Nationale Leichtathletikmeisterschaften 2015 in Praia

Praia - so nah und doch so fern

Warten auf die Erröffnung

Von der Zusage, dass wir, bzw. Santiago Nord in Praia zusammen mit den Athleten der anderen Inseln übernachten würden, wusste plötzlich der nationale Verband gar nichts mehr; und überhaupt hätten sie kein Geld um das zu finanzieren. Nachdem schon São Nicolau aufgrund „Unwegsamkeiten“ nicht teilnehmen konnte, wurde nun auch Santiago Nord versetzt und das alles wie gewöhnlich nach langem Hinhalten 2 Tage vor Beginn, abends um 19:00 h.

Wie auch immer, die Kunst zu überleben besteht hier darin, aus allem das Beste zu machen, flexibel zu sein und spontan umplanen zu können. So organisierten wir kurzerhand den Busfahrer und bereiteten alle Athleten/innen auf die Änderungen vor. Gerson, Jussara und Txuna blieben in Praia bei Ihren Verwandten. Leinira, Melissa, Simone, Neusa und Daniela (sie wohnen am weitesten weg von mir) fragten an, ob Sie bei mir übernachten können, damit sie am morgen den Bus nicht verpassen. Wir verabredeten das allgemeine Frühstück auf 07:00 h, so dass wir eine halbe Stunde später nach Praia aufbrechen konnten.

Organisatorische Probleme am 1. Tag

der Präsident der Republik und die honorigen Gäste begrüssen  die Athleten
Begrüßung der Athleten

Der Beginn war auf 09:00 angesagt und wie immer: schlussendlich wurde es 10:30, bis endlich der Präsident der Kapverden sich anschickte einzutreffen und die Athleten/innen dann auch einmarschieren konnten.

Ich finde es nach wie vor ein Unding, dass die hohen Herrschaften sich so lange Zeit lassen, um zu erscheinen. Ist für mich eine Missachtung der Sportler/innen die so in der größten Mittagshitze Höchstleistungen vollbringen sollen und wollen. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen.

Kurzum: das Programm konnte natürlich nicht so durchgezogen werden wie geplant und zu allem kamen immer wieder Probleme in der Organisation, die darin gipfelten, dass sie eine 6.-plazierte 100 m Läuferin am Finale teilnehmen ließen, der Trainer das nach dem Rennen monierte und sie dann diesen Wettkampf annullieren wollten. Noch wird darüber diskutiert, da so der Plan wäre, heute von 16:00 bis 18:00 das Finale der 200 m + Staffel 4x100 m +die 100 m innerhalb von 2 Stunden laufen zu lassen. Unser Trainer und zugleich der Vorstand des technischen Beirats von Santiago Nord hat sich vehement dafür eingesetzt, dass hier kein weiteres Rennen stattfindet und so wurde Txuna schließlich die wohl verdiente Goldmedaille am Sonntag überreicht.

Das Mittagessen

Warten auf den Start in den Zuschauerrängen in den neuen,  gespendeten Funktionsshirts von links nach rechts: Melissa, Herica,  Jussara, Simone
Warten auf den Start in den Zuschauerrängen

Aber zurück zum ersten Tag. Gegen 14:30 konnten die Athleten/innen schließlich zum Mittagessen gebracht werden. Ich war mit in einem der letzten Wagen die fuhren, da wir natürlich den Mädels, die am Nachmittag wieder antreten durften, den Vortritt ließen. In der Annahme, dass das auch so sein wird, erwartete uns die nächste Überraschung: Alle sassen vor der Türe, da Santiago Nord nach langem Anstehen in der Essensschlange und endlich drankommen erfuhr, dass sie in diesem Haus nichts zu essen bekommen sollten. Nach einem recht barschen Gespräch mit dem Küchenchef erklärte dieser, sie hätten das Essen abgepackt bereit gestellt, da sie abends noch eine Nachricht bekommen hätten, dass dieses Essen in die anliegende Schule geschickt werde sollte. Glücklicherweise übernahmen Rony und Jo hier den Part, wütend zu werden und ich glaube so schnell hatte der gute Mann noch nie einen Karton mit dem abgepackten Essen bereit gestellt. Also ... Karton raus auf die Straße, Essen, Getränk +Nachtisch verteilt und so waren schlussendlich alle um 16:00 h wieder im Stadion. Dort ging es dann im Hinblick auf das späte Mittagessen auch erst um 17:45 weiter.

Wie geht die Seife ab ?

Davor wurde uns angeboten, dass alle von Santiago Nord duschen können und es wurden auch die Duschkabinen entsprechend markiert. Nachdem die ersten ausgezogen und eingeseift waren (glücklicherweise war nicht Platz für alle) kam die nächste Überraschung: es gab gar kein Wasser. Also bin ich den Gang längs und habe dort glücklicherweise eine Tonne mit etwas Wasser gefunden. Diese haben wir dann kurzerhand ins Bad geschleppt und so konnten schließlich alle die Seife auch wieder abwaschen und sich für die Wettkämpfe am späten Nachmittag vorbereiten.

Weitsprung und 200 m Sprint paralell

Zuerst war Weitsprung (Ausscheidungen und Finale) und parallel dazu die Ausscheidungen auf 200 m. Nachdem hier Athleten/innen in beiden Wettkämpfen starten, war es ein reges Hin- und Her und nicht wirklich fair für alle. Je nachdem wie sie in der Reihe dran, bzw. ins Finale kamen, war gerade der 5. Sprung -dann schnell 200 m laufen und dann noch den 6. Sprung absolvieren. Dazu mussten die Kampfrichter am Weitsprung erst noch eingewiesen werden, was ein gültiger und was ein ungültiger Sprung ist und wie überhaupt gemessen wird. Die Verantwortliche hier war deutlich überfordert, ließ aber keine Hilfe zu, so dass sie wie gestört immer über den Platz fegte.

Abschluß Tag 1

Nachdem der Stadionverwalter bereits ankündigte, dass er keine Schweinwerfer einschalten würde, weil das extra bezahlt werden müsste, kam alles in Zugzwang. Er ließ sich aber schlussendlich dann doch erweichen noch kurz den Platz auszuleuchten, bevor er den Strom abdrehte und alle rausschmiss.

Wir sind um 21:30 wieder in Calheta angekommen. Es gab dann die restlichen Spaghetti vom Vorabend und dann sanken alle sofort in einen tiefen Schlaf. 

Ruhiger Sonntag vormittag

Nach einem späten Frühstück sind alle wieder munter und sitzen nun auf den Matratzen, unterhalten sich und spielen Memory oder was auch immer sie in der Spielesammlung finden. Leinira meinte, sie würden es sich selber schön machen und dann sei es fast so wie Sal - nur eben dass das Baden in Santa Maria fehlen würde, aber dafür hätten sie ja heute morgen schon ausgiebig hier duschen können. Sie genießen „ihre Meisterschaften“ auf diese Weise.

Dazu gab’s zum Frühstück Pfannkuchen mit Nutella und nachher noch eine Suppe, bevor wir wieder nach Praia fahren.

Zügiger Abschluß am Sonntag nachmittag

Auch heute Nachmittag wurde aus dem angekündigten Beginn um 16:00 schlussendlich 17:00 h, aber dann wenigstens ging es diesmal zügig voran. Kurz vor Dunkelheit fand die Preisverleihung statt und damit sich der Stadionverwalter gnädig zeigt wurde er mehrmals aufgerufen die Medaillen zu verleihen. So hatte er dann doch klein beigegeben und zumindest die Beleuchtung über der Tribüne eingeschaltet. Während alle anderen „Verleiher“ sich mit den Sportlern/innen noch fotografieren ließen, behängte der gute Mann sehr rasch alle auf dem Podest um uns so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Unser Busfahrer ließ uns eine halbe Stunde warten, um dafür dann umso zügiger nach Calheta zu fahren. Sehr zur Freude alle (außer mir) gab es ohrenbetäubende Funanamusik und dazu durfte natürlich das obligatorische Geschrei nicht fehlen. Nach knapp 50 Minuten kam ich halb taub und die Mädels und Jungs mit heiseren Stimmen wieder zu Hause an.

Die Resultate der offiziellen Leichathletik Meisterschaften in Praia 2015

JAK im Überblick

2x Gold, 1x Silber, 2x Bronze

  • Eveline Nair (Txuna) Gold: 100 m +200 m
  • Jussara Bronze: 800 m
  • Michel Bronze im Weitsprung
  • Staffel 4x100 m weibl.: Silber

Die einzelnen Ahtleten/Innen von JAK

Leinira: 2. Platz bei den 100m Ausscheidungen und somit Einzug ins Finale
Leinira 2. Platz bei 100m Ausscheidungen

Leinira war total glücklich: Sie hatte es ins Finale über 100 m geschafft und kam auch im Weitsprung ins Finale. Im letzten Jahr noch weit entfernt von allem, hat sie große Fortschritte gemacht. Noch fehlt es an der Technik (ihre Sprünge sind zu flach), aber nun sind alle ganz heiß drauf, dass das Rathaus uns endlich den Laster zur Verfügung stellt, um den Sand für unsere Sprunggrube aus Praia zu holen, damit wir dann auch in der Manguinho Weitsprung trainieren können.

Unsere jungen 400 m Läuferinnen (14 Jahre) hatten gegen die 18-20 jährigen aus Sal in diesem Jahr keinerlei Chancen.

Da Salu in diesem Jahr wenig trainierte, konnte auch sie nicht im Geringsten mithalten, sonder fiel regelrecht zurück. Gerade Neusa war dadurch aber angespornt und hat sich vorgenommen, in diesem Jahr nun ausschließlich auf 400 m zu trainieren, um es den Frauen aus Sal im nächsten Jahr zu zeigen.

800 m

Gerson mittendrin - Start 800m masculino

Leider gibt es halt nach wie vor keinerlei Altersgruppen, so dass alle bei den Senioren mitlaufen müssen, wenn sie überhaupt teilnehmen wollen.

Gerson hatte auf 800 m zwar seinen Mut bewiesen gegen die „Großen“ anzutreten, aber gegen im Schnitt 24 jährige als 15 jähriger schlichtweg keine Chance. Das tat jedoch seiner Freude und seinem Stolz keinen Abbruch, die beiden Runden so schnell wie noch nie gelaufen zu sein und einen persönlichen Rekord aufgestellt zu haben.

800 m

Jussara 800 Bronze

Jussara lief hauchdünn am zweiten Platz vorbei, aber auch hier waren wir total glücklich mit ihr. Letztes Jahr auf Sal noch in den ganz hinteren Rängen konnte sie an der Spitze mithalten und lieferte sich mit der 2-plazierten ein packendes Rennen bis zum Schluss. Auch Magdawar voller Euphorie. Im letzten Jahr noch mit Sorge und Angst nicht mithalten zu können ins Rennen gegangen, hatte sie dieses Jahr mehr Mut und lief auf Platz 4.

Simone und Melissa kämpften auf den letzten Meter in einem starken Finish um Platz 10 und 11 und für die erste Teilnahme an nationalen Meisterschaften liefen beide in ihren Möglichkeiten ein wirklich gutes Rennen.