Die Insel Santiago - weit mehr als Hauptstadt, Weltkulturerber und Palmenstrand
Beeindruckende Gebirgszüge, bizarre, grün bemoste Felsnadeln, eine mit Vulkankegeln bestückte Hochebene, tiefe Erosionsschluchten, fruchtbare Täler, Bananen- und Kokospalmenplantagen, Oasen, aride zerklüftete Steilküste, ausgedehnte Bergwälder, feine Sandstrände, alte (Musik) Traditionen wie Batuk, Tabanka und die Hauptstadt Praia das politische und wirtschaftliche Zentrum von Kap Verde mit dem alten im Kolonialstil erbauten Stadtkern...All das begegnet Ihnen auf Santiago, der mit 991 qkm größten Insel der Kapverden.
Sie ist zugleich die bevölkerungsreichste Insel des Archipels auf der Sie historische Vergangenheit und das afrikanischste Ambiente der Inselgruppe erleben.
Geschichte
Auf Santiago fing alles an. Die portugiesischen Entdecker gründeten mit Ribeira Grande, der heutigen Cidade Velha die erste Stadt in den Tropen.
Bald darauf begann hier das dustere Kapitel des Menschenhandels. Die Ribeira wurde zum grössten natürlichen Gefängnis der Geschichte. Tausende von Sklaven wurden hier zusammengepfercht und warteten auf den Abtransport. Wem es gelang zu fliehen, der versteckte sich in den unzugänglichen Berglandschaften der Insel. Bis zur Abschaffung der Slaverei waren die zwangsgetauften Menschen aus Afrika wichtigste und sehr gewinnbringende Handelsware. Viele Kapverdeaner sind seit dieser Zeit Katholiken.
In den Städten sind jedoch auch zunehmend Sekten im Vormarsch wie Templo Maior, Amor de Deus, Jehovas Zeugen, Adventisten…. Es gibt für jeden was.
In der Sklavenbucht machten auch berühmte Weltumsegler Halt, um Wasser und Lebensmittel zu bunkern und berüchtigte Piraten, welche die reiche Stadt brandschatzten und plünderten. Trotz einem Verteidigungsfort folgten weitere Überfälle, bis die Stadt so stark angeschlagen war, dass ihr Stern sank.
Das inzwischen restaurierte Fort thront immer noch hoch über der Stadt und der Pranger auf dem Ortsplatz erinnert an den 400 Jahre dauernden Menschenhandel. Im Tal von Ribeira Grande wachsen nun Bananenpalmen, Zuckerrohr, Kokosnüsse und Mangos.
Orte
Cidade Velha = Cidade de Ribeira Grande de Santiago=Weltkulturerbe
Zu Zeiten der Entdeckung und Besiedlung von Santiago durch die Portugiesen strömten zwei mächtige Flüsse durch das Tal und vereinigten sich kurz vor dem Meer, was dem Ort seinen ursprünglichen Namen Ribeira Grande = großer Fluss gab. Die Häuser der Rua Banana aus dem 15. Jahrhundert wurden im Rahmen eines Unesco-Projektes wissenschaftlich dokumentiert und mit Orginalsteinen exakt wieder aufgebaut.
Der Pelourinho (Pranger) aus dem Jahre 1512 war Symbol der portugiesischen Krone und des Sklavenmarktes. Gegen die zunehmenden Piratenüberfälle der anderen europäischen Mächte wurde nach zwei Attacken von Sr. Francis Drake 1587 mit dem Bau des Forte Real S. Filipe und 7 weiteren kleineren Forts begonnen.
Die Kirche Nossa Senhora do Rossario (1495), Kirche, der Konvent von S. Francisco (Priesterseminar) sowie die Ruinen der Kathedrale zeugen von der Bedeutung der katholischen Kirche in der Geschichte des Landes.
Cidade Velha war Sammelpunkt, Drehscheibe und Verteilstation für menschliche, tierische und pflanzliche Ressourcen der damaligen Zeit und war für die damalige Globalisierung die Servicestation auf dem Atlantic Highway, die erst die weitere Suche nach dem Seeweg nach Indien etc. möglich machte. Der Ort war mehr als nur ein Sklavengefängnis vor der weiteren Verschiffung. Er diente als Trainingslager für die Arbeitssklaven, in dem ihnen nicht nur die neuesten Produktionsmethoden sondern auch die Grundwerte der abendländischen Kultur, also das Christentum nahegebracht wurden.
Weitere historische Informationen zu Cidade Velha in "A Importância histórica da cidade velha", 2004 von Daniel Pereira, Instituto da Biblioteca Ncaional e do Livro (5 sprachig: pt, es, fr, en, cv)
Die Ware Arbeitssklave wurden von den Küsten Senegals bis Sierra Leone herantransportiert für die weitere Verschiffung Richtung Karibik.
Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Kapverden zu einem Zentrum des Skalenvhandels, zunächst für Portugal, Madeira, Azoren und dann später für Brasilien, die Antillen und die Karibik. Die Glanzzeit des Skalenhandels zog sich bis Mitte des 17. Jahrhunderts hin. Der Handel erlag aber erst mit der Abschaffung der Sklaverei 1876.
Nachdem es zu immer wieder kehrenden Plünderungen kam und schließlich 1712 der Freibeuter Cassart die Festung einnahm und die Stadt zerstörte wurde Praia zur neuen Hauptstadt der Kapverden
Praia
Die Hauptstadt des Landes liegt im Südosten der Insel. Das Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum ist heute eine moderne, quirlige Stadt deren Einwohnerzahl ständig steigt.
Auf dem Plato, dem historischen Zentrum der Stadt mischen sich koloniale Vergangenheit mit moderner Architektur, den allgegenwärtigen Chinaläden, dem lebendigen Gemüsemarkt, alten Handelshäusern, Botschaften, Schulen, Supermärkten, schicken Möbelläden, Banken und fliegenden Händlerinnen.
Nachdem Praia lange Zeit nicht als besonders attraktiv galt für Touristen ist in den letzten Jahren viel passiert. Es wurde eine Fußgängerzone gestaltet und die Praça Alexandre de Albuquerque, wurde wieder zum beliebten Treffpunkt der Städter. Fassaden wurden renoviert und das kulturelle Erbe erhalten.
Kleine Cafes, Bars, Restaurants und zunehmend Terrassen laden zum Verweilen während dem Stadtbummel über das schachbrettartig angelegte Plato ein.
Am Fuße des geschäftigen Zentrums liegt der Sucupira, ein großer, bunter Markt. Es wird alles angeboten was das Herz begehrt. Mode, Möbel, Schmuck und Lebensmittel - wer sucht der findet.
Fahrt durch das Inselinnere
Auf der Fahrt durch das Inselinnere erleben Sie die faszinierende Landschaft. Mais und Bohnenfelder, Erdnussanpflanzungen, Mangobäume, Bananenstauden, bizarre Felsformationen, üppige Vegetation um den Pico de Antonia, mit 1394 m der höchste Berg Santiagos.
Pico do Antonia
Sollten Sie diesen Gipfel erklimmen wollen bietet sich eine Übernachtung in RuiVaz an.
Das kleine Bergdorf in fruchtbarer Landschaft ist ein beliebtes Wochenendausflugsziel im Sommer. Nicht zuletzt wegen der frischeren Luft sondern auch in erster Linie wegen dem guten Restaurant der Quinta da Montanha. Der halbfeuchte Nebelwald um den Monte Txota bietet auch im Sommer Schatten und lädt zu Spaziergängen rund um den Berg ein.
Assomada
Schon vor der Unabhängigkeit war die Stadt ein wichtiger Handelsplatz. Noch heute ist der Markt mit seinem großen Angebot nicht nur an landwirtschaftlichen Produkten ein Treffpunkt für Händler und Käufer aus allen Teilen der Insel. Am Mittwoch und am Samstag ist Markttag und die Stadt pulsiert. Laut, lebendig, farbenfroh, ein sicher unvergessliches Erlebnis.
Von Assomada aus darf natürlich eine Wanderung zum Poilon nicht fehlen. Der wohl älteste, mit Sicherheit größte Kapokbaum der Kapverden steht inmitten einem kleinen fruchtbaren tropisch anmutenden Tal.
Dazu bieten sich Abstecher nach Ribeira da Barca und Porto Rincon an. Diese Fischerorte am Meer beliefern den Markt von Assomada mit frischem Fisch. Auf einer Wanderung entlang der Küste mit weiten Blicken über Meer lernen Sie wieder eine ganz andere Seite der Insel kennen.
Naturpark Serra Malagueta
Auf der Fahrt nach Tarrafal im Norden der Insel durchqueren Sie die Serra Malagueta, mittlerweile ein Naturpark mit abwechslungsreichen Wanderwegen, sowohl an die Ostküste als auch in den Bergen oder an die Nordwestküste.
Chão Bom.
Kurz vor Tarrafal befindet sich das ehemalige Salazar – Konzentrationslager in dem ehemals politisch Gefangene der Kolonialzeit inhaftiert waren. Ein Bauwagen davor wurde zu einem kleinen Museum eingerichtet um auch über diesen Teil der Geschichte zu informieren.
Tarrafal
Am Rande des expandierenden Fischerortes, liegt der einzige helle Palmenstrand der Kap Verden. Der feinsandige Strand und das tiefblaue Meer laden geradezu ein hier erholsame Badetage im Schatten der Palmen zu verbringen.
Ostküste
Auf dem Rückweg nach Praia fahren Sie entlang der Küste und entdecken wieder eine ganz andere Landschaft. Sie passieren kleine Buchten mit weißem oder schwarzem Sand oder (nur noch) Kies die manchmal kleinen Fischerbooten als Liegeplatz dienen. Sie blicken in die immergrüne fruchtbare Ribeira Principal und gelangen so nach Calheta de São Miguel
Calheta de São Miguel
Obwohl nun Stadt, wie seit August 2010 alle Hauptorte der Insel geht es hier noch sehr ländlich-dörflich zu. Hier rennen die Schweine über die Strasse, die Ziegen meckern, der Hahn kräht, die Emigranten haben in "wilder" Bauweise Ihre Häuser gebaut, die halbfertig in der Gegend stehen. Kurzum: Hier sind Sie mitten drin im Leben einer Bezirksstadt an der Ostküste. Calheta ist ein idealer Ausgangspunkt um die Insel mit dem öffentlichen Verkehr zu entdecken und zum wandern. Die Strände um den Ort eignen sich nur ganz bedingt zum Baden.
Pedra Badejo
Weiter an der Küste entlang geht es nach Pedra Badejo. Breite fruchtbare bewässerte Täler und dazwischen größere und kleiner Ortschaften säumen den Weg. Von hier aus gelangen Sie - vorbei am ersten Stausee der Kapverden - wieder ins Inselinnere oder setzen den Weg weiter an der Küste fort.
