Dienstag, 23.09.97
Auf dem Diamond Head Krater und bei der großen Show
Heute bremse ich. Jürgen steht schon in den Startlöchern und ich schreibe und würde so gerne ein
bißchen langsam tun. Aber ich habe schon verloren. Noch zwei Kaffee, Brote geschmiert und dann ab
zum Bus. Den haben wir wohl gerade verpaßt und können dann froh sein, am Anfang von Waikiki zu
wohnen, denn der nächste Bus wird voll. Drei, vier Stationen dann reicht es dem Busfahrer und er hält
erst gar nicht mehr. Das ist kein Wunder, denn außer zum Diamond Head Krater (unserem Ziel) fährt
er noch zur Hamauma-Bay, wo man tauchen und viele Fische sehen kann. Wir hingegen wollen
jetzt, wo es heißer und heißer wird auch noch einen Berg besteigen... schön bescheuert.
Wir steigen am Diamond Head Krater unter Schwierigkeiten aus (das heißt ja tatsächlich Crater auf
englisch und ich habe mich schon über Jürgen lustig gemacht mit "great - crater und so"). Es geht's
erst mal ein bißchen den Berg hoch, dann durch einen Tunnel. Hier dürfen auch noch Autos fahren.
Und dafür sollen wir Taschenlampen mitbringen? Dann sind wir im Inneren des Kraters, früher
vollständig in der Hand der Army, jetzt ein Nationalpark. Die Autos dürfen bis zur Mitte des Kraters
und dann ist Schluß. Viele steigen hier aus und lassen sich mit dem Parkschild fotografieren. Andere,
wie auch wir, machen sich jetzt an den Aufstieg. Überwiegend Turnschuhe, aber auch Badeschlappen
sind als Fußbekleidung zu sehen. Der Amerikaner an und für sich ist hart im Nehmen.
Erst ist der schmale Weg zur Spitze noch geteert, dann aber geht der Weg durch die sengende Sonne
in groben Schotter über. Ich weiß jetzt auch, warum man hier eigentlich den Sonnenaufgang sehen
sollte. Der Weg wird immer steiniger und steiler. Wir überholen erst mal so einige und kommen dann
an die erste Treppe. Schon ziemlich steil. Danach ein halbdunkler Gang. Ich brauche schon die
Taschenlampe aber es ginge wohl auch noch ohne. So, schon draußen. Wieder eine Treppe, ewig
steil und schmal und auch noch Gegenverkehr und dann wird es richtig dunkel, und Stufen und
Wendeltreppe und eng. Die zwei Japanerinnen vor uns sind richtig glücklich über das Licht das wir
mitbringen.
Endlich oben und erst mal ducken, so niedrig ist der Ausgang und dann sind wir auf dem Gipfel des
Kraters. Jetzt bin ich doch ganz schön außer Atem. Aber was sich hier so alles hoch traut, erstaunlich.
Nachdem wir gefrühstückt und natürlich auch das Panorama fotografiert haben, geht es wieder 'runter.
Die dunkle Treppe, der Gang, der steile, sich am Berg windende Weg... wir sind uns einig, daß wir den
Bus in die Stadt nehmen. Klar. Doch der kommt nicht. Also laufen wir in die Stadt. Wir sehen sogar
noch den Rest der Kodak-Hula-Show. Das Gros des Publikums dort sitzt in der prallen Sonne. Das
packen wir jetzt nicht und ich krabbele sogar unter die Tribüne, um von dort durch die Balken der
Show zuzusehen.
Um ein Uhr werden wir vor unserem Hotel zur polynesischen Show mit Abendessen abgeholt... und
ich war noch nicht einmal im Meer! Unsere Fahrerin ist eine junge Schweizerin mit einem
ungewöhnlichen Namen. Außer uns ist nur noch ein älteres Paar aus Mannheim mit im Kleinbus.
Die Fahrt geht über den Likelike-Highway und unsere Reiseleiterin erzählt uns ein bißchen was zur
Show und zu Hawaii im allgemeinen. So erfahren wir, daß die Leute hier gar nicht so glücklich über
Mangobäume sind, weil auf einen Schlag alle Früchte reif werden, vom Baum fallen, vergären und
Ungeziefer anziehen, soviel Mango-Chutney könne man gar nicht einmachen. Wir hören, daß alles
was die Hawaiianer essen ungewöhnlich stärkehaltig ist, und daß sie daher so dick sind. Aber jetzt
kommt erst mal ein kleiner Überblick der Sagen, die uns dann nachher auf den Booten vorgeführt
werden, was teilweise eine recht wackelige Angelegenheit ist.
Erstaunlich wie viele Parallelen es zur europäischen Sagenwelt gibt. Da gibt es eine Romeo und Julia
Geschichte mit zwei verfeindeten Dörfern, wo sich zwei Jugendliche verlieben und gegen den Willen
ihrer Sippen zusammen bleiben. Auch Zeus scheint nicht nur in Griechenland geliebt zu haben, denn
in der nächsten Geschichte verliebt sich ein Gott in eine Sterbliche und zeugt einen Sohn. Ein
gefangener Fisch verspricht für seine Freilassung Reichtum, Ruhm und als der Fischer, der beides
schon hat (wohl im Lotto gewonnen) immer noch nicht losläßt, die Macht über das Feuer. Und so
weiter und so weiter ... (Anm.: ab hier hat Jürgen meinen Erzählfluß zu den Geschichten einfach
gestoppt!)
Nach den Vorführungen auf den Booten wandern wir durch den Park und sehen uns einige Shows an.
Fast alle diese Shows beinhalten Animation. Das Publikum grölt und hinterher kennt jeder diesen
Gerry aus Kalifornien, der auf Hochzeitsreise ist und keine Chance ausläßt sich irgendwie zum Depp
zu machen.
Besonders beeindruckend finde ich die Samoa-Show. Hier wird gezeigt, wie man nur mit Hölzern und
Reibung Feuer macht und wir haben schon Schwierigkeiten unseren Grill anzuzünden... Wir besuchen
einzelne Häuser, sehen noch den Wildschweintanz (auch hier ist Gerry dabei) viele wunderschöne
und bunte Kostüme. Bei der Tahiti-Show wird den Tänzern durch einen, eine Henne verfolgenden
Hahn doch ein bißchen die Show gestohlen. Aber nur ein bißchen. Der Nachmittag vergeht schnell.
Wir kosten noch Brotfrucht und Poi und nach dem Abendbüffet bin ich todmüde. Daher verschlafe ich
einen Teil der Hauptshow. Sehr ärgerlich.
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