|
|
Cafe Atlanticao
|
"Die Kapverden-Sängerin hat ihre Lieder unter anderem in Kuba eingespielt, der brasilianische Caetano-Veloso-Produzent Jacques Morelenbaum arrangierte das Orchester. Das Album zerstreut jedoch alle Bedenken, die so eine Hipness-Auflistung heraufbeschwört: Dies ist nicht Crossover-Weltmusik für USNew-Age-Hausfrauen, sondern echter Kapverden-Pop."
P. Lau in Rolling Stone 6/99 Ob dieses Kombination gelungen ist, müssen Sie selber beurteilen. Mir fehlt hier die Dichte und Atmospahäre der Evora und Caboverde CD's. Gerhard | |
|
Hörbeispiele: Inhalt: 1. Flor di nha esperanca 2. Vaquinha mansa 3. Amor di mundo 4. Paraiso di atlantico 5. Sorte 6. Carnaval de São Vicente 7. Desilusao dum amdjer 8. Nho antone escaderode 9. Beijo de longe 10. Roma criola 11. Perseguida 12. Maria Elena 13. Cabo Verde manda Mantenha 14. Terezinha | ||
Direkt beim Label bestellen ...
| ||
![]()
|
Mit "Café Atlantico" geht Cesaria Evora neue Wege. Das Album wurde in Paris und Havanna produziert. Mitgewirkt haben diesmal auch kubanische Musiker und der brasilianische Cellist und Arrangeur Jaques Morelenbaum, bekannt durch seine Filmmusik für "Central do Brasil" und Zusammenarbeit mit Caetano Veloso. Brasilien und Kap Verde haben als ehemalige portugiesische Kolonien eine enge Beziehung und auch Kuba steht als Insel afroiberischer Kultur den Kap Verden sehr nahe. Cesaria Evora kennt viele brasilianische Lieder aus den 40er und 50er Jahren, die sie gemeinsam mit karibischen Klassikern wie "Besame Mucho" und "Maria Elena" in den Bars und Salons von Mindelo als junges Mädchen für ein paar Pfennige zum Besten gab.
Die 14 neuen Stücke auf "Café Atlantico" sind Cesarias Heimatstadt Mindelo auf der Kap Verden Insel São Vicente gewidmet. Sie lassen die goldene Zeit dieses einst sichersten Hafens zwischen Gibraltar und dem Kap der Guten Hoffnung wieder lebendig werden. Seit fünf Jahrhunderten treffen sich in diesem Hafen die Seeleute aus Portugal, Argentinien, Brasilien und der Karibik. Noch um die Jahrhundertwende war der kleine Ort Mindelo ein Schmelztiegel der Kulturen zwischen den Kontinenten. Der Hafen war voller Schiffe, und die Seeleute wollten unterhalten werden auf ihren Landgängen - mit Musik, Frauen und Essen. In den Hafenkneipen entstanden die sehnsuchtsvolle Morna und die lebhafte Coladeira, Cesarias Musik. Wirtschaftlich ging es Mindelo hervorragend, bis die großen Schiffe Mitte dieses Jahrhunderts den kleinen Hafen mitten im Atlantik nicht mehr als Zwischenstop anliefen und der Ort langsam vereinsamte. Mindelo ist Cesarias Café Atlantico, die ganze Stadt ist eine verwaiste Hafenkneipe, die noch immer unter dem rotbraunen Staub der Jahrzehnte ihren alten Glanz erahnen lässt. Von hier aus verließen viele junge Kapverdianer ihr Heimatland und gingen auf Arbeitssuche in Portugal, Holland und den USA. Wenn sie zurückkehren in ihren Ort mit den maroden Kolonialbauten der Portugiesen, den zerbröckelnden Quais der Hafenanlagen, dann spüren sie die Trostlosigkeit eines Archipels ohne Regen und Arbeit, voller Staub und Sonne. Und sie spüren ihre Wurzeln, ihre Heimat, die heute vergleichsweise ein Paradies ist. Während in Angola und vielen anderen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent noch Jahrzehnte nach dem Ende der Kolonialherrschaft blutige Bürgerkriege mit Hilfe westlicher Waffenlieferungen und Söldnerarmeen weitergeführt werden, herrscht auf den Kap Verden ein Klima des sozialen Friedens. Der Atlantik isoliert und schützt gleichzeitig die Inseln, die zwar arm, aber in Frieden leben - ein hohes Gut am Ende des 20. Jahrhunderts. Dieser Friede vermittelt sich auch über Cesarias Stimme. Der langjährige Produzent und "Entdecker" von Cesaria Evora, der in Paris lebende Kapverdianer José da Silva, hat dazu den alten akustischen Sound der Pianos und Cavaquinhos aus den Bars von Mindelo in den Alben von Cesaria Evora wiederbelebt. Während heute in den Bars auf den Kap Verden die Keyboards und Drum-Computer das Nachtleben musikalisch untermalen, bringt "Café Atlantico" alte Klassiker aus Cesarias Jugend wie "Terezinha" (14) und "Vaquinha Mansa" (2) zu neuem Glanz. Die Stücke stammen von Cesarias Lieblingskomponisten Manuel de Novas, Teofilo Chantré, Pedro Rodriguez, B.Leza, Ti Goy, und erstmals sind auch Werke von Gerard Mendes und Daniel Spencer zu hören. Zwei Wochen lang trafen sich Cesaria und ihre Musiker in einem Haus am Rande von Paris und spielten als säßen sie in ihrem "Café Atlantico". Mit vierzehn einstudierten Stücken gingen sie danach in ein Studio in Südfrankreich und in 20 weiteren Tagen entstand das Fundament von "Café Atlantico". Die mittlerweile weltberühmte Kombination von Cesarias Stimme mit dem Klang von Gitarre, Cavaquinho und Piano wurde nun in einigen Stücken ergänzt durch die brasilianischen Arrangements von Jaques Morelenbaum. Kubanische Musiker veredelten in Havanna unter seiner Leitung fünf Stücke des Albums mit romantischen Streichern und leichten Bläsersätzen (3,5,6,8,10). Auch Cesaria kam für eine Woche nach Kuba, und nach anfänglicher Scheu kam es zu ausgelassenen Sessions mit den kubanischen Musikern. Hier nahm Cesaria ihre "Maria Elena" (12) auf - ein idealer Ort für diesen Klassiker. Der Flötist Orlando Valle machte aus "Beijo di Longe" (9) einen Danzón und die Musiker aus Havanna sangen die Backvocals in kapverdischem Kreol-Dialekt. Die Geige von Lazaro Dagoberto Gonzalez vom Orchesta Aragon verlieh zwei Mornas kubanisches Flair (1,11). Die Klänge Westafrikas und Brasiliens ziehen sich auch durch einige der Stücke der neuen Produktion: So ist der Einfluß Brasiliens in der Musik der Kap Verden präsent, aber nicht dominierend. Die Karnevalsmusik der Inseln ist ganz anders als der Samba von Rio. In "Carnaval de São Vicente" (6) zeigen dies zwei der bedeutendsten Perkussionisten der Kap Verden. Ihr Spiel wird ergänzt durch die Bläser und Streicher unter Leitung von Jaques Morelenbaum. Mit "Desilusão dum Amdjer" (7) erweitert Cesaria Evora ihr musikalisches Spektrum um ein weiteres Element. Die zarten Klänge der westafrikanischen Kora geben diesem Lied, daß von den Schmerzen einer verletzten Frau handelt und viel Biographisches aus Cesarias Leben enthält, einen eigenen Klang, der daran erinnert wie nah die Küste Senegals den Kap Verden ist. "Café Atlantico" ist der Ort an dem Cesaria Evora noch immer lebt, auch wenn die Kneipe verstaubt, ein bißchen verlassen ist und am Ende der Welt liegt. Hauptsache sie ist umgeben von ihren kapverdischen Landsleuten, ihren Musiker und Freunden. Hier tritt sie aus ihrer fast kindlich wirkenden Scheu heraus und wandelt sich binnen Sekunden zu einem Bündel Lebensfreude. Ein Zucken ihrer Schultern im Rhythmus der Coladeiras und ein Schauern geht durch den Raum, das so schnell verschwindet wie es gekommen ist. Cesaria Evora ist immer in Mindelo, auch wenn sie auf Konzerten rund um die Welt reist und in den Hotelzimmern von Paris, London oder Berlin ihre Koffer auf und zuklappt. Cesaria kann ohne ihr Mindelo nicht leben, sie trägt es in ihrem Herzen und verteilt seinen Charme jeden Abend von neuem in ihren Liedern. Alexander Trofimow (in Anlehnung an einen französischen Text von Anaïs Prosaic)
|
|
Deutschland, Mai 1999 - Ostern 2000 © ReiseTräume
|