Ostern auf Rhodos

Schon vorher waren einzelne Gassen so wie ein Prozessionsweg geschmückt. Häuser wurden neu gekalkt, Türen kräftig neu gestrichen, überall wurde geputzt. Schon am Tag waren die Frauen und Kinder in und um die ganzen Kirchen unterwegs, um das symbolische Grab Christi mit Blumen zu schmücken In Archangelos war es für uns besonders beeindruckend, wie sich alle aufs Fest vorbereiteten. Als wir so durch die Gassen schlenderten, rannte uns plötzlich ein kleines Mädchen hinterher und bat uns stehenzubleiben. Kurz drauf kam die Oma um die Ecke und schenkte uns mit vielen Segenswünschen verbunden ein frisch gebackenes Osterbrot mit einem roten Ei drin. Uns wurde gesagt, daß die Eier eigentlich am Ostersonntag verteilt werden. Bevor sie gegessen werden klopfen zwei die Eier aneinander. Glück im nächsten Jahr gibt es für denjenigen, dessen Ei heil bleibt.

Am Karfreitag ging es dann aber so richtig los. Die Kirchen waren alle voll und es herrschte ein reges Kommen und Gehen. Jeder küßt den Epitaphios. Sogar wir reihen uns an. Das Geschnatter der vielen Menschen im Vorhof des Kirchleins ist enorm. Eine große nächtliche Lichterprozession der Gläubigen begleitete den Leichnamszug. Der Pappas in goldbestickter Robe mit einer Krone auf dem Kopf schreitet mit der Ikone allen voran durch die intensiv nach Weihrauch duftenden Gassen. Auch wir gehen ganz beeindruckt hinterher.

Am Karsamstag wurde in der Mitternachtsmesse die Auferstehung Christi verkündet. Die Kirche war gerammelt voll und der Pappas tönte seine Litaneien hinter der Ikonostase. Die meisten Leute haben eine Kerze dabei. Auch wir halten dank einer alten Griechin, die uns in der nur aus Einheimischen bestehenden Menschenmenge am Eingang unschwer als Touristen identifizierte, eine in den Händen. Der Pappas erscheint und gibt das Licht seiner Kerze weiter mit "Christos anesti". Mit jeder Kerze wird es feierlicher und die frohe Botschaft macht die Runde.

Der Ruf "Christos anesti" war schließlich auch der Startschuß für das Glockengeläut samt Feuerwerk. Böller krachen, alle Welt umarmt und küßt sich Freudentränenreich, murmelt als Antwort "Lithos anesti" und begibt sich auf den Heimweg. In unserem Hotel in den Privatgemächern wurde dann auch kräftig gefeiert. Die Mutter des Besitzers war den ganzen Tag schon am Kochen gewesen und hatte viele leckere herzhafte und süße Köstlichkeiten sowie eine Ostersuppe, die Magiritsa vorbereitet. Wir haben beide drauf verzichtet auch wenn es eventuell ein kulinarischer Höhepunkt gewesen sein könnte. Aber gekochte Lamminnereien sind einfach nicht so mein Geschmack. Die allgemeine Freude am Fest war wirklich ansteckend und reichte bis zum frühen Morgen.

Leider konnten wir am großen Ostermahl nicht mehr teilnehmen, da unser Urlaub zu Ende war. Dieses Fest habe ich jedoch im nächsten Jahr bei der griechischen Gemeinde hier miterlebt. Lämmer werden gegrillt, die ganze Familie, ( in diesem Fall alle Griechen der Umgebung) kommt zusammen. Es wird gesungen, getanzt, gefeiert.

Die große Begeisterung über das am Spieß gegrillte Kokoretsi (div. Innereien) konnte ich nicht so teilen. Wenn aber gerade auch dieser Teil des Festes in Griechenland noch viel toller sein soll, wie mir wiederholt versichert wurde, werde ich nächstes Mal sicher drauf achten, die ganze Osterzeit dort zu verbringen. Achtung: Das höchste Fest der griechisch - orthodoxen Kirche ist später als unser Osterfest. Vorher erkundigen.


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Zuletzt geändert am Sonntag, 29. August 1999.