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TunesienTunesien Bustour[]
Chott el Jerid & Tozeur

Um 5:30 geht es weiter. Damit niemand verschläft werden alle per Telefon um 4:30 geweckt. Das Frühstück steht bereit. Hinter uns kommt bereits der Putztrupp um die kaum benutzten Zimmer für die nächste Busladung wieder zu säubern.

Der größte Salzsee Nordafrikas

Das Chott el Jerid, der größte ausgetrocknete Salzsee Nordafrikas ist 200 km lang und 90 km breit.

Die Straße durch das Chott wurde 1981 von der Armee gebaut um eine Verbindung zwischen Kebili und Tozeur zu schaffen. Zunächst noch Macchia, dann immer weniger Gestrüpp und schließlich nur noch ganz vereinzelt grüne Punkte in der braunen Ebene. Danach grenzenlose Weite verbunden mit absoluter Leere. Aus dem Nichts tauchen plötzlich mitten im Chott entlang der Straße Verkaufsstände auf. Sandrosen, Steine, Getränke, Tücher und Toiletten sind der Grund der ersten Pause am frühen Morgen.

Außer uns sind natürlich auch schon andere Touristen mit den jeweiligen Tourunternehmen angefahren worden. 20 Minuten werden uns zugestanden um zu fotografieren oder eventuelle Souvenirs zu erstehen.

Wieder einmal, wie oft in diesem Urlaub habe ich als Deutsche, die französisch spricht, Bonuspunkte gesammelt. Während die anderen ihre Sandrosen bezahlen, bekomme ich nach einer netten Unterhaltung meine Wunschrose einfach geschenkt.

Auch hier wird um die Preise gehandelt und natürlich vorher von Anis mitgeteilt, was höchstens bezahlt werden darf. Alle Käufer steigen dann auch hoch beglückt über ihr Verhandlungsgeschick wieder pünktlich in den Bus ein. Mitten im Chott liegt ein verrosteter Bus, Überbleibsel einer Werbeaktion. Großer Renner in den Sommermonaten ist hier das Strandsegeln geworden.

Die Landschaft wird langsam wieder grüner und die angekündigte Fatamorgana taucht zum Entzücken aller Fahrgäste auf. Durch die Luftspiegelung sieht es so aus, als ob die Oase Tozeur in weiter Ferne an einem großen See liegen würde.

 

Tozeur - Paradies in der Hölle

Die Bewohner von Südtunesien bezeichnen diese ärmste, aber für mich fast schönste Seite von Tunesien als das Paradies in der Hölle. Nur 120 mm Regen fällt im Jahresdurchschnitt.

Tozeur Stadt

Hier stehen viele halbfertige Häuser herum. Der Hausbau in Südtunesien dauert in der Regel 10 - 15 Jahre. Die Menschen sind abhängig vom Ertrag der Oase und dem Erfolg der Dattelernte. Sie fangen also erst mal mit einem Zimmer und der Küche an und beziehen sofort diese ersten Räumlichkeiten. Manchmal sind sie so an ihr halbfertiges Haus gewöhnt, so daß bisweilen gar nicht mehr weiter gebaut wird. Immer fehlt noch etwas, sei es die Farbe, sei es eine Tür, sei es... Manchmal wird das Geld von der Ernte für wichtigere Dinge benötigt und das Haus muß warten.

Das Leben ist sehr einfach. Es gibt wenig Geschäfte, die ältere Generation ist noch stark miteinander verbunden. Die jüngere Generation hat dagegen zunehmend andere Interessen. Sie wollen sich mehr an Tunis orientieren, die westliche Welt ist über die Medien viel näher gerückt.

In den meisten Gegenden von Tunesien hat sich auch die Architektur schon entsprechend verändert. Früher waren alle Häuser aus sandfarbenen Ziegeln gebaut, Einflüsse der arabischen Kultur. Da die Gefahr des Verlustes alter Bautraditionen drohte, wurde ein Gesetz zum Schutze dieses Kulturerbes erlassen. Es verpflichtet die Menschen bei Neubauten zumindest irgendwo an der Fassade diese Lehmziegel zu verwenden. In der Innenstadt von Tozeur ist diese Lehmziegelarchitektur ganz erhalten.

Wer hierher kommt sollte unbedingt durch die kühlen schattenspendenden Gassen der Altstadt schlendern. Überhaupt war ich absolut fasziniert von der altertümlich wirkenden Stadt. In diesem Tor zur Wüste könnte ich mir ebenfalls vorstellen einen Urlaub zu verbringen. So weit im Süden sind die Frauen teilweise sogar noch ganz verschleiert. Die Farbe der Tücher ist schwarz.

Ballonfahrten über die Wüste, Kutschfahrten oder Dromedarritte in die Oase, im Vergnügungspark 1001 Nacht der Prinzessin Scheherezade begegnen, in Oasenquellen baden, durch den Jardin Pradis wandeln, der Anreize gibt es genügend. Natürlich würde ich auch an den Drehort des englischen Patienten gehen und...und...und...

Die Landschaft um Tozeur ist beeindruckend und vielfältig zugleich. Am Rande des riesigen Salzsees gelegen, mit wildzerklüfteten schroffen Bergen in der Ferne, weiter Sandsteppe und Palmen über Palmen bietet alles ein Bild unbeschreiblicher Schönheit.

Tozeur Oase

Die Ursprungsoase wurde stark vergrößert. Heute stehen hier 400 000 Dattelpalmen. Da die Quellen nicht mehr ausreichen werden Brunnen gebaut. Auch die Touristenhotels brauchen Wasser, so daß durch Trockenheit wegen zu viel Wasserverbrauch bereits Randgebiete der Palmenhaine absterben. Außerdem wird hier ebenfalls mit Ausbreitung der Wüste gekämpft, ebenso wie in der anderen großen Oase Nefta.

Die Temperaturen klettern im Sommer auf bis zu 50 Grad.

Auf der Kutschfahrt durch die Oase entsteht ein gutes Bild von der Bewirtschaftung. Nach einem ersten Touristenstop, wo Datteln feilgeboten werden dringen wir durch den kleinen Urwald tiefer in die Oase ein.

Auf mehreren Etagen wird angebaut. Erst kommt das Gemüse, dann Tabak, dann Apfel- und Feigenbäume, Bananenstauden und über allem drüber die Dattelpalmen. Die jährliche Durchschnittsernte liegt bei 80 000 Tonnen Datteln. Die Regierung besitzt nur noch 20% der Dattelpalmen. In diesen Oasen ist dann jedoch keine mehrfache Bewirtschaftung anzutreffen.

Nach kurzem Stadtlauf und Kutschfahrt durch die Oase fahren wir weiter. In dem Vorort von Tozeur stehen zum Teil prächtige Villen im Wechsel mit niedrigen Lehmziegelbauten in Reihenhausbauweise. Auf dem Friedhof weiden die Ziegen und wir verlassen die Gouvenoratsstadt durch ein imposantes Stadttor aus den sandfarbenen Ziegeln.

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Mittwoch, 12. Juli 2000  © ReiseTräume 
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