KapverdenKapverden - Persönliche Eindrücke SalCabo Verde
Pedra Lume Ostern 1999

Auf der einzigsten und sogar geteerten Straße fahren wir zu guter Letzt noch mit einem offenen Pickup bis zum Inselhauptort Espargos. Der Fahrer brauste ganz ordentlich über die breite gerade Straße und uns pfiff der Wind gewaltig um die Ohren. Aber so haben wir das auch noch erlebt.

Am Palast des Staatspräsidenten vorbei erreichen wir erst den Flughafen und 2 km weiter die Stadt. Der Präsident hat übrigens auf jeder Insel eine größere Villa, die er bei seinen jeweiligen Besuchen bewohnt. Ansonsten stehen die herrschaftlichen Anwesen leer.

Nach kurzer Ortsbesichtigung beschließen wir uns noch auf den Weg zu den Salinen zu machen. Am Aluguer und Taxistand stehen viele fahrbereite Männer rum, die sich gleich auf uns stürzen. Wir nehmen ein Taxi für 300 Escudos. Auf der Fahrt nach Pedra Lume durch die Wüstenlandschaft sehen wir dann tatsächlich beide eine Fatamorgana, einen großen See im Niemandsland.

Der Ort

[Kirch von Pedra Lume] Wir steigen an der Kirche aus, obwohl der Fahrer uns noch bis zum Eingang der Saline gefahren hätte. Wir wollten erst mal den Ort und die Verladestation anschauen.

[Die alte Verladevorrichtung] [] Eine eigenartige Atmosphäre fängt uns ein. Der Wind bläst um die Kirche, die wie ein Relikt aus einer Westernstadt hier steht. Dahinter die halb verfallenen Verladevorrichtungen, Sand und Salz. All das könnte auch in einer ehemaligen Goldgräberstadt in den USA stehen. Kein Wunder, daß Salz früher auch mal das weiße Gold genannt wurde. Kein Mensch weit und breit, nur geisterhafte Stille und das leise Ächzen des vom Wind umwehten alten Gebälk. 1922 erbaute der damalige französische Besitzer ein Seilbahnsystem, mit dem das Salz aus der 40 ha grossen Saline über den Kraterrand hinweg zum Meer befördert werden konnte. Die Portugiesen brachten das Salz erst mit Segel- und später mit Dampfschiffen nach Brasilien. Nach der Unabhängigkeit 1887 erhob die ehemalige Kolonie eine Importsteuer auf Salz. Der Handel brach zusammen und heute wird nur noch für lokalen Bedarf abgebaut.

Muschellllnnn !!

[Muscheln in Hülle und Fülle] [] Wir gehen zunächst über den kleinen Hügel runter zum Meer, um in hellstes Entzücken zu verfallen: Muscheln über Muscheln und zwar von der Sorte in denen man das Meer rauschen hören kann. Diese geniale Fundstelle verhilft uns nun doch noch zu Reisegeschenken ganz besonderer Art. Wir müßen uns wirklich zusammenreißen, um nicht kiloweise einzupacken.

Die Saline

[Tunnel zum Salinenkrater] Danach gehen wir an der ehemaligen Förderanlage entlang zum Salinenkrater. Hier hat die Natur zu einer ganz besonderen Saline verholfen.

[Blick in den Salinenkrater] [] Der Kraterboden liegt unterhalb des Meeresspiegels. Durch natürliche kleine Kanäle, sowie durch einen künstlich erbauten Tunnel kann hier das Meerwasser in den Krater gelangen. Es verdunstet in den angelegten Becken. Die zurückbleibende Salzschicht wurde dann abgestochen. [ein meterhohes Salzwischenlager]

Immer wieder florierte der Salzhandel. Die Salzgewinnung brach zusammen, wechselte den Besitzer, suchte neue Märkte um schließlich ganz zum erliegen zu kommen. Die Salzproduktion wurde 1984 eingestellt. Heutzutage wird noch etwas Salz für den lokalen Bedarf aufgehäuft und abgestochen. Auch um Besitzrechte zu wahren. Ansonsten ist hier geisterhafte Leere ausgebrochen.

[Fischer von Pedra Lume sortieren Ihren Fang] [] Die langgezogenen Häser, Barracken aus Stein sind genauso sandfarben wie die ganze Landschaft auf Sal. Einzig die grünen oder blauen Türen sind farbig - lebendige Tupfer in der sonst wie ausgestorben wirkenden Siedlung. [Die alte Anlage mit der Wohnlag in der Ferne] Angeblich sollen hier über 300 Menschen leben. Wir sahen nur ein paar Katzen, 5 Kinder, 2 Ziegen und etwas Wäsche, die hinterm Haus im Wind flatterte.

In der Kneipe am Sportplatz sind wir die einzigsten Gäste. Der Staub dringt durch alle Ritzen der kleinen mit Wellblech bedeckten Barracke. Wenn jetzt noch die Mundharmonika von Spiel mir ein Lied vom Tod irgendwo erklungen wäre... es hätte uns nicht gewundert. Sand, Wind und diese ganz eigene Stimmung waren etwas besonderes.

Fußweg nach Espargos

Da kein Fahrzeug in Sicht, geschweige denn ein Taxi sind wir einfach zu Fuß wieder zurück nach Espargos gewandert. Alles ist potteben und so gehen wir einfach geradewegs über das ausgetronete, dürre Land auf die Inselhauptstadt zu. Auch auf dem Rückweg sehen wir wieder eine Luftspiegelung. Es sieht so aus, als ob die Stadt am [Windrad - außer Betrieb !] Ufer eines Sees liegen würde. Einfach phantastisch. Ansonsten gibt es in der fruchtlosen Ebene nichts zu sehen. Ein verfallenes Windrad mit gemauertem Wassertank erinnert hier an die guten Jahre, in denen es wohl auch hier mal regnete. Die beiden Häuser an denen wir vorbeikommen waren damals dann sicher ertragreiche Höfe. Einzelne Palmen und dazwischen nichts, was den Blick eingrenzen könnte. Faszination der Leere, auch das hat zweifelsohne etwas für sich.

Das Neubaugebiet welches wir nun erreichen macht seinem Namen alle Ehre. Hier werden wirklich viele neue Häuser erstellt.

[Neubau 1] [Tür 1] [Tür 2] [Neubau 2]
Die Fassaden sind alle einheitlich steingrau, während die Türen und Fensterläden in den knalligsten Farbtönen nur so leuchten. So ein grün, rot oder blau gibt es bei uns gar nicht in dieser Intensität zu sehen. Der Kontrast zwischen dem Nichts der Landschaft, dem stein - sand - grau der Häuser und dieser intensiven Farben ist unbeschreiblich. Inzwischen nun selber auch recht verstaubt und verschwitzt erreichen wir wieder den Aluguerplatz und nach kurzer Rast eine Passagem nach St. Maria.

Abschied von den Kapverden

Wie gut, daß wir unser Zimmer noch für eine Nacht bezahlt haben. So können wir nach einem erfrischenden Bad im wunderbar klaren türkisfarbenen Meer zu guter Letzt nochmal duschen. Wir machen uns reisefertig und gehen noch ein letztes Mal eine Kleinigkeit essen. Die von Gerhard bestellte Cachupa im Restaurant Vulcao entpuppte sich als komplette Mahlzeit für ausgehungerte große Menschen mit entsprechendem Hunger.

[Das funktionierende Windrad von St. Maria im Dunst] [] Heute spielt die Band in Matheus Restaurant. Wir lauschen den letzten Klängen, bevor wir uns in der Nacht auf den Weg zum Flughafen machen. Hier erfahren wir, daß kurzfristig Zürich mit ins Flugprogramm aufgenommen wurde und wir daher dort zwischenlanden. Das Schild am Counter wurde schnell dazugemalt.

Wir sind sicher, wir kommen wieder her. Auf Sal bestimmt nur zum An - und Abflug, aber auf die anderen Inseln für längere Zeit. Es gibt noch vieles zu entdecken.

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Persönliche Eindrücke: Berichte & Bilder
Pedra Lume Ostern 99   Pedra Lume August 2000  
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Reiseberichte (Erlebt, photographiert & dokumentiert von Sibylle & Gerhard)
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Deutschland, Mai 1999 - Ostern 2000 © ReiseTräume