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Cesaria Evora: Sao Vicente de longe

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[CD Cesaria]

Sao Vicente de longe

BMG Köln 74321836682
Produziert: 2001
VÖ: 9.4.2001
58:00 min
12 seitiges Boklet auf Englisch, Texte mit englischer Übersetzung
Als Gäste: Pedro Guerra, Caetano Veloso, Bonnie Railt, Orquestra Aragon, Chuco Valdes

Hörbeispiele: Mit kurzen Hörbeispielen
1. SAO VICENTE DI LONGE 2. HOMEM NA MEIO DI' HOMEM 2. TEMPO Y SILENZIO 4.SABOR DE DECADO 5. DOR DI AMOR/ NUTRIDINHA 6. REGRESSO 7. ESPERANCA IRISADA 8. PONTA DE FI 9. CRESPUSCULAR SOLIDAO 10. LINDA MIMOSA 11. NEGUE 12. BONDADE E MALDADE 13. FADA 14. PIC NIC NA SALAMANSA

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"Cesaria Evoras achtes Studioalbum Saö Vicente di longe wurde in Paris, Havanna und Rio de Janeiro aufgenommen. Die aufwändige Produktion, an der neben Arrangeuren und Tontechnikern fast 60 Musiker beteiligt waren, hatte nichts mehr mit den Produktionsbedingungen zu tun, unter denen Cesarias frühe Alben entstanden. Aber dieser neugewonnene Arbeitskomfort hat nichts an der Sensibilität geändert, mit der die Sängerin, die zu den mitreißendsten Künstlerinnen dieser Zeit gehört, allgemeingültige Gefühle interpretiert. Obwohl sie ihren späten, unerwarteten Ruhm (und den damit verbundenen Reichtum) mit offenen Armen willkommen hieß, ist es Cesaria gleichzeitig gelungen, entschieden auf ihre innere Unabhängigkeit zu pochen.
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Ihr Gesang beschwört noch immer die Ausweglosigkeit eines Lebens in den Hafenbars von Mindelo herauf, wo sie für Matrosen auf Landurlaub sang, die Angriffe der kleinlichen Bourgeoisie, die ihre Freiheit beneidete, und die mühsam überwundene Trauer um verlorene Liebhaber.
Photos by Eric Mulet Photos by Eric Mulet
In ihrer Stimme spiegelt sich die einzige Größe, das einzige Qualitätsprädikat wider, das diese Frau je für sich beansprucht hat: emotionale Würde. Das ist das wirklich Außergewöhnliche an Cesaria: Obwohl ihr letztes Album "Café Atlantico" in Frankreich über 300.000mal verkauft wurde und sie ­ mehr oder weniger unbeabsichtigt - in die exklusive Kaste weltweit anerkannter Künstler aufgestiegen ist, konnte sie sich ihre Persönlichkeit bewahren, indem sie sich die Feinfühligkeit erhielt, mit der sie ein großzügiges Spektrum menschlicher Erfahrung zum Ausdruck bringt. Sie ist sich treu geblieben, und das gibt Cesaria Evoras Gesang eine beständige Wahrhaftigkeit.

Der von Lela de Maninha geschriebene Titeltrack und Album-Opener, "São Vicente di Longe", ist eine wundervoll lethargische Morna. In wenigen Worten wird hier eine offensichtliche Tatsache verdeutlicht: je weiter sich Cesaria geographisch von ihren geliebten Kapverden entfernt, desto intensiver arbeitet sie daran, sich die musikalische Essenz ihrer Heimat zu erhalten. Die "barfüßige Diva" ist zur Weltreisenden geworden, eine unermüdliche Globetrotterin, die mit kindlicher Ungeduld neue Länder und Städte entdeckt und ein Flugzeug besteigt wie andere den Bus.

Dieser nomadische Lebensstil, den Cesaria erst spät im Leben entdeckte, machte schon "Café Atlantico" zur Begegnung der Kulturen: ein gemeinsamer Freudentanz, mit dem die Kapverden, Brasilien und Cuba ihre andauernden ozeanischen Verbindungen feiern. "São Vicente di Longe" (zu deutsch: "São Vicente ­ Cesarias Heimatinsel ­ aus der Ferne betrachtet“) führt diese musikalische Entdeckungsreise konsequent weiter: Das Albumkonzept und die unterschiedlichen Beiträge münden in einem neuartigen kreolischen Kosmopolitismus, in dem Songs und Lebensgefühl zu einem beständig schillernden Sound verschmelzen.

Dabei entwickelt jeder der 15 Tracks seine spezifische Individualität und fügt den diversen auf dem Album vertretenen Traditionen und Erinnerungen sein eigenes undefinierbares Quäntchen Charme und Originalität hinzu. Die ColaderaEsperança Irisada wird von kubanischer Batas-Perkussion begleitet. Auf Ponta de Fi (übrigens Cesarias Debüt als Songwriterin) wird der kapverdische Cavaquinho durch kubanischen Tres ersetzt. Und der Bolero-danzonLinda Mimosa, dem die Orquesta Aragon Band eine blumige, altmodisch-sanfte Atmosphäre verleiht, wartet mit einer Mélange kapverdischer und hispanischer Kultur auf.

Regresso entstand nach einem Gedicht von Amilcar Cabral (eine Schlüsselfigur des Unabhängigkeitskampfes auf den Kapverden und in Guinea-Bissau) und wurde in Brasilien durch die Version von Alcione bekannt. Cesaria führt mit diesem Titel auf elegante Weise ihre Partnerschaft mit Gaetano Veloso fort, die schon auf der Red Hot & Rio-Kompilation erfolgreich vertreten war. Und der brasilianische Standardtitel Negue, der lange zum Repertoire von Velosos Schwester Maria Bethania gehörte, wird bei ihr um Chucho Valdés´ einzigartig-elegische Harmonielinien bereichert.

Das Album entwickelt sich organisch und folgt von Assoziation zu Assoziation, vom Oberflächlichen zum Intimen den verschlungenen Pfaden, aus denen sich seine üppigen Hoffnungen, Schmerzen und Träume nähren. Durch stilistische Entscheidungen wie die Cello- und Streicherarrangements des großen Jaques Morelenbaum (Partner von Antonio Carlos Jobim) auf Pedro Guerras Tiempo y Silencio, Simenteras Engelschöre auf Mario Lucios Dor di Amor und die ungewöhnliche Kombination von Morna und Gospel auf Teofilo Chantres Bondade e Maldade wirkt "São Vicente di Longe" gleichzeitig vertraut und unerwartet.

Obwohl mit dem Westen vertraut, verlässt sich Cesaria doch auf ihre heimischen Erinnerungen und auf das wertvolle Material ihrer liebsten Songschreiber: Manuel de Novas, B. Leza und Ti Goy. Letzterer ist für das gutgelaunte Nutridinha verantwortlich, in dem sich eine Zouk-gewürzte Coladera wie weicher warmer Sand an die Füße von Tänzern schmiegt. Bei Teofilo Chantres Crepuscular Soldão kann sich der Hörer in die perfektionierte Trauer einer Morna einfühlen, deren einzigartige Kraft sich an der Darstellung von Schmerz zeigt: gleichzeitig vage und präzis, unpersönlich und hochintim. Diese innere "Wellenbewegung" (eng verknüpft mit den Wellen des Ozeans, der für die bewegte Geschichte der Kapverden und für Cesarias persönliches Schicksal eine entscheidende Rolle spielte) hat Cesaria zu hoher Kunst perfektioniert. Auf ihrem neuen Album flüchtet sie sich in Lachen, Leichtherzigkeit und Zufriedenheit, um gleich darauf noch gefühlvoller in eine wunderbare Melancholie zurückzufallen."
© Alexander Trofimov (Tropical Music)

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Cesaria Evora erlebt eine einzigartige Karriere. Nachdem sie ihren Lebensunterhalt seit jeher als Sängerin in den Hafenbars des kapverdischen Orts Mindelo verdient hatte, wurde ihr Potenzial eines Tages von einem französischen Musiker entdeckt. Er brachte die "Diva aux pieds nuds" (Die barfüßige Diva) nach Paris, dort nahm sie ihr erstes Album auf, das sie in Frankreich auf Anhieb berühmt machte, später in ganz Europa, und in den USA, wo sie 1996, 1998, 1999 und 2000 mit ihrem jeweils aktuellem Album für den Grammy nominiert war. (Es spricht eher gegen die Jury, dass aus der Nominierung bislang kein Preis wurde ...). Von ihrem letzten Album "Café Atlantico" verkaufte sie in Frankreich sensationelle 300.000 Exemplare.

Sie brachte dem staunenden Rest der Welt die "Morna", eine spezielle kapverdische Mischung zwischen Chanson, Fado, kreolischer, brasilianischer und westafrikanischer Folklore, die entstehen konnte, weil die Inselgruppe ein wichtiger Zwischenstopp für den Schiffsverkehr zwischen Europa, Westafrika und Amerika war - vor allem zwischen Portugal und der ehemaligen Kolonie Brasilien.

Wenn man nun annimmt, das Repertoire der Cesaria Evora hätte sich möglicherweise in den ersten zwei, drei Alben erschöpft, der irrt gewaltig. Gemeinsam mit ihren Musikern und Produzenten hat sie es verstanden, die Bandbreite ihrer Musik während ihrer Reisen, Tourneen und Kontakte zu Musikern überall in der Welt zu ergänzen. Wirklich entfernt von ihrer Heimat hat sie sich dabei allerdings nicht. Im Gegenteil: Je weiter sie reist, umso näher kommt ihren Wurzeln.

"São Vicente di Longo" (übersetzt "São Vicente" - die Insel, auf der Cesaria geboren wurde - "aus der Entfernung") wurde hauptsächlich in Havanna und Rio de Janeiro, jeweils mit ortsansässigen Musikern, aufgenommen. Das Album unterstreicht im Unterschied zu manchen früheren Aufnahmen der Evora, auf denen ein stärkerer portugiesischer Einfluss hörbar war, nachdrücklich das musikalische "Dreieck" zwischen Brasilien, Kuba und den Kapverden. Letztlich nähert sie sich der Musik ihrer Heimat durch die Entdeckung ihrer lateinamerikanischen Einflüsse.

Zum zweiten Mal nach der Compilation "Red Hot + Rio" arbeitete Cesaria mit dem brasilianischen Bossanova-Star Caetano Veloso zusammen ("Regresso"), während sie das durch dessen Schwester Maria Bethania berühmt gewordene "Negue" mit dem kubanischen Pianisten Chucho Valdés aufnahm. Für "Linda Mimosa" wiederum verpflichtete sie das auch hierzulande bekannte kubanische "Orquesta Aragon".

"São Vicente di Longo" ist vielleicht die bislang ambitionierteste Produktion Cesaria Evoras, an der insgesamt ein paar Dutzend Musikerinnen und Musiker beteiligt sind. Die zahlreichen und teilweise opulenten Streichersequenzen ließ sie von Jaques Morelenbaum arrangieren, der in Brasilien durch seine Zusammenarbeit mit Antonio Carlos Jobim berühmt wurde.

Die insgesamt 15 Titel spannen einen unterhaltsamen und elektrisierenden Bogen zwischen den Kapverden, Brasilien und Kuba. Ruhige und energetische Rhythmen wechseln sich auf harmonische Weise ab. Und über allen Melodien liegt die warme, herzliche und leichte, aber immer etwas melancholische Stimme von Cesaria Evora, die so natürlich klingt, als würde sie ganz einfach nur so vor sich hersingen, während sie an einem menschenleeren Strand spazieren geht und Gedanken verloren auf den Ozean sieht ...

Infos & Tickets: karsten-jahnke.de
MF / 14.04.2001

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