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TunesienTunesien Sousse[]
Ausflug nach Kairouan II

Medina und Souks

 Hier rinnt uns die Zeit davon. Ein Bummel durch die Medina und die Souks, abseits der Hauptdurchgangsstraße ist für uns und hauptsächlich für Nicolas wie ein Eintauchen in längst vergangene Zeiten. Jede Zunft hat ihre eigenen Gassen. Die Schneider, die Schuster, die Teppichweber, die Goldschmiede, die Schreiner... Überall können wir den einzelnen Handwerkern noch bei der Handarbeit zuschauen. Nicolas ist ganz fasziniert, "das ist ja wie in den Märchen aus 1001 Nacht, aber in wirklich "

  [] Das haut ihn fast um. Als ihn ein goldbezahnter Schuster herwinkt, doch bei ihm Platz zu nehmen und zu schauen, wie Produktion im Hand- in- Hand -Betrieb läuft, kennt sein Erstaunen keine Grenzen mehr. Wenn jetzt noch Sindbad oder Aladin um die Ecke kämen, ihn würde es nicht wundern.

Darüber sind wir schließlich beim Wahrzeichen der Stadt und zugleich ältesten und größten Moschee Tunesiens gelandet.

Sidi Okba Moschee

Da gerade eine organisierte Tour geführt wurde, hörten wir hier ebenfalls alles über die 600 Marmorsäulen und die festungsartige ockerfarbige Moschee, samt Innenhof, Sonnenuhren und Gebetssaal. Für Nicht - Moslems ist auch hier, wie in allen anderen Moscheen nur der Innenhof in entsprechender Bekleidung zugänglich. Trotzdem reichten mir schon diese Einblicke, um beeindruckt zu sein.

Öffnungszeiten: 8-max. 14:30 Uhr.
 

Moschee der drei Tore

Auf dem Weg zurück zur Säbelmoschee entdecken wir die Moschee der drei Tore. Wir können nur die Fassade mit Kufischrift bestaunen, da sie nicht zugänglich ist. Während Heidi den besten Blickwinkel für ein Foto sucht, Nicolas lieber die versprochenen Schwerter der Säbelmoschee sehen will werde ich von Mohamed angesprochen.

Besuch bei Mohamed

Der freundliche ältere Herr ist sehr erfreut uns getroffen zu haben. Er ist Barbier und ganz wild auf Postkarten. Er fragt, ob ich ihm aus Deutschland eine schicken würden. Als er Nico sieht fällt ihm ein, daß er früher Pfadfinder war und jetzt gibt es kein Entkommen mehr. Er besteht darauf, daß wir ihn unbedingt zu seinem Haus begleiten und Kaffee mit ihm trinken.

 Fast nach jedem Satz will er sicher gehen, daß wir alle ihn verstehen und drängt immer, daß ich ja auch alles gleich übersetze, da er selber französisch spricht und zu seinem großen Bedauern kein deutsch kann.

Wir betreten sein Haus durch eine dieser wundervoll geschnitzten großen Türen und gelangen in den Innenhof. Seine Schwester, die ebenfalls hier wohnt ist gerade im Freien mit Gemüse putzen beschäftigt. Er schließt uns sein Zimmer auf und bittet uns in den fensterlosen Raum. Dort schließt er einen kleinen Wandschrank auf, um uns erst mal Cola anzubieten. Da seine Mutter das Getränk wohl auch sehr liebt schließt er vorsichtshalber alles weg, bevor er aus dem Haus geht. Es soll nichts in ungewollte Hände oder Kehlen geraten.

[Picture] [] Wir sind nun ebenfalls begeistert. Das Zimmer ist wirklich entsprechend dem, was wir im Museum in Sousse gesehen haben. Seine Frau kommt kurz herein, um Nicolas Bonbons und Kekse zu schenken und uns den Kaffee zu bringen. Selbst auf unsere Nachfrage will sie nicht bleiben, wir sind halt Mohameds Gäste.

 

Dafür ist aber kurz drauf Nicolas restlos davon überzeugt im Märchen gelandet zu sein. Der Vorhang zum Zimmer öffnet sich und herein kommt die Mutter des Hausherren. Die alte Dame ist über 100 Jahre alt und sieht aus, wie die Hexe aus Hänsel und Gretel. Gebeugter Gang, einzelne dunkelgelbe Zahnstumpen, ein paar Warzen auf der großen Nase, ein Kopftuch und ihr Gehstock machen das Bild komplett. Nico weicht mit großen Augen und weit offenem Mund an die Wand zurück. Da er bereits an dieser sitzt hat er keine weiteren Fluchtmöglichkeiten. Die Alte geht zielstrebig auf ihn zu nimmt voll freudiger Juchzer sein Gesicht in ihre Hände, tätschelt ihn liebevoll und verabreicht ihm einen dicken Kuß. Er läßt sich versichern ,daß es sich hierbei wirklich um eine Großmutter handelt und sie eben einfach ganz alt ist und deswegen nur noch die laut ins Ohr gerufenen Worte versteht.

Auch sie verschwindet wieder und wir dürfen nun die ganzen Postkarten sehen, die Mohamed im Lauf der Jahre gesammelt hat. Er möchte unbedingt ein Foto von, aber besser noch mit uns haben. Der Bitte kommen wir gerne entgegen.

Zum Ende unseres Besuches werden wir noch mit einem Zauber erst von allen bösen Geistern und Krankheiten befreit. Anschließend werden wir noch mit Kraft, Stärke, Erfolg und viel Glück gesegnet. Reichlich beschenkt gehen wir so wieder fort und versprechen, ihm Postkarten und Fotos zu schicken.

Märchenmaschine

In der Stadt ist inzwischen Mittagspause und so heiß geworden, daß wir auf weitere heilige Bauwerke verzichten. Die Barbiermoschee haben wir somit ausgelassen.

Nicolas ist der Meinung wir seien heute in einer Märchenmaschine gelandet. [Picture] Ein Ding, das Figuren daraus lebendig machen kann. Alerdings, "Wenn sie alle nur etwas weniger küssen würden, dann wäre es noch um Vieles besser."

Wir kaufen noch Makroudh.

Diese pappsüße Köstlichkeit ist eine Spezialität aus Kairouan. In Rauten oder Röllchen geknetet, sind sie liebevoll zum Verkauf bereit aufgestapelt. Honig, Grieß und Dattelpaste sind die Zutaten. Sie können per Stück gekauft werden. Für mich und Nico ein Genuß sind sie für Heidi die Scheußlichkeit aller Süßwaren. Wer so was mag ist begeistert, wer nicht, ist entsetzt.

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Mittwoch, 12. Juli 2000  © ReiseTräume Schreiben an uns
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