Kemer
Das ehemalige Fischerdorf, etwa 40 km westlich von Antalya, hat sich zu einen lebhaften Urlaubsort mit einem modernen Yachthafen entwickelt. Vor der wildromantischen Kulisse des Taurus-Gebirges gelegen, sind in Kemer nicht nur schöne Strände und Buchten, sondern auch eine Vielzahl großer Urlaubsressorts / Clubanlagen zu bestaunen. Vom alten Fischerdorf ist nichts mehr zu spüren, eher schon von der ungeheuren Geschäftstüchtigkeit und dem Verdiensttrieb der Einwohner.
Kemer liegt an der Grenze zum antiken Lykien und ist daher idealer Ausgangspunkt für Exkursionen zu Fuß, per Auto oder Dolmus in die nähere oder weitere Umgebung. Dies haben wir die nächsten Tage auch reichlich ausgenutzt.
Vom Nomadenpark bis zum Teppichhändler
Ortsbegehung am Ankunftstag
Nach kurzem Schlaf und gutem türkischem Frühstück (Oliven, Schafskäse, Tomaten, Gurken, Yoghurt) - keine Bange, es hätte auch Marmelade, Eier, Croissants gegeben - sind wir erst mal auf Erkundungstour gegangen.
Der Nomandenpark von Kemer liegt gleich neben dem Yachthafen auf einer Halbinsel. Er wurde gewissermaßen als Open-Air-Museum von dem Forstingenieur Kusal Iyicil 1978 entworfen. Dort kann ein Lagerplatz mit Nomadenzelten, angefüllt mit nomadischem Haushaltsgeräten besichtigt werden. Eine ganz andere Welt (wie wir sie auch auf einer späteren Fahrt durchs Inland erlebten) im Vergleich zum Hotel-Strand-Leben. Wir legten eine Pause ein, um Sacböregi (eine Art Fladenbrot/Gözleme) zu essen und Ayran (gesalzener geschlagener Joghurt) zu trinken - Es schmeckte hervorragend.
Ein weiterer Höhepunkt des Tage war der Besuch bei einem der unzähligen Teppichhändler. Da uns schon zu Beginn klar war, daß wir keinen Teppich kaufen wollten, und dies auch wiederholt erklärt hatten, konnten wir mit Genuß den Verkaufsstrategien zusehen und zuhören. Beim Apfeltee versuchte der Verkäufer (der übrigens sehr gut Deutsch sprach) irgendwo einen Anhaltspunkt zu finden, der es ihm ermöglichen könnte, doch schließlich einen Teppich erst mal zu zeigen. Mit wachen Augen und großen Ohren wanderte sein Blick und seine Zuwendung zwischen uns her und hatte sich schließlich Gerhard als "Opfer" erkoren. Er bot dann sofort alles auf, was er zu bieten hatte. Zum einen in Form von Teppichen zum anderen versuchte er kräftig Schuldgefühle zu wecken. Am Ende war er der Arme, der Kinder zu versorgen, Strom bezahlen mußte, sich die Zigaretten vom Mund absparte und wir die reichen Urlauber, für die 70 DM, ein absolutes Sonderangebot, doch wirklich kein Geld ist. Als er nach längerer Arbeit einsah, daß ich immer noch keinen Teppich wollte und auch mein Mann nicht zu gewinnen war, verabschiedete er sich lächelnd: "Nichts für ungut, aber schließlich ist es meine Arbeit".
|
|
Tip
|
So ein Besuch lohnt sich wirklich, wenn man
- was kaufen möchte
- sich das einfach mal anschauen will
Unfair finde ich es jedoch, die Preise herunter zu handeln und dann nichts zu kaufen, so zu tun, als ob es nur Spaß war oder ihre Ware schlecht zu machen, anstatt einfach nein zu sagen.
Nach wie vor ist ein freundliches, aber bestimmtes "Nein danke" in der Landessprache oder ein
"Vielleicht ein anderes mal" (Belki bir bashka zaman) angebrachter als unhöfliches Meckern und Maulen (wie öfters beobachtet).
|
|