Persönliche Eindrücke - Cha das Caldeiras
Die Fahrt in die Caldeira
Am Vormittag brechen wir auf von Sao Felipe. Mit einem Aluguer, der im Grunde keiner war und nur anscheinend die Gelegenheit wahrnahm, sich noch ein Geld für die Rückreise nach Cha das Caldeiras dazu zu verdienen. Zwischen diversen Kindern, die zu und abstiegen, Hühnern, Bohnen, Erdnüssen und einer wunderschönen roten Tür fuhren wir ins Innere der Insel. Die Musik im Fahrerhaus ist auch hinten wieder mal gut zu hören. X- Treme ist z.Z. der Renner.
Die Landschaft wird zunächst grüner, Mais an denen sich die Bohnen ranken, und immer wieder kleinere Häuseransammlungen. Hier wird zwischen den Lavaströmen terassiert und angebaut, was möglich ist. Wir fahren durch Achada Grande. Mit seinen neuen verschlossenen Häusern wirkt dieser Ort wie eine Geisterstadt. Höher und höher schraubt sich die Pflasterstrasse vorbei an Lavaströmen, Schlackenkegeln und aufgeforsteten Hängen Es wird frischer. Das Grün wird weniger und wir werden zunehmend von schwarzer "Erde" umgeben. Wir fahren durch die schwarze Steinwüste. Schlacke, Tuffsteine, Aschenberge, die Strasse scheint ins Nichts zu führen. Das Meer verschwindet im Dunst. Wir passieren Häuser, die als Baumschulen für die Aufforstung bei Monte Verde gebaut wurden und eine seismologische Messstation.
Die Spannung wächst als wir zwischen hohen Aschebergen bereits die Rückwand der Caldeira sehen. Eine letzte Kurve noch und dann steht er da, der mächtige Vulkankegel, der sich über dem Kraterboden erhebt.
Fast schnurgerade führt die schmale gepflasterte Strasse nun auf das Dorf zu. Sie wurde, ebenso wie die Häuser des kleinen Dorfes Boca Fonte und die alte Weinkooperative beim Ausbruch 1995 teilweise zerstört. Die Strasse wurde repariert, Häuser am Südende neu gebaut und man kann zwischen den bizarren Formationen der erkalteten Lava, den wenigen übriggebliebenen Hausmauern und dem gelbgestreiften schwarzen Feld des neuen Krates, dem kleinen Pico, der am Fusse seines grossen Bruders ruht nur mehr die Urgewalt des so friedlich scheinenden Vulkankegels erahnen.
Die Caldeira
Wir warten auf unseren Führer an der Kooperative. Hier ist Treffpunkt für alle und alles.
Cicilio kommt gradewegs von einer Tour auf den Pico zurück und bringt uns zu Danilo und seiner Frau Mamma. Dort bekommen wir ein sauberes, grosses Zimmer. Gleich nebenan ist das Klo in einem fensterlosen Anbau. Wir haben für die Verhältnisse hier ein recht komfortables Quartier bekommen.
Die Welt ist klein und insbesondere die Insel. Auch hier treffen wir wieder auf schon bekannte Weggefährten. Wir übernehmen das Zimmer von den Schweizern, die wir in Sao Felipe im Hotel kennenlernten und erfahren, dass Gudrun ebenfalls hierher zum Essen kommt. Fehlt nur noch Hermann. Mal schauen, ob der auch noch auftaucht.
Der Nachmittag vergeht mit dem Erkunden des Dorfes und der "Umgebung". In der Kooperative ist ein portugiesischer Fernsehsender aufgetaucht und interviewt den Geigenspieler. Wahrscheinlich handelt es sich um den Mann, der beim Ausbruch 1995 das Dorf rettete. Ganz ausführlich erzählt er und alles hängt gebannt an seinen Lippen. Schade, soweit reichen meine Sprachkenntnisse noch nicht, dass ich alles verstehen kann was er sagt.
Die Kooperative
Der Laden ist voll und es herrscht reges Kommen und Gehen. Schliesslich hat er ausgeredet und sie machen wieder Musik. Diese mitreißenden Lieder, traurig und fröhlich, immer wieder von der Liebe zu dieser undankbaren Heimat und der Sehnsucht nach neuen Horizonten. Es scheint, als ob man durch diese Musik einen Blick in die Seele der Kapverdianer erhaschen könnte.
Wir sitzen hier, mit einem Glas herrlichem Fogowein ( 14 % ) und mit Blick auf den Pico. Der Kegel sieht wie ein gleichschenkeliges Dreieck, mit zackig abgebrochener Spitze aus. Die paar kleinen Wölkchen um ihn herum sehen so aus, als würden sie ihm auf der Nase herumtanzen. Die Sonne am späten Nachmittag wärmt noch gewaltig und die Gäste in der Kooperative haben dem Wein und Bier schon gut zugesprochen. Ab und zu tut es einen gewaltigen Schlag gegen die Türe, wenn mal wieder einer unsanft zu Boden geht. Aber ausser den Frauen, die nun da es dem Abend zugeht nach Hause wollen scheint es niemand zu stören. Schliesslich sind auch die letzten Besucher auf den Lastwagen geladen und es kehrt wieder Ruhe ein. Wir gehen ebenfalls zu unserer Unterkunft.
Hier wartet Lola, mit neugierigem Blick und abwartender Haltung, wer und wie denn nun diese Touristen so sind. Der Bann ist schnell gebrochen. Die Augen vom ständigen Wind, Dreck und Eiter verklebt, die Nase dick verrotzt, blonde wild verstruppelte Haare, schokobraune Haut und das unbeschreiblichste Juchzen und Lachen, als Sibylle mit ihr spielt und sie in der Luft rumwirbelt. Der kleinere Bruder Flavio traut sich nur aus der Ferne zu grinsen. Er rennt sofort weg, wenn man auf ihn zu geht. Der kleine Hund hat dabei schnell seine Chance erkannt und macht sich an Gerhard ran. Kinder und Hunde sind äusserst spielbedürftig.
Es ist soweit. Mamma bringt das Abendessen. Ziege mit Kartoffeln in herrlich duftender Sosse, verschiedene Bohnen, Pommes und Kaffee. Danilo und Cicilio gesellen sich zu uns. Mamma ist mit den Kindern, alle zusammen hätten keinen Platz im Zimmer. Sie kommt später auf ein Glas Wein dazu. Thema ist zunächst unser morgiger Ausflug
Für Geologen, wie uns Gudrun versicherte, sei es der lehrreichste Vulkan überhaupt. Die verschiedensten Gesteinsschichten, Formationen und mineralischen Einfärbungen würden wie kein anderer den Aufbau eines Vulkanes so deutlich erkennen lassen. Die Besteigung würde bestimmt zum unvergesslichen Erlebnis, zum Highlight des Urlaubs werden.
Leben mit dem Vulkan
Dann unterhalten wir uns noch ausgiebig über das Leben der Menschen hier.
In Achada Furna wurden für die Bevölkerung aus der Caldeira Ersatzhäuser für die bei der Erruption 1995 zerstörten Häuser gebaut. Aber was sollen sie dort, wo ihnen ausser dem Haus nichts gehört. Ihre Felder liegen in der Caldeira, dort wollen sie sein. Nicht jeden Tag kilometerweit zu Fuss erst dorthin gelangen. Nur ein paar Familien sind ganz weggezogen, runter nach Mosteiros oder Achada Furna.
Heute leben wieder um die 900 Menschen hier in Cha das Caldeiras. Nachdem 4 Jahre lang die Schule geschlossen war und die Regierung allerhand Druck ausübte ist jetzt laut Aussagen der Bewohner alles zum Abschluss gekommen. Die Zähigkeit der Menschen hat gesiegt. Die Schule wurde wieder eröffnet. 6 Lehrer unterrichten ca 130 Schüler. Die Bewohner dürfen bleiben. Ein Team von Geologen und eine Messstation sollen dafür sorgen, dass die Menschen der Caldeira bei erneuter Gefahr eines Vulkanausbruches rechtzeitig gewarnt werden und dann, solange Gefahr besteht in den neuen Häusern bleiben. Strom wird es weiter keinen geben, aber was solls, sie kommen auch gut ohne klar, die Petroleumlampe gibt genug Licht und elektrische Geräte sind eh fern von dem, was sie sich leisten könnten. Hier Solarenergie zum Kochen nutzen zu können wäre sicher ein gewaltiger Fortschritt. Wer weiss, vielleicht gibt es ja mal ein Projekt dafür...
Wir erfahren, dass hier bei Monte Velha der erste Naturpark der Kapverden eröffnet wurde. Eine Deutsche, Theresa Leyens, die von ihnen hoch geschätzt wird, ist wohl wegweisend in dieser Sache. Viele endemische Pflanzen können hier betrachtet werden. Es werden wohl Führungen angeboten und man muss sich bei der MPARR die kostenlose Genehmigung dafür geben lassen. Natürlich reicht es auch aus, Cecilio zu kennen. Diese weit verzweigte Familie hat überall Verwandte, so auch den Wärter der Schranke.
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