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Den nachfolgenden Erfahrungsbericht erhilente wir von Andrea per Email am 27.5.2001

Hallo Gerhard, ...
Wir machten letztes Jahr eine ähnliche Reise durch den Südwesten der USA, ebenfalls 3,5 Wochen und mir sind bei Deinem Bericht einige Sachen aufgefallen, die sich mittlerweile geändert haben, bzw. auch für andere Leser interessant sein könnten.

  1. Auch wir blieben für 3 Tage in San Francisco und zwar ohne Auto. Dieses holten wir uns downtown bei Dollar ab. San Francisco laesst sich prima zu Fuss und mit dem örtlichen ÖPNV erkunden. Das Muni-Ticket kostet 10 $ für 3 Tage. Wir sind erst mit der Linie 5 ab Civic Center bis zum Alamo Square (Foto-Pause) gefahren, dann weiter zum Golden Gate Park und dann mit der 28 zur Golden Gate Bridge.

    In Francisco war es dann auch das allererte Mal, dass uns ein Restaurant den Tip gleich mit auf die Rechnung setzte! Eine Unverschämtheit und Bevormundung, wie ich sagen muss. Aber ich denke, das liegt an den vielen, auch deutschen Touris, die angesichts des hohen Dollar Kurses am falschen Ende sparen. Wir waren über diese Behandlung auf jeden Fall ziemlich verblüfft, zumal uns dieses im Osten der USA noch nie passiert ist. Wir sagten dem Kellner also dass das Trinkgeld OK wäre (es waren genau 15%) und dachten nicht daran, die Summe nach oben, gerade aufzurunden. Pech für ihn.


  2. Bei der Autovermietung Dollar, downtown ist Vorsicht in Sachen Versicherungen anzuraten. Das Mädel dort versuchte uns regelrecht Angst zu machen und uns zu einer überflüssigen Zusatz-Haftpflichtversicherung zu überreden. Das ganze Prozedere dauerte bestimmt eine halbe Stunde und bin mir sicher, dass Leute, die das erste Mal dort einen Wagen mieten und sich nicht vorher die Vertragsunterlagen zu Hause genau durchgelesen haben, stark verunsichert werden. Also, wenn man von Deutschland aus ein Auto mietet, sind in der Regel sämtliche Versicherungen (Haftpflicht und Vollkasko) mit drin. Es muss nichts extra abgeschlossen werden. Trotzdem versuchen die Autovermieter natürlich ihre Versicherungen loszuwerden, was ja auch legitim ist, aber die Dollar-Vermietung in San Francisco hat versucht, uns schlicht weg anzulügen, was ich nicht verzeihen kann.


  3. Wir sind noch kurz hoch zum Muir-Woods NP und haben uns dort gleich den National Park Pass für 50 Dollar besorgt. Das klingt erst mal viel Geld, aber wenn man, so wie wir so gut wie alle NP dort ansehen wollte, hat man das Geld wirklich schnell wieder raus. Wenn man den Eintritt einzeln berappen will, kommt man schnell auf 120 bis 150 Dollar!


  4. Wir waren im Oktober an der Westküste und haben uns natürlich ebenfalls den Yosemite NP angesehen. Das Wetter war schön und nach einigem Suchen (die Straßen im Park sind etwas chaotisch angelegt)haben wir dann auch einen Wanderweg gefunden, dem wir einige Stunden folgten. Leider mussten wir feststellen, dass sämtliche Wasserfälle auf ein Minimum geschrumpft waren. Und der Mirror Lake war völlig ausgetrocknet! Später haben wir dann erfahren, dass das normal ist. Wer wegen der Wasserfälle und Seen den Park besucht, sollte dieses vor Juni tun, denn danach trocknet er so nach und nach aus.


  5. Im Zion Park hat sich etwas geändert! Dort gibt es jetzt einen Shuttle Dienst ab Visitor Center. Man kann mit dem eigenen Auto also nicht mehr in den Park rein fahren.-Es sei denn, man ist Gast in der Zion Lodge und kann dies beweisen. Dann kann man bis zu deren Parkplatz mit dem Wagen rein. Aber der Shuttle Dienst funktioniert wirklich ausgezeichnet. Er fährt jeden Aussichtspunkt an und man kann ein- und aussteigen, wie man will. Außerdem machen die Busfahrer auf die Freeklimber an den riesigen Felsen oder die giftigen Pflanzen, die zur Zeit blühen aufmerksam.

    Überhaupt machte der Zion NP einen sehr gut organisierten Eindruck auf uns. Gleich auf dem Parkplatz des Visitor Centers gibt es große Schautafeln, auf denen in wenigen Worten erklärt wird, was für Wanderwege es gibt, wie lange man etwa für sie braucht und was für eine Kondition man braucht. Man kann also den Tag optimal planen und nutzen. Keine Selbstverständlichkeit! Bei Interesse, ich habe den Shuttle Plan noch und auch das Info über die Wanderwege. Ich muss es nur Einscannen.


  6. Wir haben uns auch noch den Arches NP angesehen. Auch dort kann man zu diversen Brücken und Bögen hinwandern. Viel Spass macht es auch in den Indianer Behausungen des Mesa NP herum zu klettern. Leider hat der Park durch das Feuer letztes Jahr ziemlich gelitten. Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise und etwas für Eisenbahnfreunde ist die Durango-Silverton Railroad. Per Dampfross geht es von Durango Co, in die alte, fast ausgestorbene Silberbergstadt Silverton auf 4000(!)m Höhe. Vor allem im Oktober sollte man sich warm anziehen. Es ist verdammt kalt dort oben!


  7. Ein Höhepunkt war auch für uns das Monument Valley. Diese Steinblöcke, die auf einmal aus dem Nichts am Horizont auftauchen sind wirklich fantastisch. Wir fuhren mit dem Mietwagen die Schotterpiste und bedauerten diejenigen, die sich für eine Jeeptour entschieden hatten. Die Leute sitzen hinten, auf der offenen Ladefläche und mussten den Staub und Sand schlucken, den die anderen Autos hinterließen. Diese Piste war wirklich das Letzte. Eine Tortour für den Wagen und laut Mietvertrag garantiert illegal. Egal, die Landschaft ist einmal und wirlich so schön, wie auf allen Fotos der Reiseprospekte!


  8. Auch am Grand Canyon gibt es einen Shuttle Dienst, der umsonst ist. Da uns der Bright Angel Trail zu anstrengend und zu lang war, sind wir am South Rim bis "The Abyss" zu Fuss gelaufen und dann von "Pima Point" bis "Hermits Rest". Ein schöner Marsch auf einem Trampelpfad, direkt an der Kante entlang, aber mit wunderschönen Ausblicken. Zurück dann mit dem Bus.


  9. Wenn man schon in Flagstaff ist, kann man sich auch noch den "Sunset Crater Volcano" ansehen. Ein 800 Jahre alter Vulkan, dessen getrocknete Lava noch immer das Land bedeckt. Manche Hügel sind noch immer pechschwarz, nur ab und zu findet frisches grün seinen Weg ans Licht.


  10. Wer einen Staudamm besichtigen will, sollte den Glen-Damm wählen. Er ist mindestens genauso beeindruckend wie der Hoover-Dam, nur billiger und nicht annähernd so überlaufen.


  11. Las Vegas! Kitschig? Verrückt? Dekadent? Ich finde, wenn man schon mal dort ist, ein MUSS! Diese Stadt muss man einfach gesehen haben. Sie ist einfach einmalig. Man kann es nicht in Worte fassen. Diese Verschwendung, dieses Lichtermeer, dieser Prunk, dieses Rattern der Automaten, die einfach überall sind. Sogar im Abflugterminal im Flughafen.

    Besonders gefallen haben mir die Wasserspiele nach klassischer Musik vor dem Bellagio Hotel. Und der Canale Grande im Hotel Venetian. Wenn dieser penetrante Chlorgeruch nicht wäre, könnte man sich tatsächlich in Venedig wähnen. Vor allem die indirekte Beleuchtung der Decke war wirklich raffiniert gemacht. Einmal den Strip bei Nacht runter gehen und die Stadt auf sich wirken lassen. Man muss gar nicht unbedingt spielen, ich war trotzdem beeindruckt und habe mich immer wieder verwundert umgesehen. Wir waren zwei Nächte dort und das reicht auch, dann geht einem diese Verschwendung an Resoursen doch ziemlich auf die Nerven und gerade als Deutscher denkt man wahrscheinlich zu kritisch darüber. Zeit nach Hause zu fliegen.


  12. Bezüglich Hotels bevorzugen wir die Kette "Sleep Inn" mit ihrem Ablegern "Quality Inn". Auch diese sehen überall gleich aus und sind wirklich nicht teuer. In Flagstaff, nahe des Grand Canyon bezahlten wir z. B. nur 35 Dollar! Außerdem ist immer ein Mini-Frühstück mit drin. Genug, um den ersten Hunger zu stillen und man spart die Zeit und das Geld für den Frühstückladen.


  13. Bezüglich Dinner kann ich die Kette "Outback" unbedingt empfehlen. Die Steaks dort sind das Beste, das ich je gegessen habe und ich habe mir schon für den nächsten Urlaub (in Neuengland) sämtliche Orte, wo es dieses Restaurant gibt, im Internet raus gesucht.

Das ist ganz schön lang geworden, aber die USA faszinieren mich halt. Eine Homepage habe ich leider noch nicht. Vielleicht kannst Du ja das Eine oder andere in Deinem Bericht einarbeiten. Wenn nicht, macht es auch nichts.

Bis dann, Andrea Bröker

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Montag, 4. Juni 2000   © Gerhard Schellmann Schreiben an uns