KapverdenCabo Verde - Várias VozesCabo Verde
Ornithologische Kapverdenreise

Autor Wolfgang Knoblach

Sibylle,

zurückgekehrt von unserer ornithologischen Reise auf die Kapverdischen Inseln möchte ich Ihnen kurz von unseren Erfahrungen berichten, um Ihnen damit ein kleines Feedback zu ge­ben.

Gleich vorneweg: Es war eine sehr erlebnisreiche, ornithologisch erfolgreiche und schöne Reise!

Alle 10 Flüge mit der TACV verliefen pünktlich und reibungslos, selbst bei starkem Wind auf Boa Vista gelangen den sehr erfahrenen Piloten mühelos einwandfrei Start und Landung. Pro­bleme mit verlorenem Gepäck hatten wir nie, allerdings hatten wir schon immer ein Auge auf unser Gepäck, ließen uns oft die Flüge zwischendurch bestätigen, ein Besuch des örtlichen TACV-Büros am Tag vor dem Flug war immer obligatorisch.

Selbst der Boa Vistaflug am Anfang wartete eine kurze Verspätung des Langstreckenfluges ab, so dass wir - wie geplant - noch am gleichen Tag Boa Vista erreichtt.

Das Gewicht des Reisegepäcks scheint kein sehr großes Problem mehr zu sein, wir sahen häufig Schilder mit 32kg erlaubtem Gepäck.

Boa Vista
Pousada da Boa Vista Wie von Ihnen angekündigt, einfache und saubere Unterkunft, für uns völlig ausreichend. Esplanada und Bar Naida waren sehr gute Tipps! Mit Rui Melo gleich gegenüber erwischten wir einen sehr tüchtigen und pünktlichen Ge­schäftsmann, der uns Auto nebst Fahrer zu unserer Verfügung organisierte und auch die Kon­takte zu einem Fischer im Norden knüpfte. Verständigung war hier nur in französisch möglich. Die Bootsfahrt und Übernachtung auf dem Eiland „Ilheu de Balhuarte“ war ein Erlebnis: Hin­übergeschippert mit einer Nussschale verbrachten wir die vom Tau sehr feuchte Nacht inmitten von Brauntölpeln und zwei Paaren des höchst seltenen Prachtfregattvogels auf der Insel. Nach­dem der Wind auffrischte und das Meer entsprechend nachzog, war die Rückfahrt mit dem auf den Wellenkämmen tanzenden Boot eine mulmige Angelegenheit!

Santiago
Unterkunft, Verpflegung und Betreuung in der Kingfisher Lodge waren phänomenal! Mit Zeca hatten wir einen kundigen Fahrer, der uns in deutsch (!) seine Insel erklärte und überall bekannt war. Er holte uns zuverlässig von unseren Wanderzielen ab und sorgte sich auch abends um unser Wohl. In der Küche wird nach Aussage eines Stammgastes nur mit Mineralwasser ge­kocht, so dass wir keine „Nachwirkungen“ zu fürchten hatten. Einziger Wermutstropfen: Viele Moskitos im Haus und trotz Mückennetzen waren Stiche nicht zu vermeiden; wollen wir hof­fen, dass die Malaria hier nicht noch zuschlägt!
Im Poilon leider keine Purpurreiher mehr, wird immer trockener! Ansonsten alle Arten gefun­den.

Sao Vicente
Peter Gerbing nebst einheimischer Azubi und „Frühstücksrentner“ Otto sind ein rühriges Team! Das Stadthotel ist noch im Aufbau, gefrühstückt wird bei Otto auf der Dachterrasse und für die Fahrten ist Peter selbst zuständig. Die ornithologischen Ziele an den Klärteichen und Lagunen waren schnell besucht, so blieb noch Zeit für eine Fahrt auf den Monte Verde mit toller Aus­sicht. In Mindelo aßen wir vorzügliches Fondue im Schweizer Lokal „Monte Verde“ bei Arthur Schoch (unbedingt empfehlen). Der Wirt kümmerte sich rührend um unser Wohl, war wohl froh, dass Gäste kamen, denn der Besuch Einheimischer sei nicht so toll. Viel schöne Musik auf den Plätzen. Ich fürchte jedoch, Sao Vicente wird immer Durchgangsinsel bleiben, wir wollten aber Peter Gerbing seine hochtragenden Hotelillusionen nicht nehmen.

Sao Nicolau
v.l. Jürgen Wagner, Wolfgang Knoblach, Hans Knoblach -- Um das komplettes Bild zu vergrößern bitte anklicken Mit Abstand die Insel, die uns am besten gefallen hat! Wir sind über einige Pässe gewandert, waren am „Blauen Loch“ und hatten auch ornithologisch großen Erfolg. Absolutes Highlight war natürlich die Bootsfahrt nach Razo, die schon vielen Ornithologen - selbst schon vor Ort - wegen hohem Seegang nicht vergönnt war. Aufgrund unserer Erfahrungen von Boa Vista hielten wir nach einem größeren Boot Ausschau und wir entdeckten auch ein Hochseefischerboot im Hafen. Doch als der Eigentümer von uns 45.000,- Esc wollte und auch erst ein Motor repariert werden musste, hörte der Spaß auf, wir wollten das Boot ja nicht kaufen! Wir benötigten einen ganzen Tag, um einen anderen Kapitän zu finden! Jetzt hatten wir für 20.000,- Esc einen gro­ßen Fischkutter mit Beiboot, der uns nach Razo brachte, dort mit 3 Mann Besatzung an die einzige Anlegestelle ruderte, so dass wir trockenen Fußes die Insel erklommen. Das Auffinden der endemischen Razolerche kostete uns eine ganze Stunde intensiver Suche in den Sandge­bieten; wegen der Trockenheit war die Brut schon vorüber und die Vögel hielten sich in größe­ren Verbänden mehr im Bergland auf. Mit 37 Exemplaren krönten wir unseren ornithologischen Erfolg, den wir nach sicherer Fahrt ohne Seekrankheit abends mit Langusten feierten. Welch ein Tag! Mit der Pensao Tonecas waren wir sehr gut bedient. Der Besitzer machte zwar anfänglich einen etwas mürrischen Eindruck, taute dann aber sichtlich auf und unterstützte uns bei der Kapitäns­suche mit Rat und Tat. Auch waren wir mit der Unterbringung in Tarrafal sehr zufrieden, in den Bars gern gesehene Stammgäste. Von Alice im Hafen waren wir etwas enttäuscht, das Es­sen mittelmäßig, die Freundlichkeit sehr zurückhaltend. Viel besser gefiel es uns in der Bar "Patché", wo wir uns Langusten und anderes Meeresgetier nach einem zünftigen Billardspiel schmecken ließen.

Sal
Ornithologisch interessant die Salinen Pedra Lume sowie die bei Santa Maria. Ansonsten waren wir froh nur einen Tag dort verbracht zu haben. Die Hotelburgen in Santa Maria und die hohen Touristenpreise sind nicht unsere Welt! Gottseidank hatten Sie uns unter Einheimischen in Espargos untergebracht: Zentral, flughafennah und freundlich. Das von Ihnen empfohlene Lokal „Dinamica“ war trotz des äußeren desolaten Eindrucks hervorragend!

Am schlimmsten unsere Landsleute im Flughafen: "Hier kommen wir erst wieder her, wenn die Leute deutsch sprechen!" Welch eine Schande!

Einige Bilder von Vogelarten zur Illustration, allerdings keine Fotos, da wir die Vögel nicht fotografieren, sondern nur beobachten
Helmperlhuhn - Zum Vergrößern bitte Anklicken Prachfregattvogel - Zum Vergrößern bitte Anklicken Kapverdianischer Sturmvogel - Zum Vergrößern bitte Anklicken
Rotschnabel Tropikvogel - Zum Vergrößern bitte Anklicken Weisssternlerche - Zum Vergrößern bitte Anklicken Wellenastrild - Zum Vergrößern bitte Anklicken

Beobachtungsliste "Kapverdische Inseln 29.3.-12.04.2003"

Analog zu Ihrem Anschreiben ein paar Worte, die mir im Verlauf der Reise wichtig geworden sind:

Ich habe schon sehr viele Länder dieser Erde besucht, selten sind mir aber solch schöne Men­schen begegnet wie auf den Kapverden. Die Menschen strahlen eine seltsame Würde aus, sind sauber und freundlich, dabei aber sich nie anbiedernd. Sie sind hilfsbereit und geschäftig, aber auch scheu, nie aufdringlich. Ihre Hauptsorge gilt der täglichen Wasserbeschaffung, das sie oft von weit her auf dem Kopf tragen müssen; wie kostbar kann Wasser sein! Es hat auf den Kap­verden seit 15 Jahren nicht mehr ergiebig geregnet, viele Palmen und Büsche sind in bedauerli­chem Zustand. Wie gerne würde ich den Kapverdianern einen deutschen „Schnürlregen“ wün­schen! Die Sorge hier um das tägliche und jährliche Wasser lässt uns unsere oft kleinlichen Probleme gering erscheinen. Die Menschen dort brauchen unsere weisen Ratschläge nicht, nicht unseren kapitalistischen Lebensstil, sie haben ihren eigenen Lebensweg gefunden. Sie sind arm, haben aber keinen Hunger zu leiden. Und wenn wir nicht Begehrlichkeiten in ihnen wec­ken, werden sie auch weiterhin glückliche Menschen bleiben.

... In der Anlage noch unsere ornithologische Ausbeute in Listenform, keine hohe Artenzahl, aber sehr gehaltvoll! Sie können sie gerne an ornithologisch Interessierte weiter geben.

Ich darf mich bei Ihnen für Ihre engagierte Reisevorbereitung bedanken, wir waren sehr zufrieden und werden Sie gerne weiter empfehlen. Bleiben sie individuell, setzen Sie auf Klasse und lassen Sie die Einheimischen etwas verdienen, indem sie Leute wie uns von den Massentouristenunterkünften fern halten.

Nochmals vielen Dank, weiterhin viel Erfolg und Frohe Ostern!


© Wolfgang Knoblach 2003 .

[]

© 2003 w.knoblach