Heftige Regenfälle und Überschwemmungen auf Santiago
Starkregen und Überflutungen Mitte November
Obwohl die Regenzeit bereits vorüber ist, wurde die kapverdische Insel Santiago vorgestern von unerwartet heftigen Regenfällen getroffen, die insbesondere im Norden der Insel zu Sturzfluten und Überschwemmungen führten. Im Municipio Tarrafal kam es innerhalb kurzer Zeit zu Überflutungen in mehreren Ortschaften. Augenzeugen berichten, dass die Regenmengen für die Jahreszeit ungewöhnlich waren und viele Bewohner überraschten. In wenigen Minuten stiegen die Wassermassen mancherorts auf gefährliche Höhen und ergossen sich in Höfe, Häuser und Geschäfte. Die sintflutartigen Niederschläge ließen Bäche und Flussläufe über die Ufer treten und spülten Schlamm, Geröll und Unrat auf die Straßen. Mehrere Straßen im Inselinneren und in den Bergregionen wurden durch Erdrutsche und Schlammströme zeitweise unpassierbar. So meldete die Straßenbehörde Estradas de Cabo Verde, dass der Verkehr an diversen Punkten Santiagos nur eingeschränkt möglich war oder ganz zum Erliegen kam. Die Behörden warnten die Bevölkerung und riefen dazu auf, in den betroffenen Gebieten Vorsicht walten zu lassen und unnötige Fahrten zu meiden.
Schäden und Folgen der Überschwemmungen
Obwohl zunächst keine Verletzten oder Opfer gemeldet wurden, hat das Unwetter erhebliche Sachschäden verursacht. Dutzende Wohnhäuser in Tarrafal und Umgebung wurden überflutet; in einigen stand das Wasser innerhalb der Häuser bis zu einem Meter hoch. Viele Anwohner der Küstenstadt Tarrafal erlebten Momente der Angst und mussten mitansehen, wie ihre Häuser und Habseligkeiten vom Schlammwasser beschädigt wurden. In der Kleinstadt selbst verwandelten sich Straßen in reißende Ströme, mehrere Autos wurden von den Fluten mitgerissen oder blieben im Morast stecken. Besonders dramatisch war ein Zwischenfall in der ländlichen Zone Achada Tenda: Dort riss eine Sturzflut ein Auto mit, in dem sich drei Personen befanden. Zwei Insassen konnten sich retten, doch ein dritter Mann wird seither vermisst. Einsatzkräfte der örtlichen Zivilschutzbehörde suchten noch am nächsten Tag an der Küste bei Achada Porto nach dem Vermissten, da befürchtet wird, dass er von den Fluten ins Meer gezogen wurde.
Auch die Infrastruktur und Landwirtschaft im Tarrafal-Gebiet wurden schwer getroffen. Durch Erdrutsche und Überflutungen entstanden Schäden an Straßen und Wegen. Zahlreiche Felder und Gärten in den Tälern der Region wurden verwüstet oder vollständig weggeschwemmt. Lokale Behörden berichten, dass nahezu die komplette Ernte in diesem Gebiet vernichtet wurde und Nutztiere von den Wassermassen fortgerissen wurden. „Es gab dort eine Vielzahl an Viehzucht und Ackerbau entlang des Flusslaufs, aber praktisch alles ist verloren, alles wurde ins Meer gespült“, sagte ein Vertreter der Gemeindeverwaltung Tarrafal. Selbst der bei Touristen beliebte Strand von Tarrafal blieb nicht verschont und wurde durch die Flutwellen teils in Mitleidenschaft gezogen. Die kommunalen Einsatzkräfte (Feuerwehr und Zivilschutz) waren im Dauereinsatz, um Schlamm und Trümmer zu beseitigen, beschädigte Abschnitte zu sichern und betroffene Familien in Sicherheit zu bringen. Aus Sicherheitsgründen wurden zudem Schulaktivitäten vorübergehend ausgesetzt, Eltern wurden gebeten, ihre Kinder zunächst nicht zur Schule zu schicken, bis sich die Lage beruhigt.
Vergleich mit dem Unwetter in Mindelo (August 2025)
Bereits vor wenigen Monaten hatte Cabo Verde ein verheerendes Unwetter erlebt: In der Nacht vom 10. auf den 11. August 2025 traf der Tropensturm „Erin“ vor allem die nördliche Insel São Vicente und dort insbesondere die Stadt Mindelo mit voller Wucht. Dieser Sturm fiel deutlich schwerer aus als das aktuelle Ereignis auf Santiago. Binnen nur fünf Stunden gingen in Mindelo Rekord-Regenmengen von rund 192 Millimetern nieder, mehr Niederschlag, als auf São Vicente normalerweise im ganzen Jahr fällt. Rund 1.500 Einwohner verloren durch die Fluten ihr Obdach und mussten in Notunterkünften untergebracht werden. Auf den benachbarten Inseln Santo Antão und São Nicolau kam es ebenfalls zu Überschwemmungen und Erdrutschen, die schwere Schäden an Straßen, Brücken, Feldern und Gebäuden verursachten.
Im direkten Vergleich wird deutlich, dass das Unwetter von Mindelo im August 2025 zu weit gravierenderen Auswirkungen führte als die Überschwemmungen auf Santiago im November 2025. Während in Santiago bislang keine Todesopfer zu beklagen sind (jedoch eine Person vermisst wird), forderte die Katastrophe in Mindelo mindestens acht Menschenleben. Auch die Sachschäden waren in Mindelo weitaus umfangreicher. Insgesamt gilt das Mindelo-Unwetter vom 11. August 2025 als eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte Cabo Verdes, während die jüngsten Überschwemmungen auf Santiago trotz aller lokaler Schäden vergleichsweise glimpflich verliefen.
Quellen
Die Informationen in dieser Zusammenfassung basieren auf aktuellen Berichten lokaler und internationaler Medien. Darunter die kapverdischen Online-Portale Expresso das Ilhas und OPAÍS.cv, die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa sowie der internationale Nachrichtendienst Reuters.
Ferner wurden offizielle Mitteilungen und Angaben der Straßenbehörde Estradas de Cabo Verde sowie der kommunalen Verwaltung Tarrafal berücksichtigt. Sämtliche Zahlen, Zitate und Fakten wurden den genannten Quellen entnommen und nach bestem Wissen auf den Stand vom 15. November 2025 gebracht.
Alle eventuell verwendeten Bilder stammen von unseren Teammitgliedern vor Ort.