Entlang der Westküste

Zunächst bis Kremasti Hotelhochburgen pur. Der Lastwagen- und Autoverkehr umtost uns gewaltig. Die ca.12 km bis zum Flughafen scheinen endlos. Kurz drauf erreichen wir Paradissi. In dem alten Ort mit vielen Geschäften und Kafenions geht es nochmals richtig laut und eng zu. Ab dem Umkehrplatz der Busse von Rhodos Stadt wird es fast schlagartig ruhig.

Soroni

Wir erreichen Soroni, einen kleinen wenig attraktiven Küstenort mit Geschäften aller Arten entlang der Hauptstraße. Von hier aus Querverbindungen an die Ostküste. Am Ortseingang ein E- Werk mit Dieseltanks und großen Schornsteinen. Warum die hier keine Solarenergie nützen bleibt ein Rätsel und gehört sicher zu einer der Unergründlichkeiten der Griechen. Die Strecke wird danach zunehmend schöner und ruhiger. Auch auf dieser Küstenseite wird unsere Vermutung bestätigt: Je weiter südlich, desto menschenleerer und urtümlicher. Statt Hotels säumen jetzt Felder, Feigen - und Olivenbäume die Straße. Fruchtbares Umland, Wein wird angebaut und wir erreichen Fanes, einen kleinen Villenort mit blühenden Gärten und Room-For-Rent. An der Küste bei Kalavarda liegen ein paar Öltanks rum, nichts zum Verweilen. Kurz danach beginnt eine Dünenlandschaft mit Sand-Stein-Strand und einladenden Tavernen. Da wir unser Essensziel jedoch schon vorher festgelegt haben fahren wir weiter.

Kamiros

Freunde der Ausgrabungen müßten hier einen Halt einlegen. Von der Küstenstraße weg, ca. 1 km durch eine Kiefernallee hindurch erreichen Sie Ancient Kamiros. Die Reste der hellenischen Stadt liegen auf einem Berghügel, umgeben von Pinien. Die Ausgrabungen zählen zu den bedeutendsten auf Rhodos und sind bis heute noch nicht komplett freigelegt. Es gibt dort viele Relikte aus Stufen, Säulen und Steinmauern anzuschauen. Wirklich Interessierte sollten sich am Besten einer Führung anschließen.
Kurzer Ausflug in die Antike Das Orakel weissagte Althaimenes, Sohn des Königs Katreus von Kreta und Enkel des Minos, daß er eines Tages seinen Vater ermorden würde. Da er dies verhindern wollte wanderte er nach Rhodos aus. In der Gegend von Kamiros ließ er sich nieder. Aber wie es nun halt mal so ist mit den Orakeln, es half natürlich alles nichts, er konnte seinem Schicksal nicht entrinnen. In der Nacht landete Katreus am Strand von Kamiros, um seinen Sohn wieder zurückzuholen und ihm sein Reich zu vermachen. Althaimenes und seine Gefährten wähnten sich von Piraten angegriffen und töteten den Vater samt Gefolge. Gramgebeugt über die unselige Tat bat er Zeus, daß ihn die Erde verschlingen solle. Dies geschah dann auch. So hatte sich einmal mehr bestätigt, daß keiner seinem Schicksal entfliehen kann. Diese griechische Tragödie habe ich bei Michael Müller entdeckt.

Scala Kamirou

Wir sind jedoch weitergefahren auf der wirklich schönen Küstenstraße. Zunächst teils bewachsene Tuffsteinböden, dann Gewächshäuser und Weinanbau links der Straße und auf der rechten Seite das Meer. Hier wechseln schmale Sand- Steinstrände mit Felsenküste. Nach Mandrikon, einem kleinen Ort mit großer Kirche, fahren wir durch bewaldete Küstenlandschaft. Danach wieder Gewächshäuser mit überwiegend Tomaten und Bohnen, sogar ein paar Bananenplantagen liegen hier am Meer. Die Ebene um Scala Kamirou ist fruchtbar und bestimmt ein Garant für reiche Ernte.

Von hier aus Bootsverkehr nach Chalki. Gegen 15.00 Uhr legt die Fähre ab. Erinnern Sie sich, was ich zur Zeitangabe sagte? Also besser nachfragen und ruhig an der kleinen Hafenmole oder in der Taverne warten. Hier verkaufen auch die Fischer von Chalki ihren Fang. Bei den Griechen ist der Ort beliebtes Ausflugsziel. Tony hatte uns empfohlen noch etwas weiter zu fahren, da die beiden Tavernen im Hafen wohl zunehmend mehr vom Bustourismus heimgesucht würden und preislich ziemlich angezogen hätten. Die kleine Taverne, deren Namen ich vergessen habe, liegt in der nächsten Bucht bei Kastelos etwas versteckt am Hang. Der Fisch war wirklich frisch, preiswert und vor allem lecker.

TIP

Die netten Gäste am Nebentisch erzählten uns von ihrer tollen Wanderung. Sie waren von der Festungsruine, die spektakulär auf dem Steilfelsen hoch über dem Meer liegt durch einen Pinienwald abwärts der Schlucht gewandert um in einer total einsamen Badebucht sich im Wasser zu erfrischen. Über Kritinia sind sie dann wieder hierher zurückgewandert, um ihr Auto abzuholen.

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Zuletzt geändert am Sonntag, 29. August 1999.