Kap Verde erstmals zur WM – 3:0 gegen Eswatini macht den Traum wahr
Das Spiel: Kap Verde dreht nach der Pause auf
In Praia schrieb Kap Verdes Fußballnationalteam am 13. Oktober 2025 Geschichte. Im letzten Qualifikationsspiel zur WM 2026 bezwang der Inselstaat Eswatini klar mit 3:0 (0:0) und sicherte sich damit erstmals das Ticket für eine Fußball-Weltmeisterschaft. Die Partie begann nervös und angespannt. Kap Verde brauchte unbedingt einen Sieg, um Platz 1 in der Gruppe zu behaupten, während Eswatini als Schlusslicht der Tabelle ohne Druck aufspielen konnte. In der ersten Halbzeit dominierte Kap Verde zwar das Geschehen, biss sich aber an Eswatinis Defensive zunächst die Zähne aus. Torhüter Ncamiso Shabalala wuchs über sich hinaus und parierte mehrere vielversprechende Chancen der Gastgeber. So lenkte er einen 20-Meter-Schuss von Semedo kurz vor der Pause aus der Gefahrenzone und wehrte bereits in der 40. Minute einen Schuss von Livramento in die rechte Ecke geistesgegenwärtig ab. Ein Elfmeterpfiff blieb zudem aus, als Kap Verdes Spieler nach einem Zweikampf im Strafraum vehement Handspiel reklamierten; der Schiedsrichter ließ jedoch weiterspielen. Mit einem 0:0 ging es schließlich in die Kabinen und die Spannung in Praia war mit Händen zu greifen.
Nach dem Seitenwechsel legten die Blauen Haie, so der Spitzname der kapverdischen Mannschaft, ihre Torflaute ab und belohnten sich früh für ihren Offensivdrang. Kaum drei Minuten waren in der zweiten Halbzeit gespielt, da brachte Dailon Livramento das Stadion zum Beben. Nach einem kurz ausgeführten Eckball von rechts und einer unübersichtlichen Aktion im Fünfmeterraum reagierte der Stürmer am schnellsten und drückte den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 über die Linie. Der Bann war gebrochen und Kap Verde spielte jetzt wie entfesselt. Nur sechs Minuten später schlug es erneut im Tor der Gäste ein. Über Umwege landete der Ball auf dem rechten Flügel bei Yannick Semedo, der mit viel Übersicht flankte. Im Zentrum stieg Willy Semedo hoch und köpfte den Ball zum 2:0 ins Netz. Der Torschütze riss sich vor Freude das Trikot vom Leib und bekam dafür Gelb, doch das konnte die Feierlaune nicht verderben. Eswatini fand in dieser Phase kaum noch Entlastung und blieb offensiv harmlos. Kap Verde kontrollierte Ball und Gegner, ließ die Uhr herunterlaufen und wartete auf die letzte Gelegenheit, den Sieg perfekt zu machen. In der Nachspielzeit war es dann soweit: Ein flacher Ball von rechts erreichte den eingewechselten Deroy Duarte, dessen Schussversuch geblockt wurde, doch Stopira schaltete am schnellsten und staubte zum 3:0-Endstand ab. Spätestens jetzt kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Unmittelbar nach Abpfiff lagen sich Spieler, Trainerstab und Fans in den Armen. Routinier Garry Rodrigues sank auf die Knie und bejubelte den historischen Einzug in die WM-Endrunde, während auf den Rängen die Kap-Verde-Flaggen geschwenkt wurden.
So viele Kapverdier wie möglich sollten die Gelegenheit haben, das am Nachmittag stattfindende Spiel mitzuverfolgen. Die Regierung hatte für den Spieltag am Montagnachmittag „tolerância de ponto“ (Arbeitszeit-Freistellung) für öffentliche Bedienstete auf Santiago gewährt, damit die Menschen das Match verfolgen konnten. Und auch viele nicht-staatliche Arbeitgeber über alle Inseln verteilt haben ihren Mitarbeitenden den Nachmittag freigegeben. Straßenfeste und -umzüge durch die Straßen der Inseln krönten den Tag für viele Kapverdier.
Mehr als nur ein Sieg – historische Bedeutung für Kap Verde
Mit diesem Erfolg krönt Kap Verde eine außergewöhnliche Qualifikation und lässt in der Gruppenphase sogar den haushohen Favoriten Kamerun hinter sich. Der Außenseiter aus dem Atlantik holte sich den Gruppensieg vor dem afrikanischen Fußballgiganten (Kamerun war bereits achtmal bei Weltmeisterschaften dabei) und machte damit die Sensation perfekt. Den Grundstein legten die Kapverdier schon im September mit einem überraschenden 1:0-Heimsieg gegen Kamerun, nun folgte die endgültige Kür gegen Eswatini. Erstmals überhaupt darf Kap Verde bei einer WM-Endrunde antreten. Für das kleine Land vor der Westküste Afrikas ist die erfolgreiche Qualifikation der größte sportliche Triumph seiner Geschichte. Knapp 50 Jahre nach der Unabhängigkeit von Portugal setzt sich Kap Verde damit auf der größten Bühne des Weltfußballs in Szene. Die „Blauen Haie“ werden bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada einer von nur drei Turnier-Neulingen sein (neben Usbekistan und Jordanien). Gemessen an der Einwohnerzahl (rund 0,5 Millionen) ist Kap Verde der zweitkleinste Teilnehmer, der jemals bei einer WM dabei war. Nur Island hatte 2018 in Russland mit etwa 330.000 Einwohnern noch weniger Bewohner. Drei garantiert bevorstehende WM-Spiele in riesigen Stadien gegen die Weltelite des Fußballs sorgen bereits im Vorfeld für Gänsehaut im Inselstaat.
Die Bedeutung dieses Coups geht jedoch weit über das Sportliche hinaus. Kap Verde besteht aus neun bewohnten Inseln und hat eine weltweit verstreute Diaspora. Schätzungen zufolge leben mehr Menschen mit kapverdischen Wurzeln im Ausland als im Land selbst. Viele Nationalspieler sind im Ausland geboren oder aufgewachsen, etwa in Europa, und verdanken ihr fußballerisches Rüstzeug Ausbildungsstätten in Portugal, den Niederlanden, Frankreich oder sogar der Bundesliga. Diese kreative Rekrutierungspolitik des kapverdischen Verbands gezielt auch Spieler aus der Diaspora mit einzubeziehen trägt nun Früchte. Gut die Hälfte des aktuellen Kaders stammt aus anderen Ländern, doch den Stolz der „Tubarões Azuis“ (Blauen Haie) mindert das nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Jeder Einzelne im Team identifiziert sich in jeder Hinsicht mit der Heimat seiner Vorfahren. „Es bedeutet mir sehr viel, für mein Heimatland zu spielen und meine Familie glücklich zu machen“, beschreibt Mittelfeldspieler Sidny Lopes Cabral (geboren in Rotterdam) das Gefühl, stellvertretend für viele seiner Mitspieler. Nationaltrainer Pedro „Bubista“ Brito ist es gelungen, aus dieser international zusammengewürfelten Truppe eine verschworene Einheit zu formen. Die Mannschaft besteht überwiegend aus unbekannteren Profis, von denen viele in kleineren europäischen Ligen aktiv sind. Doch nun dürfen diese „No-Names“ ihr Können auf der ganz großen Bühne beweisen, ein Umstand, der im ganzen Land als Inspiration gefeiert wird.
Der historische WM-Einzug entfacht auf den Kapverden eine Euphorie, die weit über den Fußball hinausreicht. Der Erfolg schweißt die rund 560.000 Einwohner in stolzer Freude zusammen, auf den Inseln genauso wie in der weltweiten kapverdischen Gemeinschaft. Viele im Ausland lebende Kapverdier werden den Sommer 2026 fest im Kalender markieren, um „ihre“ Mannschaft im WM-Fernsehfieber zu begleiten oder sogar vor Ort zu unterstützen. Sportlich dürfte dieser Triumph der nächsten Generation Auftrieb geben: Wenn die WM-Helden von heute im kommenden Jahr gegen Fußballnationen wie Brasilien, Deutschland oder die USA antreten, werden unzählige Kinder und Jugendliche auf den Kapverden davon träumen, in ihre Fußstapfen zu treten. Außerdem lenkt die WM-Teilnahme internationale Aufmerksamkeit auf den kleinen Inselstaat, was auch außerhalb des Stadions positive Effekte haben kann. Die Kapverden, bislang vor allem bekannt für ihre malerischen Strände, kreolische Kultur und die berühmte Morna-Musik, rücken nun auch sportlich noch mehr ins Rampenlicht. Ein solcher Prestigeerfolg kann den internationalen Stellenwert des Landes steigern, sei es durch wachsendes Interesse an kapverdischen Spielern in internationalen Ligen oder durch einen Anstieg des Tourismus, wenn die Welt neugierig auf das Land hinter dem Fußballmärchen wird.
Schon jetzt ist spürbar, welchen symbolischen Wert dieser Sieg für die Kapverdier hat. Er steht für das Potenzial, das in dieser kleinen Nation schlummert, und für den Mut, große Träume zu haben. Die Bilder der jubelnden Spieler und Fans gingen am Abend des 13. Oktober um die Welt. Sie zeigen ein Land im Freudentaumel, das selbstbewusst seinen Platz auf der globalen Fußball-Landkarte einnimmt. Für Fußballfans bedeutet diese Qualifikation eine wunderbare Underdog-Geschichte, für Kapverden-Interessierte ein Beispiel dafür, wie Sport die Menschen eines Landes und einer Diaspora vereinen kann. Kap Verde hat mit dem 3:0-Sieg gegen Eswatini nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen. Ein Kapitel voller Stolz, Zusammenhalt und Hoffnung auf eine strahlende Zukunft.