Kampagne „Proteja“ stärkt nachhaltigen Tourismus und Kinderschutz

Die Präsidentin des ICCA, Zaida Freitas, und der ständige Vertreter von UNICEF, David Matern, haben am Mittwoch auf der Insel Sal die dringende Notwendigkeit betont, die touristische Entwicklung mit einem umfassenden Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen zu verbinden.

Die beiden Verantwortlichen sprachen zur Eröffnung einer Tagung über den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Zusammenhang mit Reisen und Tourismus. Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Kampagne „Proteja“ organisiert und bringt Vertreter der Regierung, der Gemeinden, der Tourismusbranche sowie der Zivilgesellschaft zusammen.

In ihrer Rede unterstrich die Präsidentin des Kapverdischen Instituts für Kinder und Jugendliche (ICCA), Zaida Freitas, dass der Schutz von Minderjährigen als „gemeinsame Verantwortung“ und als verfassungsmäßige Pflicht verstanden werden müsse.

Mit Blick auf die Entwicklung des Tourismussektors erinnerte Zaida Freitas daran, dass Kap Verde im Jahr 2025 die Marke von 1,2 Millionen Hotelgästen überschritten habe. Die Insel Sal sei dabei das wichtigste Eingangstor für den Tourismus des Landes und empfange mehr als die Hälfte aller Besucher.

„Internationale Erfahrungen zeigen, dass eine zunehmende Mobilität und der Ausbau des Tourismus erhebliche Risiken für Kinder und Jugendliche mit sich bringen können – von gezielter Anwerbung über Kinderpornografie und Kinderprostitution bis hin zur Normalisierung tiefgreifend ungleicher Beziehungen zwischen Erwachsenen und besonders schutzbedürftigen Kindern“, warnte sie.

Obwohl bei den ICCA-Stellen bislang vergleichsweise wenige formelle Meldungen über mutmaßliche Fälle sexueller Ausbeutung im direkten Zusammenhang mit dem Tourismus eingegangen seien, verwies Zaida Freitas auf aktuelle und besorgniserregende Entwicklungen auf der Insel Sal.

„Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die ICCA-Delegation auf Sal 129 Meldungen über Verletzungen von Kinderrechten, darunter sieben Fälle mit Verdacht auf sexuelle Gewalt“, erklärte sie.

Die Präsidentin verwies außerdem auf eine kürzlich durchgeführte Polizeiaktion, bei der ein Netzwerk der Kinderprostitution auf der Insel zerschlagen wurde. Zudem lebe auf Sal die größte Zahl von Straßenkindern des Landes: 87 der landesweit 208 im Jahr 2025 erfassten auf der Straße lebenden Kinder.

Angesichts dieser Situation appellierte Zaida Freitas an die gesamte Tourismusbranche, sich aktiv an Prävention und Meldung entsprechender Vorfälle zu beteiligen.

Der ständige Vertreter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF), David Matern, betonte seinerseits, dass der Erfolg eines Reiseziels nicht allein an seinem wirtschaftlichen Wachstum oder der Zahl der Besucher gemessen werden dürfe, sondern auch an seiner Fähigkeit, Kinder wirksam zu schützen.

„Die Daten aus den Bereichen Kinderschutz und Justiz zeichnen ein Bild, das auf der Insel ein dringendes und strukturiertes Handeln erforderlich macht“, erklärte David Matern. Dabei verwies er auf den Bericht des Obersten Rates der Staatsanwaltschaft für das Justizjahr 2024–2025, wonach 44 % aller Verfahren wegen Sexualdelikten im Land Kinder und Jugendliche als Opfer betrafen.

Der UNICEF-Vertreter rief die privaten Tourismusunternehmen dazu auf, den Globalen Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Zusammenhang mit Reisen und Tourismus zu übernehmen.

Er betonte zudem: „In den Schutz von Kindern zu investieren bedeutet zugleich, in den Ruf, die Qualität und die Nachhaltigkeit des kapverdischen Tourismus zu investieren.“

Beide Redner äußerten große Erwartungen an die Verabschiedung der Erklärung von Santa Maria, die aus den Beratungen der Tagung hervorgehen soll. Das Dokument wird als ein umfassender gesellschaftlicher und institutioneller Pakt verstanden, der konkrete Maßnahmen, klar definierte Verantwortlichkeiten und dauerhafte Kontrollmechanismen zum Schutz von Kindern in Kap Verde festlegen soll.

 

Quelle: ICCA e Unicef querem turismo sustentável e reforço da protecção da infância contra exploração sexual