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Mit Kleinkind unterwegs!?

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wiebkeandi
Neuling


Anmeldedatum: 28.12.2003
Beiträge: 1

Verfasst am: So 28 Dez 2003 2:27    Titel: Mit Kleinkind unterwegs!?

Hallo zusammen!
Wir planen im Februar/März '04 einen Urlaub auf den Kapverdischen Inseln. Unsere größte Frage ist z.Z., ob wir diese Reise aus hygienischer Sicht mit unserer kleinen Tochter (dann 14 Monate) machen können. Wir würden gerne 3-4 Inseln bereisen und uns vor Ort eine nette Unterkunft suchen. Schwerpunkte liegen auf Baden, Tauchen und Wandern.
Wer kann uns kinderfreundliche Tipps geben, schöne Orte nennen und nette Unterkünfte sagen?
Welche Inseln könnt Ihr uns empfehlen? Welcher Reiseführer ist für Individualreisen prima?
Es wäre supernett, wenn uns jemand die ein oder andere Frage beantwortet.
Liebe Grüße,
Wiebke & Andi
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Joe Geberth
Spezialist


Anmeldedatum: 19.02.2003
Beiträge: 4
Wohnort: 65366 Geisenheim

Verfasst am: So 28 Dez 2003 11:50    Titel:

Hallo Wiebke und Andi! Folgender modifizierter Auszug aus dem Wanderführer Kapverdische Inseln (G-Tour-Verlag) könnte Ihre Frage beantworten helfen.
Der Wanderführer ist derzeit vergriffen, kann aber demnächst bei mir - gegen eine Spende für ein von Gerhard Schellmann unterstütztes Kapverden-Projekt - online als PDF-Datei bezogen werden. Melden Sie sich bei Bedarf!
Gute Reise!


Mit Kleinkindern reisen und wandern © Joe Geberth G-Tour-Verlag (Auszug)

Während der Recherchen zu diesem Tourenführer begleiteten mich meine Frau Manuela und Tochter Alba - damals im Alter von 18 Monaten - für die Dauer von 3 Wochen auf die Inseln Santiago, Fogo und Brava, wo wir etliche der beschriebenen Touren zu dritt absolviert haben.

Das Wandern mit Kleinkind auf den Kapverden unterscheidet sich nicht prinzipiell von Wanderungen etwa im Alpenraum: Das Kind muss getragen werden und in der Rückentrage auch schlafen können; die Touren dürfen nicht zu anstrengend und vor allem nicht zu lang sein, da das Kind öfter mal eine Pause braucht, in der es seinen Bewegungsdrang ausleben kann. Essen und Trinken sowie Windeln wechseln und Unvorhergesehenes erfordern meist mehr Zeit als einkalkuliert.

Zwar sind die klimatischen Verhältnisse auf den Kapverden deutlich ausgeglichener als etwa im österreichischen Sommer, wo die Temperaturen im Flachland auf 35 Grad ansteigen können und auch die Nächte nur wenig Abkühlung bringen, wo man im Hochgebirge tagsüber intensiver UV-Strahlung und Hitze, sowie nachts empfindlicher Kühle ausgesetzt ist, doch sind Sonnenhut und wasserfeste Sonnencreme (SF 12+) sowie ein Schutz gegen kühle Zugluft auch auf den Kapverden unverzichtbar.

Was das trocken-warme Klima der Inselgruppe betrifft, so ist es für den Organismus von Erwachsenen und Kindern weniger belastend als die Hitze des kontinentaleuropäischen Sommers oder winterliches Schmuddelwetter mit Nebel, Regen und Kälte. Der Wechsel etwa vom deutschen Winter ins sommerlich-warme Kapverde erfordert jedoch eine schnelle Anpassung des Stoffwechsels und belastet den Organismus spürbar, doch werden gesunde Erwachsene mit dieser Art Stress leicht fertig - und der Organismus eines Kindes ist vermutlich noch flexibler und anpassungsfähiger als der seiner Eltern.

Endlich wieder draußen herumtoben zu können, dazu Sonne, Sand und Meer - das ist Balsam für Körper und Psyche! „Baden und SandŽbŽielen“, - so brachte es unsere Tochter auf den Punkt und tänzelte vor Glück über den schwarzen Sand Fogos.

"Vlieswindeln und H-Milch vorhanden" hatte ich meiner Frau telegraphiert, doch später entdeckte ich tatsächlich Höschenwindeln in einem Importwarenladen in Praia. Reichlich teuer zwar, aber immerhin! Bringen Sie also am besten ein Tragepaket Höschenwindeln mit und auch alle sonstigen Hygieneartikel für Ihr Kleines!

Wer in einem der Luxushotels auf Sal mit Halbpension untergebracht ist, braucht sich über die Ernährung des Kindes keine großen Gedanken zu machen; es gibt zwar auch dort keine Frischmilch, sondern nur H-Milch (ggf. im Laden in Espargos kaufen) oder die ortsüblich aus Pulver bereitete Milch, doch lassen sich Gemüse, Kartoffelbrei etc. leicht in der Hotelküche organisieren oder vom Teller der Erwachsenen abzweigen. Selbst Gläschenkost könnten Sie dorthin bis zum Limit des Freigepäcks mitnehmen.

Auch in den großen Hotels der anderen Inseln sollte die Ernährung des Kleinkindes kein Problem sein. Doch wer z.B. am Strand von Tarrafal auf Santiago einen Bungalow mieten und dort sowohl wandern als auch baden will, muss seine Erwartungen an Sauberkeit und Komfort auf das ortsübliche Maß herunterschrauben und zusehen, wie er sich und die seinen von den Lebensmitteln ernährt, die in den Läden, auf den Märkten oder in den Restaurants angeboten werden. Glücklich, wer sein Kind in Kenntnis der Versorgungslage schon zu Hause an den Geschmack von Pulvermilch und selbst zubereiteter Nahrung (statt Gläschenkost) herangeführt hat, alles Nötige mitbringt und auch vor Ort einige wenige, aber entscheidende Punkte beachtet! Das bedeutete in unserem Fall:

Wasser: zur Nahrungszubereitung, zum Waschen und Zähneputzen aus öffentlichen Brunnen und Wasserzapfstellen, auch mal chloriertes Leitungswasser - aber stets entkeimt mit einer halben Tablette Micropur MT 20 im 10 l Faltkanister. (Es gibt auch überall stilles Mineralwasser aus Portugal zu kaufen)

Milchflasche: Milchpulver (2 kg Dosen aus EG-Beständen in Kapverde überall preiswert erhältlich) angerührt mit wenig zimmerwarmem Wasser, dann nach Vorschrift mit Wasser (ca. 25 Grad) aufgefüllt und gelegentlich zur Geschmacksverbesserung mit Getränkepulver (Bananengeschmack) versetzt.

Gaskocher: klein, ohne Kartusche (Mitnahme in Flugzeug wg. Explosionsgefahr verboten, auf Kapverde überall erhältlich; Alutopf: zum Teekochen und zur Bereitung von Griesbrei aus Weizengries; ggf. Erwärmen des Fläschchens im Wasserbad.

Unsere Tochter war zu jener Zeit - welch glückliche Fügung - ganz wild auf Bananen, das einzige Obst, das in Kapverde immer und überall erhältlich ist: Bananengeschmack in der Milchflasche, Banane im Griesbrei, Banane zermatscht und Banane auf die Faust, dazu das zusammengeknäulte Innere von Weißmehl-Brötchen, abends im Restaurant etwas Suppe, zerdrückte Karotten und Kartoffeln oder Reis und - ungesalzene - Pommes frites, unterwegs ab und zu auch Kokosmark frisch aus der Nussschale.

Dank ihres hohen Konsums an Milch und der ballaststoffreichen Beikost kam es trotz Brötchenteig und Bananenorgie nicht zum Darmverschluss, wie auch überhaupt das 3-wöchige Inselhopping - zur Hälfte per Fährschiff - für Mutter und Kind ohne jegliche gesundheitliche Beeinträchtigungen verlief; nur der Vater war todsterbenskrank...während der einstündigen Überfahrt von Brava nach Fogo mit der "Furna".

Lassen Sie bei Ihrem Kind rechtzeitig die altersgemäßen Impfungen durchführen und in einen Internationalen Impfpass eintragen.

Konsultieren Sie einen Kinderarzt und fragen Sie ihn um Rat bzgl. eines kleinen Vorrats an Medikamenten, die speziell für Kleinkinder gedacht sind (Saft, Zäpfchen, Tabletten zum Auflösen).

Außer dem Notfallpäckchen (im Daypack, siehe Stichwort Ausrüstung) führten (schleppten) wir ein Fieberthermometer und folgende Medikamente mit:

Kohletabletten (leichter Durchfall), Cotrimoxacol (schwerer Durchfall), Oralpädon 240 (Rehydration bei Durchfall), Betaisodona (Wundbehandlung), VICK VapoRub (Husten), Prospan-Kinder Saft (Husten), ben-u-ron Saft und Zäpfchen (Schmerzen, Fieber), Sigamopen-Saft (bakterielle Infektionen).

Auch wenn sich die Medikamente im Nachhinein als überflüssig erweisen sollten..., (einer lokalen Krankenstation gespendet kommen sie vielleicht doch noch vor Ablauf des Verfalldatums zum Einsatz) - sie beruhigen ungemein und können im Ernstfall die Zeit bis zum Eintreffen des Kindes beim Arzt oder im Krankenhaus überbrücken.

Ausrüstungs-Checkliste Kleinkind:
Kinder-Reisepaß und Visum, Rückentrage, Kleidung, wenige Spielsachen, leichter, ärmelloser Strampelschlafsack, Isomatte, 1 Tragepaket Höschenwindeln (kompakt), Wickelutensilien, Badeschuhe, Sonnenhut, Sonnencreme (SF 12, SF 5), Medikamentenvorrat, Gaskocher, Alutopf, Milchflasche, Teebeutel, Getränkepulver, Weizengries, Hafer-Schmelzflocken, 10 l Faltkanister, Micropur MT 20, evt. Strandzelt.

Literaturempfehlung: HUSS, Gottfried (1994): "Mit Kindern in die Tropen: Ein kinderärztlicher Ratgeber für Eltern". 80 S., ca. 9 Euro, Marburg (Kilian).
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