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Die Landschaft ist eintönig steingrau, der Geröllstaub trocknet die Kehle aus. Wie wäre es uns erst auf der längeren Tour durchs Inselinnere und über die Berge ergangen.
Nach 5 Stunden erreichen wir in der Abendsonne unser Ziel.
Endlich in Monte Trigo
Turista, Turista Der Ruf aus zunehmend mehr Kinderkehlen umgibt uns auf unserem Weg zum Strand und dem Laden mit Bar. Die Mercearia da Luz ist geschloßen. Aber unmittelbar nach unserer Ankuft auf der kleinen Terasse mit der gemauerten Bank kommt der Besitzer und schließt für uns auf.
Wir setzen uns draußen hin und trinken erst mal was. Sofort sind wir von ungläubig schauenden Kindern umringt. Die Jungs bei Gerhard, die Mädchen bei Sibylle.
Während die Mädchen sich mit Sibylles Haaren und ihrer Haut beschäftigen, auch gleich ihre Namen austauschen, haben sich vier kleinere Jungs an der Hausmauer vor Gerhard postiert. Da sitzen sie nun im Schneidersitz, von tiefschwarz bis hellmilchschokoladenbraun, mit ernsten regungslosen Gesichtern. Wunderschön sehen sie in ihrer Natürlichkeit aus. Selbst die Frage wie sie heißen läßt sie unberührt. Sie bestaunen gebannt den in ihren Augen seltsamen Menschen. Es stimmt wirklich, hierher kommen nur ganz wenige Touristen.
Unterkunft
Bei der Familie des Ladenbesitzers bekommen wir ein Zimmer für die Nacht und den Schlüssel, für das ein paar Schritte entfernt stehende neue Klo mit Waschbecken. Es befindet sich in einem extra Zimmer des bereits gebauten, bis jetzt noch stromlosen Kühlhauses.
Alle sind voll freudiger Erwartung. Bald soll es soweit sein. Die Masten stehen bereits in den Gassen, über der Eingangstür hängt die Glühbirne, Stromkabel sind gelegt. Jetzt muß nur noch der langersehnte Strom kommen.
Mittlerweile ist es dunkel geworden und die Hausfrau bittet uns zu Tisch. Für uns sicher idyllisch, sitzen wir im Schein der Petroleumlampe im Esszimmer. Wir genießen den besten Fisch unseres ganzen Urlaubs, Spaghetti mit Erbsen, Spiegeleier und ein Glas Rotwein. Es war genial.
Louis
Danach unterhalten wir uns noch länger mit Louis, einem der Dorflehrer. Kinder spielen am Strand in der Vollmondnacht Fangen, die Menschen sitzen im Halbdunkel vor ihren Häusern. Kein Radio, kein Fernsehen, kein Straßenlärm, - eine wunderbare Stille, vom Rauschen des Meeres untermalt, schafft eine besondere Atmosphäre, zeitlos.
Der Barbesitzer und Louis sprechen gut französich und beantworten bereitwillig unsere Fragen.Sie erzählen vom Leben in der Fremde, von der Schufterei auf den Schiffen fernab der Heimat und der Familie.
Es sind mehr Kapverdianer emmigriert als noch auf den Inseln selbst leben. Die Männer sind überwiegend in den Niederlanden, Frankreich und Portugal, während die Frauen Arbeit in Spanien und Italien finden. In Boston lebt die größte Gemeinde außerhalb Cabo Verde.
Sie erzählen vom Leben im Dorf, den Hoffnungen und Wünschen nach eigener Identität weg von der Amtssprache portugiesisch, hin zu Creolo und dem Bestreben nach wirklicher Unabhängigkeit. Sie berichten vom Fischfang und dem Verkauf der Fische in Mindelo auf São Vicente. Mit ihren kleinen Booten fahren sie übers oft stürmische Meer. Bis jetzt können sie nur soviel Fische fangen, wie sie verbrauchen oder eher unmittelbar verkaufen können. Daher werden in das neue Kühlhausprojekt der Holländer auch große Hoffnungen gesetzt.
Wir vergleichen unsere Schulen und Bildungsmöglichkeiten, wer welche Jobs bekommt.
Die Nacht ist lau und wir unterhalten uns intensiv; Untermalt vom Gitarrenspiel des anderen Dorflehrers, dessen Lieblingsstück House of the rising sun leise zu uns herüberklingt.
Unsere Welten sind ganz verschieden, wir wollten sicher nicht tauschen. Aber von der Freundlichkeit der Menschen, von ihrer Sebstverständlichkeit des Lebens, ihres Glücks, trotz oder wegen der sehr einfachen Verhältnisse, von ihrer Würde, die sie trotz der Armut ausstrahlen aber nie ärmlich wirken, dem Lebensmut in dieser of unwirtlichen Gegend - davon würden wir gerne was mitnehmen.
Der Vormittag in Monte Trigo
Wir verabreden uns mit Louis für den nächsten Morgen. Nach einem hervorragenden Frühstück mit Pommes, Spiegeleiern und Nescaffe haben wir noch Zeit die Schule anzuschauen. Es steht fest, wir werden Farben, Stifte und jede Menge Schreib - und Malpapier schicken. Schule ist Pflicht und das Analphabetentum liegt bereits unter 20%, aber die sogenannten Lehrmittel kosten Geld und sind für viele nur in geringem Umfang erschwinglich.
Gleich sind wir wieder umringt von der Kinderschar. Louis erzählt, daß wir Tagesthema sind. Er fragt noch vieles, um seinen Schülern nach Möglichkeit all deren Fragen beantworten zu können.
Die Kinder tragen als Relikt aus der Kolonialzeit noch Schuluniformen, meist hellblaue Kittel.
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