após um ano a processar algas, cabo-verdianas colhem tomate e milho - Notícias ao Minuto