Die Südküste entlang

Ierapetra

In Ierapetra machen wir eine kurze Eispause. Aufgrund der Lage war diese Stadt von der Antike bis zum späten Mittelalter Bindeglied zwischen dem griechischen Festland, dem Nahen Osten und Nordafrika. Ein noch heute erhaltenes venezianisches Kastell am Hafen erinnert an jene Zeiten. Offensichtlich konnte sie sich noch ihre Ursprünglichkeit erhalten.
Kleine gepflasterte Gassen, die für Autos zu schmal sind und niedrige Häuschen mit winzigen Innenhöfen bilden die ehemalige türkische Altstadt am Westende des Strandes. Der lange graue Kies/Sandstrand, der sich 2km nach Osten zieht, eignet sich gut für Familien mit Kindern, denn er fällt flach ins Meer ab und ist sehr breit. Er geht fast nahtlos in die Promenade über.
Die Busverbindung zu den benachbarten Orten sei sehr gut und es gibt täglich Ausflüge mit dem Schiff zur Insel Chrisi und gelegentlich zur weiter entfernten Insel Koufonisis wie uns die Dame vom entsprechenden Verkaufsbüro versichert.
An diesem Sonntag ist die einzigste Stadt an der Südküste fast wie ausgestorben. Nur der Melonenverkäufer mit seinem Pick-up verkündet lauthals, daß es bei ihm die schönsten , saftigsten und überhaupt die besten gibt. Alle nicht-touristischen Geschäfte haben geschloßen.
So früh am Vormittag sind nur wenige Menschen unterwegs. In dem wirklich gut mit Götterstatuen bestückten Tourishop an der Promenade kann Heidi endlich fündig werden. Die nette Verkäuferin kennt sich aus in der Welt des Zeus samt Anhang. Sie ist gerne bereit uns willig Lauschenden ihr Wissen darüber preiszugeben.. Mit der Göttin der Jugend, Ivi und einem Apollo zieht Heidi glücklich von dannen.

Von hier fahren wir noch eine kurze Zeit die Küste entlang. Immer wieder geht es zu einer Bucht mit Hotel, oder Appartmentanlage.
Im Süden hat zunehmend nicht nur das Gemüse Hochsaison, auch der Tourismus breitet sich aus. Jedoch immer noch in erträglichem Maße. In dieser Gegend sind auch die meisten "Überwinterer" aus andern Ländern zu finden, die für geringes Entgeld hier mitarbeiten. Ganz so extrem wie zu Hippies Zeiten soll es allerdings schon länger nicht mehr zugehen. Dafür sorgen schon die Einheimischen und die entsprechenden Gesetze.

Myrtos

Das kleine Dorf liegt ca. 15 km westlich von Ierapetra, am Anfang eines fruchtbaren Tales direkt am Strand. Die engen Gassen zwischen den weißen Häuschen und die steil aufwärts führenden Treppen geben dem mit viel Grün umgebenen Ort eine besondere Atmosphäre Oberhalb des Kiesstrandes erstreckt sich die Promenade mit ihren diversen Tavernen. Zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Bars sowie Auto-, Moped- und Fahrradverleih. Leider umkreisen fade Neubauten den Ort, die auch hier erst der Anfang für weitere Bauvorhaben sein könnte.
Die Straße führt uns weg vom Meer, hinein ins Landesinnere. Zuerst säumen noch Gewächshäuser und viel Grün den Weg. Dann aber schraubt sich die Straße immer höher in die karge kretische Bergwelt. Schon sehr beeindruckend, wie die blühende Machia hier die Landschaft bestimmt. Dazwischen karger Stein und Berge ... kaum Verkehr, nur ab und zu ein Auto, wir und vereinzelte kleine Kirchen.

Ano Viannos

Zu gerne hätte ich sie fotografiert, die Männer vor den Kafenions an der Straße. An diesem Sonntagnachmittag scheint die gesamte männliche Dorfbevölkerung hier zu sitzen um zu diskutieren, die Komboloi zu schwingen und der Dinge zu harren, die da vielleicht noch vorbeikommen.
Und hier stand er in dem Gasseneingang. Der alte Kreter mit seinem Fransenkopftuch, den blank polierten Schaftstiefeln, gestützt auf seinen Stock. Aufrecht und stolz steht er da und schaut dem Treiben auf der Straße zu. Unbeschreiblich beeindruckend für mich.
Alte ganz in schwarz gekleidete Frauen schwatzen im Vorraum der Kirche und winken uns, doch einzutreten. Nicolas ist eher vom Popen schwer angetan. Vor allem der lange Bart und der tolle Hut den der besitzt. Ob der vielleicht auch was mit dem Weihnachtsmann zu tun haben könnte..... wer weiß... Als er dann auch noch eine Kerze anzünden darf sind seine Autofahrstrapazen für einige Zeit wieder vollkommen vergessen.

Pirgos

Weiter geht die Fahrt durch die karge Bergwelt, ab und zu eine Abzweigung zu kleinsten Bergdörfern. Wieder in der fruchtbaren Messara - Ebene angekommen noch ein kurzer Versuch in Pirgos eine Kirche zu besuchen. Leider wurde das inzwischen arg autogestreßte Kind enttäuscht, die Kirche war zu. Dafür sahen wir aber einen Kreter auf einem Esel und auch noch andere "altmodische" Menschen die Nicolas schon recht seltsam angezogen fand. Weinfelder, Olivenbäume, blühende Oleanderbüsche und Äcker säumen wieder unsere Straße und hinter uns die hohen Berge des Dikti-Gebirges.
Im letzten Abendlicht erreichen wir schließlich unser Hotel in Matala. Kurze Zeit später sitzen wir wieder in unser aller Lieblingslokal bei Maria am Meer und ahnen in der Dunkelheit den mächtigen, höhlendurchsetzten, vom Meer umspülten Felsen. Während Nico seinen Fleischklops und seine Reiseerlebnisse mit den Hunden am Strand teilt unterhalten wir uns mit Maria und genießen die hervorragenden überbackenen Auberginen.

Makri Gialos & Analaipsi  <-- Zurück  Weiter -->  Abschied von Matala

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Zuletzt geändert am Sonntag, 29. August 1999.