KapverdenKapverden: Santo AntãoCabo Verde
Südküste: Monte Trigo

Anstrengende Tour in der brütenden Hitze

Pause im Halbschatten [] Mittlerweile ist es 13:00 und gut warm geworden. Der Wind mildert die Temperatur und wir gehen weiter, bis zu einer kleinen Bäumchenansammlung. Dort, mit letzten Blicken auf das grüne Tarrafal machen wir kurze Rast im Schatten.

Zunächst ist der Weg noch straßenähnlich breit. Bald aber ist er von Geröllawinen zugeschüttet. Es sieht so aus, als ob der eventuell geplante Straßenbau doch nie stattfinden wird.

Auf gepflasterten, teils befestigten, teils verwitterten Wegen marschieren wir. Bergauf und bergab. Weiter und weiter. Road to nowhere, links das Meer, rechts die kahlen Berge. Ziegen laufen vor uns her, fast als ob sie uns den Weg zeigen wollten. Stunde um Stunde, Monte Trigo in der Ferne schon in Sicht. Immer wieder jedoch tiefe Einschnitte, in die wir auf Meereshöhe absteigen, um das alles auch wieder bergauf zu gehen. Wir sind froh, 3l Wasser dabeizuhaben, das wir trotzdem sehr rationnieren müßen.

z.T. gepflasterter Wanderweg z.T. nur Geröll und Lavagestein
Die Landschaft ist eintönig steingrau, der Geröllstaub trocknet die Kehle aus. Wie wäre es uns erst auf der längeren Tour durchs Inselinnere und über die Berge ergangen.

Nach 5 Stunden erreichen wir in der Abendsonne unser Ziel.

Endlich in Monte Trigo

Turista, Turista Der Ruf aus zunehmend mehr Kinderkehlen umgibt uns auf unserem Weg zum Strand und dem Laden mit Bar. Die Mercearia da Luz ist geschloßen. Aber unmittelbar nach unserer Ankuft auf der kleinen Terasse mit der gemauerten Bank kommt der Besitzer und schließt für uns auf.

Wir setzen uns draußen hin und trinken erst mal was. Sofort sind wir von ungläubig schauenden Kindern umringt. Die Jungs bei Gerhard, die Mädchen bei Sibylle.

Während die Mädchen sich mit Sibylles Haaren und ihrer Haut beschäftigen, auch gleich ihre Namen austauschen, haben sich vier kleinere Jungs an der Hausmauer vor Gerhard postiert. Da sitzen sie nun im Schneidersitz, von tiefschwarz bis hellmilchschokoladenbraun, mit ernsten regungslosen Gesichtern. Wunderschön sehen sie in ihrer Natürlichkeit aus. Selbst die Frage wie sie heißen läßt sie unberührt. Sie bestaunen gebannt den in ihren Augen seltsamen Menschen. Es stimmt wirklich, hierher kommen nur ganz wenige Touristen.

Unterkunft

Bei der Familie des Ladenbesitzers bekommen wir ein Zimmer für die Nacht und den Schlüssel, für das ein paar Schritte entfernt stehende neue Klo mit Waschbecken. Es befindet sich in einem extra Zimmer des bereits gebauten, bis jetzt noch stromlosen Kühlhauses.

Abendessen [] Alle sind voll freudiger Erwartung. Bald soll es soweit sein. Die Masten stehen bereits in den Gassen, über der Eingangstür hängt die Glühbirne, Stromkabel sind gelegt. Jetzt muß nur noch der langersehnte Strom kommen.

Mittlerweile ist es dunkel geworden und die Hausfrau bittet uns zu Tisch. Für uns sicher idyllisch, sitzen wir im Schein der Petroleumlampe im Esszimmer. Wir genießen den besten Fisch unseres ganzen Urlaubs, Spaghetti mit Erbsen, Spiegeleier und ein Glas Rotwein. Es war genial.

Louis

Danach unterhalten wir uns noch länger mit Louis, einem der Dorflehrer. Kinder spielen am Strand in der Vollmondnacht Fangen, die Menschen sitzen im Halbdunkel vor ihren Häusern. Kein Radio, kein Fernsehen, kein Straßenlärm, - eine wunderbare Stille, vom Rauschen des Meeres untermalt, schafft eine besondere Atmosphäre, zeitlos.

Der Barbesitzer und Louis sprechen gut französich und beantworten bereitwillig unsere Fragen.Sie erzählen vom Leben in der Fremde, von der Schufterei auf den Schiffen fernab der Heimat und der Familie.
Es sind mehr Kapverdianer emmigriert als noch auf den Inseln selbst leben. Die Männer sind überwiegend in den Niederlanden, Frankreich und Portugal, während die Frauen Arbeit in Spanien und Italien finden. In Boston lebt die größte Gemeinde außerhalb Cabo Verde.
Sie erzählen vom Leben im Dorf, den Hoffnungen und Wünschen nach eigener Identität weg von der Amtssprache portugiesisch, hin zu Creolo und dem Bestreben nach wirklicher Unabhängigkeit. Sie berichten vom Fischfang und dem Verkauf der Fische in Mindelo auf São Vicente. Mit ihren kleinen Booten fahren sie übers oft stürmische Meer. Bis jetzt können sie nur soviel Fische fangen, wie sie verbrauchen oder eher unmittelbar verkaufen können. Daher werden in das neue Kühlhausprojekt der Holländer auch große Hoffnungen gesetzt.
Wir vergleichen unsere Schulen und Bildungsmöglichkeiten, wer welche Jobs bekommt. Die Nacht ist lau und wir unterhalten uns intensiv; Untermalt vom Gitarrenspiel des anderen Dorflehrers, dessen Lieblingsstück House of the rising sun leise zu uns herüberklingt.

Unsere Welten sind ganz verschieden, wir wollten sicher nicht tauschen. Aber von der Freundlichkeit der Menschen, von ihrer Sebstverständlichkeit des Lebens, ihres Glücks, trotz oder wegen der sehr einfachen Verhältnisse, von ihrer Würde, die sie trotz der Armut ausstrahlen aber nie ärmlich wirken, dem Lebensmut in dieser of unwirtlichen Gegend - davon würden wir gerne was mitnehmen.

Der Vormittag in Monte Trigo

Wir verabreden uns mit Louis für den nächsten Morgen. Nach einem hervorragenden Frühstück mit Pommes, Spiegeleiern und Nescaffe haben wir noch Zeit die Schule anzuschauen. Es steht fest, wir werden Farben, Stifte und jede Menge Schreib - und Malpapier schicken. Schule ist Pflicht und das Analphabetentum liegt bereits unter 20%, aber die sogenannten Lehrmittel kosten Geld und sind für viele nur in geringem Umfang erschwinglich.

Gleich sind wir wieder umringt von der Kinderschar. Louis erzählt, daß wir Tagesthema sind. Er fragt noch vieles, um seinen Schülern nach Möglichkeit all deren Fragen beantworten zu können.

Die Kinder tragen als Relikt aus der Kolonialzeit noch Schuluniformen, meist hellblaue Kittel.

Männer bei der Arbeit Frauen bei der Arbeit

Die Männer sind beim Fischfang und die Frauen transportieren Sand und Steine zum Wegebau. Sibylle fragt, ob sie fotografieren kann. Sofort kommen alle her und stellen sich auf. Die Freude ist groß, als wir zusichern, Fotos zu schicken.

Angenehme Rückfahrt mit dem Boot

Während der Vormittag durch die Gespräche, Menschen und Eindrücke wie im Fluge vergeht, wird das Boot zu Wasser gelassen, mit dem wir zurück nach Tarrafal fahren. Es kostet 3000 Escudos. Mit vielen Wünschen für eine gute Reise und heftigem Gewinke der Kinder geht es los. Auf der Fahrt an der Küste entlang können wir nochmal unseren Weg vom Vortag passieren lassen. Louis geht den jedes Wochenende, jeweils in 2,5 Stunden. Er räumte uns netterweise ein, daß er nicht wie wir in der heißen Zeit gehe, sondern früh am Morgen.

Im offenen Pickup zurück nach Porto Novo

In Tarrafal ist heute alles unterwegs. Ein kleiner Markt wird grade aufgebaut, es ist Gründonnerstag und Feiertag. Da kein öffentlicher Aluguer heute mehr nach Porto Novo fährt, brauchen wir eine Frete. Zunächst sitzen wir beide hinten auf dem überdachten Pickup. So bekommen wir auch noch das neue Stück der sogenannten Straße mit. Nach kurzer Zeit hält der Fahrer an, bittet Sibylle nach vorne, wo es nicht ganz so stark rumpelt. Dann werden zu Gerhard Steine zugeladen, weil der Wagen sonst am Berghang steckenbleibt.

Wieder auf  der 'normalen' Straße werden die Steine abgeladen Der Fahrer ist begeisterter Musikfan. Sein Radioempfang ist sehr gestört, was aber die Lautstärke nicht einschränkt, fast im Gegenteil eher dazu verlockt noch mehr aufzudrehen. Geräuschempfindlichen Menschen fallen hier bestimmt des öfteren die Ohren ab.

Am späten Nachmittag erreichen wir die Hafenstadt. Mittlerweile restlos verdreckt sind wir froh, bald ein Passagem nach Ponta do Sol zu bekommen. Dort stellen wir uns unter die kalte Dusche und mit viel Gerubbel geht tatsächlich die dicke, verklebte Staubschicht wieder ab.

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Santo Antão: Berichte & Bilder
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Reiseberichte (Erlebt, photographiert & dokumentiert von Sibylle & Gerhard)
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