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TunesienTunesien Bustour[]
Seldja Schlucht - Gafsa

Metalaui

Die Fahrt geht Richtung Metlaui. Wir passieren Gewächshäuser in der Wüste. Ein futuristisch anmutender Anblick. Hier steht ein staatliches Versuchsprojekt. In 1600 m Tiefe wird aus einem Brunnen Wasser gefördert. Es ist 50 - 90 Grad heiß und muß natürlich erst mal gekühlt werden. Dies geschieht in einem öffentlichen Kühlagregat. Am ehesten ist das Ganze zu vergleichen mit einem gigantischen Springbrunnen über mehrere Etagen mit kleinen abgeteilten Fächern. Die Einheimischen dürfen dort umsonst baden. Schade, das ist ein großer Nachteil der Busreise. Ich kann nicht da anhalten, wo ich möchte. Ich hätte mir das zu gerne näher angeschaut. Es sah so aus, als ob die gerade anwesenden Badegäste in kleinen Schubfächern sitzen.

Wieder verläuft die Straße Kilometer um Kilometer geradeaus.

Nomadenzelte in der Ferne, Dromedar - und Ziegenherden, deren Felder mit Zäunen aus Palmblättern begrenzt sind. Die Zeit verläuft hier buchstäblich im Sande, sie ist absolut unwichtig für mich. Ganz im Gegensatz zu unserem Busfahrer, der natürlich drauf achten muß, daß wir pünktlich zum nächsten Event der Reise kommen, der Zugfahrt durch die Seldja- Schlucht.

Wir verlassen die Ebene. Die Straße windet sich hoch in die Berge. Das läßt auch den bis hierhin doch längere Zeit schweigenden Anis aktiv werden. Er versorgt uns wieder mit den notwendigen Informationen. 1884 entdeckte Philip Thomas in dieser Gegend zufälligerweise die ersten Phosphatminen. Der Tierarzt und Hobbygeologe absolvierte hier seinen Militärdienst. Zuerst wurden Straßen gebaut und später Züge, um das Phosphat schneller in die Hafenstädte an der Küste befördern zu können. Bis 1956 hieß Metlaoui Philip Thomas. 7 Mio Tonnen werden jährlich gefördert. Damit ist Tunesien 3. Größter Phosphatlieferant hinter den USA und Marokko. Obwohl es sehr bergig ist, schneit es fast nie in Zentral- oder Südtunesien. Die Landschaft erinnert an die Steinwüste um Matmata.

Mit dem Lezard Rouge
durch die Seldja-Schlucht

Wir erreichen den Bahnhof und werden mit Fahrkarten für den Lezard Rouge versorgt. Der alte Salonzug, ein Geschenk der Königin Victoria an den damaligen Bei von Tunis wartet auf die Fahrgäste.

Gemächlich zuckelt der Zug in die Schlucht. An steilen Felshängen entlang, durch Tunnels, an einem Wasserfall vorbei fährt die rote Eidechse durch eine beeindruckende Landschaft, die mich ein klein wenig an den Grand Canyon erinnert. Insgesamt werden drei Fotostops, natürlich an den imposantesten Stellen eingelegt. Wir dürfen da sogar den Zug verlassen. Laut heulend fordert er danach zur Weiterfahrt auf. Nach ca.1 Stunde ist Endstation für die Sight-seeingtour. Die Lok wird umgekoppelt und die Fahrt geht wieder, diesmal Nonstop zurück.

Im Ort angekommen werden wir zum Mittagessen gebracht. Ich verzichte darauf und kaufe mir in der nächsten Bäckerei diverse Kleinteile und bummle statt dessen durch den Ort. Leider wirkt er eher uninteressant, aber immer noch besser als in der Essensabfertigung zu sitzen. Außer uns werden nämlich noch gleichzeitig 6 andere Busladungen verköstigt. Das war mir doch zuviel.

Gafsa

Weiter geht die Fahrt Richtung Gafsa, der Grenze zwischen Süd- und Nordtunesien. Wieder breitet sich schläfrige Stille im Bus aus. Die Straße verläuft kilometerlang geradeaus, von Eukalyptusbäumen gesäumt.

Wir sind nur durchgefahren. Es soll hier noch römische Bäder und eine interessante Medina geben.

Nach ungefähr 70 km wird es langsam grüner und die ersten Olivenbäume stehen in der Ebene. Die Landschaft wird fruchtbarer, Getreide und Gemüseanbau zwischen den Olivenbäumen. Männer und Frauen bei der Zwiebelernte. Die Felder sind durch dicke Kakteenhecken abgegrenzt. Dieses undurchdringbare stachelige Gewächs ist bisweilen sogar höher wie die noch jungen frisch gepflanzten Olivenbäume. Die fernen Ausläufer des Atlasgebirges begrenzen den weiten Blick in die fruchtbare Ebene. Zunehmend mehr prägen wieder endlose Olivenbaumhaine das Landschaftsbild.

Eindeutiger Vorteil der Busreise ist der erhöhte Sitzplatz und der damit verbundene Weite Ausblick übers Land.

Irgendwo an der Straße muß Abdul langsam fahren und Anis zeigt uns was er uns eigentlich wie er eindrücklich betont gar nicht zeigen dürfte. Eine nicht ausgegrabene Ausgrabungsstätte. Anscheinend gibt es ca. 200 Städte römischen Ursprungs in Tunesien. 40 - 50 sind ausgegraben. Die restlichen sind zwar bekannt, werden aber aufgrund mangelnder finanzieller Mittel nicht ausgegraben. Die Restaurierung kostet zuviel Geld. Karthago, Dougga und Sbeitla stehen erst mal im Vordergrund.

Die Regierung hat daher beschlossen, dieses Kulturerbe erst mal natürlich geschützt zu lassen. Daher sollen auch ausländische Archäologen nicht wissen, wo diese Städte liegen, damit nicht so wie in Karthago große Ausgrabungsfehler gemacht würden. Ich kenne mich da nicht aus, aber es wird schon sinnvoll so zu sein.

Schließlich erreichen wir Kairouan, wo noch ein kurzer Aufenthalt in der Altstadt erlaubt ist. Da ich sowieso geplant hatte, hier mit Nicolas und Heidi herzukommen, war es für mich heute in Ordnung, nur so kurz Zeit zu haben. Danach werden wir alle wieder pünktlich zum Abendessen in unseren Hotels abgeliefert.

Fazit

  • Die Zeit war für die lange Strecke viel zu kurz.
  • Um erste Eindrücke von Tunesien abseits der Badeorte zu bekommen war es gut.
  • Die Redefreude von Anis, der in den zwei Tagen jeglichen Reiseführer in Buchform überflüssig machte trug dazu bei, viele interessante Informationen zum Land mitzubekommen.
  • Der erhöhte Sitz im Bus verschaffte großartige Ausblicke über die weiten Ebenen.
  • Ich hätte gerne viel öfter und an anderen Stellen als der Busfahrer angehalten.
  • Von den Temperaturen her war es für mich noch annehmbar. Viel später wollte ich so eine Reise nicht mehr machen.
  • Ich habe Lust bekommen, dieses Tunesien abseits des Badetourismus noch mehr kennenzulernen. Vor allem möchte ich noch weiter in den Süden und dann natürlich eine mehrtägige Tour in die Wüste unternehmen.

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Mittwoch, 12. Juli 2000  © ReiseTräume 
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